ROODT-SUR-SYRE
CORDELIA CHATON

Barbara Fischer imkert seit mehr als vier Jahren – und ist begeistert

Sie hörte sie schon, bevor sie sie sah: Ein großer schwarzer Bienen-Schwarm flog an diesem Spätsommertag durch die ruhige Wohnstraße und landete auf einem Baum im Garten des Nachbarn, mit dem Barbara Fischer gerade einen Plausch hielt. Das Summen war beeindruckend, die Zahl von mehreren Zehntausend Bienen war es auch. Fischer und ihr Nachbar hatten ein mulmiges Gefühl angesichts der schwarzen, summenden Wolke: Was tun? Fischer rief einen ihr bekannten Imker im Nachbardorf an, der kam und den Schwarm samt Königin in eine Bienenkiste schüttelte. Fischer und ihr Nachbar waren beeindruckt. „Eigentlich“, sagt Fischer, „war das der Beginn meines Interesses für Bienen.“

Sie steht vor den Bienenkästen und erzählt mit Begeisterung. „Es ist mehr als ein Hobby, man bekommt ein ganz anderes Gefühl für die Natur und Wetterphänomene“, sagt sie. „Es ist wie eine Sucht.“

Die Hobby-Imkerin zeigt die Waben, die Arbeitsbienen, die Drohnen, die Königin – und den Beginn einer neuen Königin. „Zwischen März und August muss man jede Woche überprüfen, dass keine neue Königin angesetzt wird“, erklärt sie. „Die erkennt man an der besonders großen Wabe, der sogenannten Weiselzelle.“ Königinnen seien das Herz des Bienenstocks. „Ein Volk ohne Königin stirbt“, erklärt Fischer. Die Königin ist um ein Vielfaches größer als Arbeitsbienen, die meist 40 Tage lang leben, erzählt die Imkerin beim Ortsbesuch.

Lëtzebuerger Journal

Natur ist kein Idyll

Ihre Bienenstöcke stehen auf dem Land, neben einem Naturschutzgebiet. Doch so idyllisch wie es aussieht, ist es nicht, weiß Fischer: „Wird zuviel gespritzt verlieren die Bienen dadurch die Orientierung. Und wenn zum Beispiel Rapsfelder auf einen Schlag geerntet werden, gibt es einen großen Futterbruch“ Das Naturschutzgebiet sei noch frisch und dort wachsen nur wenige Blumen. „Und über den Wald fliegen Bienen nicht. Das ist zu hoch“, erklärt die Hobby-Imkerin. Sie berichtet von einem Kollegen in der Stadt, der dort imkert. „Er hat viel weniger Probleme mit Biodiversität“, ist sie überzeugt. „Auf dem Land gibt es zu viele Monokulturen. Die Bienen sind außerdem sehr wetterabhängig und der Klimawandel macht ihnen zu schaffen.“

Zu ihren Bienen geht Fischer nur mit einer weißen, stichfesten Imkerjacke und einem entsprechenden Hut, der ebenfalls weiß ist. „Dunkle Farben machen Bienen aggressiv“, hat sie gelernt. Denn nach dem Erlebnis im Garten des Nachbarn hat sie mit diesem über den Luxemburgischen Imkerverband FUAL theoretische und praktische Imkerkurse belegt – und war begeistert. „Aber ein Kurs oder Bücher reichen nicht, das Beste ist, man hat noch einen Paten“, findet Fischer, der selbst ein erfahrener Imker zur Seite steht, der 70 Bienenvölker hat.

