PASCAL STEINWACHS

Waren in der Vergangenheit, zumal während all den Jahren, in denen die CSV den Regierungschef stellte, (gefühlte) Jahrzehnte lang die ewig gleichen Politiker an der Macht, die, einmal gewählt, an ihrem Stuhl klebten und oftmals bis zu ihrer Pensionierung in der Politik blieben, so haben sich auch hier die Zeiten geändert, wird die Spezies der ewigen Politiker doch immer seltener. Genauso wie es immer weniger oft vorkommt, dass man sein ganzes Leben lang am gleichen Arbeitsplatz verbringt.

Wer nicht Tag für Tag im Mikrokosmos der Luxemburger Politik unterwegs ist, sondern nur hin und wieder „Chamber TV“ einschaltet, um sich über die legislative Arbeit zu informieren, der dürfte inzwischen denn auch seine liebe Mühe haben, alle Gesichter zu erkennen, von der Parteizugehörigkeit und den Namen der jeweiligen Politiker ganz zu schweigen.

Besonders schnell gedreht hat sich das Personalkarussell allerdings in den vergangenen Monaten, in denen es, aus den unterschiedlichsten Gründen, zu einem regelrechten Stühlerücken in der Abgeordnetenkammer, und teilweise auch in der Regierung kam. So musste Félix Braz krankheitsbedingt aus der Regierung ausscheiden, in der er im Oktober des letzten Jahres durch Henri Kox ersetzt wurde, so dass Chantal Gary im Parlament nachrücken konnte, wo es zur gleichen Zeit infolge der sogenannten Gartenhäuschenaffäre - und wir reden immer noch von den Grünen - zum Rücktritt von Roberto Traversini kam, der wiederum durch Semiray Ahmedova ersetzt wurde. Und gestern kündigte Christian Kmiotek an, sein Amt als grüner Co-Parteipräsident Mitte März auf dem Parteikongress niederlegen zu wollen. Als potenzieller Nachfolger gilt hier Meris Sehovic, der bereits seine Kandidatur eingereicht hat.

Einen neuen Parteipräsidenten braucht aber auch die LSAP, nachdem Franz Fayot (der am Dienstag im Parlament durch Cécile Hemmen ersetzt wurde) für Etienne Schneider in die Regierung nachgerückt ist (was dort zu einer ganzen Reihe von Änderungen aufseiten der LSAP-Minister führte), was die bislang einzige Interessentin Francine Closener freuen dürfte, die ihrerseits erst vor kurzem das „Chamber“-Mandat des ins Europaparlament gewechselten Marc Angel übernommen hatte, derweil Simone Asselborn-Bintz das Mandat des in den Staatsrat gewechselten Alex Bodry übernommen hat, dessen Amt als LSAP-Fraktionschef jetzt Georges Engel innehat. Für die DP rückte indes am Dienstag Pim Knaff für den verstorbenen DP-Fraktionschef Eugène Berger nach (neuer Fraktionschef ist jetzt Gilles Baum), nachdem zuvor bereits Claude Lamberty für Joëlle Elvinger nachrückte, die zum Europäischen Rechnungshof gewechselt ist.

In der Mitte der Legislaturperiode wird es dann auch noch zu personellen Veränderungen bei den „déi Lénk“ kommen (Myriam Cecchetti und Nathalie Oberweis sollen die beiden Abgeordneten Marc Baum und David Wagner ablösen), derweil adr-Gruppenanführer noch vor Ende der Legislatur durch Fred Keup ersetzt werden soll. Nur bei der CSV bleibt alles beim Alten, und das könnte mit sich bringen, dass die einst so stolze Partei auch die nächste Legislatur in der Opposition verbringen wird...