LUXEMBURG
INGO ZWANK

Luxemburgs Arten kämpfen ums Überleben

Der nationalen Vogelwelt geht es schlecht. Zumindest bekommt man diesen Eindruck, wenn man die Meldungen verfolgt - gar Todesanzeigen zum Braunkehlchen gab es. „Wir haben einen dramatischen Rückgang der Vogelarten, auch von den Allerweltsvögeln zu Luxemburg“, sagte gestern Roby Biwer von „natur&ëmwelt“ bei der Vorstellung der neuen Roten Liste für Vogelarten. Rote Listen seien bekannt als ein Spiegelbild der jeweiligen Umwelt: „In ihnen werden Tier-und Pflanzenarten nach ihrem Gefährdungszustand eingestuft. Rote Listen sollen vor allem die Arten hervorheben, deren Bestände gefährdet sind und die drohen auszusterben“, wie gestern von Biwer betont wurde.

Kriterienschema

Um aber weltweit ein einheitliches Bild der am meist gefährdeten Arten zu ermöglichen, hat die „IUCN- International Union for Conservation of Nature“ ein Kriterienschema erstellt, „nachdem die Bestände einzuordnen sind. Dies gewährt einerseits, dass Rote Listen auf wissenschaftlichen Kriterien beruhen, und dass sich Entscheidungsträger auf diese Daten für die oft dringend nötigen Schutzpläne für bedrohte Arten verlassen können“, sagte Patrick Lorgé von „natur&ëmwelt“. Die Rote Liste der Brutvögel Luxemburgs werde alle fünf Jahre überprüft und gegebenenfalls angepasst, so Lorgé weiter. Die letzte Fassung stamme eben aus dem Jahr 2014. Und die Resultate der Analyse von 2019 sind alarmierend. „Mehr als die Hälfte der Brutvogelarten Luxemburg sind schon ausgestorben, vom Aussterben bedroht oder gefährdet.“ Dies bilanzierten neben „natur&ëmwelt“ die „Association des Biologistes Luxembourgeois (ABIOL)“, „Mouvement écologique“, Naturmuseum und auch die „Société des naturalistes luxembourgeois (SNL)“ in einer gemeinsamen Stellungnahme.

Rote Liste wird alle fünf Jahre überprüft

Die Rote Liste der Brutvögel Luxemburgs wurde also wieder überprüft. Sie hebt vor allem Arten hervor, deren Brutbestände gefährdet oder vom Erlöschen bedroht sind. Anhand aktueller Bestandsentwicklungen und unter Berücksichtigung besonderer Risikofaktoren wurden die einzelnen Arten nach einem von der IUCN vorgegebenen Kriterienschema neu bewertet. Erstmals wurde sie 1975 von der Luxemburger Natur- und Vogelschutzliga erstellt.

„Aktuell gelten die Brutstände von 13 Arten in Luxemburg als erloschen, sieben sind vom Aussterben bedroht, acht Arten sind stark gefährdet, elf Arten sind gefährdet und 24 Arten werden in der Vorwarnliste geführt“, führte Lorgé weiter aus. Ausgehend von 131 Brutvogelarten seien somit 53 Prozent der Vogelarten Luxemburgs auf der Roten Liste.

Seit 2009 steige die Zahl gefährdeter Arten und der Arten auf der Vorwarnliste rasant, so die erschreckende Nachricht. In Feuchtwiesen (91 Prozent) und an Gewässern (76 Prozent) sowie im Acker- (100 Prozent) und Kulturland (52 Prozent) sind die meisten der dort vorkommenden Brutvogelarten gefährdet. Auch wenn der Anteil gefährdeter Arten in manchen Lebensräumen höher sei, „so sind doch Arten aller Lebensräume betroffen“, sagte Lorgé.

Feldlerche, Raubwürger und Schleiereule demonstrieren

Hier ein paar Beispiele für bedrohte Arten: Die Feldlerche war 2005 noch auf der Vorwarnliste, seit 2009 gilt der Vogel als gefährdet. Der Vogel leidet unter der Intensivierung der landwirtschaftlichen Praktiken. Der Raubwürger hat in den letzten zehn Jahren fast 90 Prozent seines nationalen Brutbestandes verloren. 2014 wurde der Raubwürger von „stark gefährdet“ aus „Bestand vom Aussterben bedroht“ umklassiert. Die rezente Erhebung der Brutpaare lässt sich auf nur noch fünf bis zehn Paare schließen. Nachdem seine Population in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts ihren Höhepunkt erreichte, erlebt der Kiebitz seither durch die Zerstörung seines Lebensraums wiederum einen drastischen Bestandsrückgang - er ist vom Aussterben bedroht. Elf von 12 Arten, deren Lebensraum Feuchtwiesen sind (wie beim Kiebitz), sind auf der Roten Liste. Zwei davon sind bereits ausgestorben, vier weitere vom Aussterben bedroht.

Mehr als 20 Prozent Rückgang der Bestände der Schleiereule in den letzten fünf Jahren führten dazu, dass der Status der Schleiereule von der Vorwarnliste zu gefährdet wechselte. Die verbleibenden 100 bis 150 Brutpaare haben es nicht leicht, einen Platz zu finden, um ihre Brut erfolgreich aufzuziehen.

Biodiversitätsverlust droht -dafür striktes Verbot von Pestiziden

Die Vereinigungen richten angesichts dieser neuen Daten einen dringenden Appell an Gesellschaft und Politik, zu handeln und den bedrohlichen Biodiversitätsverlust in seiner Tragweite anzuerkennen und entsprechend zu handeln - „denn Vogelschutz ist Menschenschutz“, wie es Blanche Weber vom Mouvéco zusammenfasste. Damit verbunden brauche Luxemburg endlich ein striktes Verbot von Pestiziden und eine fortschrittliche Naturschutzpolitik, mit einer konsequenten Reform der Landwirtschaftspolitik.


Neben dieser gemeinsamen Stellungnahme zur Gefährdung der

Brutvögel wurde auch ein „Werbefilm mit den betroffenen

Vögeln“ mit emotionaler Botschaft erstellt, wo die Betroffenen,

die gefährdeten Vögel selbst, auf einer Demonstration

zur Sprache kommen - zu sehen unter anderem

auf www.naturemwelt.lu