CLAUDE KARGER

„Das einzige, was ich falsch gemacht habe ist eine Wahl zu gewinnen, die von „Crooked Hillary“ (der krummen oder korrupten Hillary Clinton, d.R.) gewonnen werden sollte und von den Demokraten“. Das zwitscherte am Donnerstag tatsächlich der US-Präsident, der immer stärker unter Druck gerät und natürlich die gewohnten Reflexe auspackt: Schnell in die Rolle des Opfers, das von irgendwelchen Verschwörern abgehalten werden soll, seinen tollen Job zu machen.

Der Immobilienmogul im Weißen Haus schreibt sich ja tatsächlich etwa zu, ganz allein die US-Wirtschaft wieder auf Vordermann gebracht zu haben - in Wirklichkeit war sie es natürlich schon vorher längst, vor der zugegeben großzügigen Steuerreform des Präsidenten.

Das hatte nicht zuletzt mit der allgemein positiven Weltkonjunktur zu tun, die ein Handelskrieg, wie ihn sich die USA und China nun liefern, nun ausbremsen würde. Dass der Präsident der Vereinigten Staaten ohne mit der Wimper zu zucken das US-Handelsdefizit derart erklärt, dass Feinde von draußen in irgendeiner Kasse Milliarden gestohlen hätten und so tut, als ob ein Rennen um die höchsten Strafzölle „Gewinner“ hervorbringen werde, spricht Bände über Trumps Unverständnis des Welthandels.

Besorgniserregende Bände. Dieser Tage meinte der POTUS sogar, im Falle einer Amtsenthebung bräche die heimische Wirtschaft umgehend zusammen „und dann sind wir alle arm“. Vielleicht aber gäbe es sogar ein großes Aufatmen. Aber so weit sind wir noch nicht. In den USA ist spätestens seit dem Urteil gegen Trumps ehemaligen Wahlkampfmanager Paul Manafort sowie den Enthüllungen und Beschuldigungen seines langjährigen Anwalts Michael Cohen diese Woche das „I-Word“ - für „Impeachment“ - in allen Köpfen. Weitere Enthüllungen dürften folgen, glauben viele Beobachter. Und sind überrascht, dass es nicht längst schon läuft. Denn in den meisten anderen Demokratien würden versuchte Einmischungen in die Arbeit der Justiz durch ein Staatsoberhaupt unweigerlich schnell drastische Konsequenzen zeitigen.

Trump, nicht gerade zimperlich im Austauschen von missliebigen Ministern oder Chefs von Sicherheitsbehörden, hat Justizminister Sessions nun ins Visier genommen, ihn per Twitter persönlich diskreditiert und ihm empfohlen, Untersuchungen gegen seine politischen Widersacher einzuleiten. Die kaum verhohlene Botschaft: Setz‘ die Mittel anderswo ein als für Ermittlungen über die mögliche Zusammenarbeit zwischen meiner Wahlkampfmannschaft und Russland. Doch der ultrakonservative Sessions, übrigens ein Unterstützer der ersten Stunde für Trump, macht das Spielchen nicht mit und weist jegliche politische Beeinflussung ab. Sich vor den Rechtsstaat zu stellen gereicht ihm zur Ehre. Aber der POTUS wird sicher nichts unversucht lassen, um ihn zu feuern und so flagrant bezeugen, dass er die Justiz behindern will. Dann aber würden die Zeichen definitiv auf „Impeachment“ stehen. Auch seine Republikaner könnten ihn dann kaum mehr halten. Wenige Wochen vor den Parlamentswahlen vom 6. November befindet sich Trump demnach in einer echten Zwickmühle. Von selbst wird sie sich kaum auflösen.