Bienen sind eine Selbstverständlichkeit in unserer Umgebung, so denkt man wenn man das Summen der Pollensammler in der nächsten blühenden Hecke hört. Leider ist dem gar nicht so. Die Bienen, nicht nur die domestizierten Honigbienen, sondern auch ihre wilden Verwandten, insbesondere die solitären, also allein lebenden, Bienenarten stehen mächtig unter Druck. Offenbar wird die schleichende Katastrophe daran, dass die Imker mehr und mehr Bienenvölker während des Winters verloren haben. Die Verlustraten schwanken zwischen 20 und 100 Prozent!
Zwischenbilanz
Vor einem Jahr hatten die Umweltorganisationen natur&ëmwelt und Greenpeace Luxemburg in einer ersten Kampagne auf die Bedrohung der Bienen aufmerksam gemacht. Vorgestern zogen die beiden Verbände, unterstützt vom Imker Michel Collette, im „Haus vun der Natur“ in Kockelscheuer eine Zwischenbilanz in Sachen Bienen und Bienensterben. Roby Biwer, der Präsident von natur&ëmwelt, konstatierte zunächst: „Wir haben ein massives Problem in Sachen Artenvielfalt. Das betrifft auch die Bienen und zwar nicht nur die Honigbienen, sondern alle Bestäuber.“
Die Gründe sind für Biewer schnell ausgemacht: Verlust an Nahrungsquellen, Biotopvernichtung, ausgeräumte Landschaften, das Verschwinden von Feldrainen und Streuobstwiesen und nicht zuletzt der massive Einsatz von Pestiziden, insbesondere von Neonicotinoiden. Laut Biwer war die Wirkung von letzterem im letzten Jahr noch umstritten, sei aber bei allen Fachleuten mittlerweile unstrittig. Hinzu kommt der seit langem schon bekannte Parasitenbefall mit Varroamilben.
Biwers Forderungen waren eindeutig: Der Nationale Aktionsplan Pestizide muss endlich kommen und auch der landwirtschaftliche Entwicklungsplan (PDR) müsse entsprechend angepasst werden.
Als direkter Zeuge der Entwicklung formulierte der Bio-Imker Michel Collette eine ziemlich düstere Bestandsaufnahme:
„Bei den Bienen sieht es in diesem Jahr sehr schlecht aus. In Luxemburg rechnet man zwischen 20 bis 100 Prozent Verlust. Viele kleine Imker haben keine Bienen mehr. Viele melden das auch nicht aus Angst, dass sie ausgelacht werden. Und immer dasselbe Bild: Viel Mais- und Rapspollen, keine Brut und die Beuten sind einfach leer. Ich vermute Pollenvergiftung durch einen ganzen Cocktail aus Pestiziden. Ich bin seit über 50 Jahren Imker, aber ein Bienensterben wie in den letzten Jahren habe
ich noch nie erlebt. Wann greifen unsere Politiker endlich ein und verbieten die Bienengifte ?“
Verbot verlängern
Laut Greenpeace ist die Verwendung dreier Bienengifte aus der Gruppe der Neonicotinoide seit Dezember 2013 europaweit für eine Frist von zwei Jahren verboten. Für natur&ëmwelt und Greenpeace Luxemburg geht dies jedoch nicht weit genug.


