LUXEMBURG
ISABEL SPIGARELLI

Studenten engagieren sich ehrenamtlich

Wer sich neben dem Studium für ein Ehrenamt aufrafft hat bei der Jobsuche bessere Karten. Fabio Scolastici von der ADEM kann das nur bestätigen: „Es fällt den Arbeitgebern positiv auf, wenn sich jemand neben dem Studium freiwillig engagiert.“ Viele Studenten können sich jedoch keinen unentgeltlichen Job leisten. Der Stundenplan ist voll und die nächste Miete muss gezahlt werden.

Diesen begegnet Luc Pauly, Sekretär der „Agence du Bénévolat“, während seiner Arbeitszeit selten. Gelegentlich bemühen sich Studienabbrecher um ein Ehrenamt. „Wir wissen nicht wie viele Studenten unser Online Portal aufrufen“, erzählt Pauly, „In unserem Büro in Strassen erscheinen jährlich insgesamt zweihundert Interessenten.“ Die „Agence du Bénévolat“ erhält aber auch von den suchenden Unternehmen wenig Rückmeldung. Die Bemühung um ehrenamtliche Arbeit ist in Luxemburg allgemein überschaubar. Pauly merkt jedoch an, dass viele Jugendliche und Studierende bei der freiwilligen Feuerwehr tätig sind oder an Pfadfindergruppen teilnehmen. In der Regel suchen sie nicht den Kontakt mit großen Unternehmen. Besonders präsent ist hingegen das freiwillige, studentische Engagement der Luxemburger an Universitäten.

Organisationstalent gefragt

Tom Hermes ist seit einem Jahr Präsident der „Association des cercles d’étudiants luxembourgeois“. Der 24-Jährige schließt im kommenden Semester sein Masterstudium in Wirtschaftswissenschaften und Maschinenbau ab, und das in der Regelstudienzeit, trotz Ehrenamt.

Dieses nur als Pluspunkt auf dem Lebenslauf zu bezeichnen lehnt er entschieden ab: „Das ist ein Knochenjob. Wer da nicht mit Leidenschaft rangeht kann es gleich bleiben lassen.“ Er selbst denkt nicht darüber nach, ob sich sein Einsatz später positiv auf seine Arbeitssuche auswirkt.

Das Komitee der ACEL besteht aus elf Studenten. Sie verfolgen drei Ziele: Das Informieren von Schülern, die Vertretung und das Zusammentreffen luxemburgischer Studenten. Hermes entschied sich nach einer Veranstaltung der ACEL für seine Kandidatur zum Präsidenten. „Seit der ‚Réunion Européenne des Étudiants Luxembourgeois 2012‘ in Aachen war für mich klar, dass ich bei ACEL mitwirken will“, erklärt er.

Die Arbeit für ACEL ermöglicht das Gespräch mit der Regierung

Das eigene Land an der Universität zu vertreten ist für viele eine Herzensangelegenheit. Die ACEL vertritt 44 Studentenvereinigungen, die jeweils zehn Komitee-Mitglieder zählen. Der „Studentenbal“, die REEL und die regelmäßigen Treffen der Studentenvereinigungen erfreuen sich laut Hermes großer Beliebtheit. Er schätzt sein Engagement aus verschiedenen Gründen: „Als einfacher Student mit der Regierung über die Reform der Studiengelder diskutieren? Unmöglich.“ Das sieht als Präsident der ACEL anders aus. Ganz nebenbei schult er zusätzlich seine Soft Skills und knüpft viele neue Bekanntschaften.