Honig-Freunde

Mittlerweile hat sie sieben Bienen-Völker und ihr Nachbar fünf. „Außerdem haben wir viele Freunde – wie alle, die Honig machen“, lächelt Fischer. In ihrer Garage stehen Bienenkisten und Wabenrähmchen, von denen zehn bis zwölf in eine Kiste passen. „Zu Weihnachten oder zum Geburtstag wünsche ich mir meist einen Gutschein für den Imkershop“, berichtet die Hobby-Imkerin. Denn schon eine Kiste schlägt mit 120 Euro zu Buche. Die Wachsplatten für die Wabenrähmchen kann ein Hobby-Imker aus eigenem Wachs gießen lassen. „Dafür muss man allerdings ausreichend Wachs haben – zehn Kilo braucht man schon“, weiß Fischer. „Außerdem muss das Wachs sauber geschmolzen sein, damit keine Rückstände von  Maden und Bienen mehr darin sind.“ Sie zeigt, dass in einem Drohnenrahmen eine Varroa-Milbe die Drohne befallen hat. Sichtbar ist die Milbe als kleiner Punkt im Nacken. „Diese Milben kommen aus Asien und sind ein riesiges Problem“, weiß Fischer. „Sie können ein ganzes Volk umbringen.“ Die Hobby-Imker rücken ihnen mit Ameisensäure und dem Ausschneiden von Drohnenrahmen zu Leibe. „Die Milben setzten sich gern auf Drohnen, weil sie 24 Tage verpuppen, eine Arbeitsbiene hingegen nur 21 Tage“, sagt sie.

Tipps erhält Fischer bei ihrem Verein. Die Mitgliedschaft dort findet sie sehr wichtig. „Es gibt viel zu beachten. So muss jedes Bienenvolk beim Veterinärsamt angemeldet sein, denn wenn es eine Krankheit wie die amerikanische Faulbrut gibt, werden alle Bienenvölker im Umkreis von zehn Kilometern getötet“, weiß sie. „Dann sind dann 50.000 bis 60.000 Bienen pro Volk.“

Fischer findet, dass Imkern mittlerweile zu einem angesagten Hobby geworden ist. „Es wird ja auch staatlich gefördert, durch den Bienenberater beispielsweise.“ Angesichts der außerordentlichen Rolle, die Bienen durch die Bestäubung in der Landwirtschaft spielen, kann sie das auch verstehen. „Studien zeigen, dass der Ertrag eines Rapsfeldes steigt, wenn man einige Bienenstöcke dort aufstellt.“

Im Haus holt sie den Honig aus dem Schrank. „Mein letztes Glas Frühjahrshonig, der ist immer hell und cremig.“ Honig, sagt sie, sei eines der ganz wenigen Lebensmittel, für die es noch keine EU-Regeln gäbe, insbesondere was die Herkunftsbezeichnung  angehe. Das würden  vor allem Chinesen nutzen, die Honig wild panschen würden. „Wer sicher gehen will, keinen verschnittenen oder gepanschten Honig beispielsweise aus China zu kaufen, sollte seinen Honig beim lokalen Imker kaufen. Allergiker profitieren besonders davon, denn durch die lokalen Pollen können sie immunisiert werden.“ Ein ganz großer Irrtum sei die Annahme, dass Bio-Honig von Biowiesen stamme. „Der Begriff Bio bezieht sich nur auf die wesengemäße Art der Bienenhaltung, beispielsweise Naturwabenbau oder ob man der Königin die Flügel beschneidet.“

Mittlerweile hat Fischer ihre Leidenschaft weitergegeben. Einige junge Leute aus ihrem Ort finden Imkern interessant. Dass die Welt Bienen braucht, wissen sie schon lange. Jetzt lernen wie, wie schwierig es ist, die Völker am Leben zu halten. „Ich bin ihr Bienenmentor“, sagt Fischer. Die Freude, ihr Hobby teilen zu können, ist ihr anzusehen.

EIN SCHWARM IM GARTEN?

Rufen Sie einen Imker!

Im Mai und Juni fallen die meisten Bienenschwärme an. Sollte sich ein Schwarm bei Ihnen im Garten niedergelassen haben, dann rufen Sie einen Imker. Er kann den Schwarm fachgerecht einfangen. Bitte beachten Sie, dass viele Imker berufstätig sind und erst am Abend oder am Wochenende vorbeikommen können. Stellen Sie auch sicher, dass es sich bei dem beobachteten Schwarm auch tatsächlich um Bienen handelt und nicht etwa um Wespen oder Hornissen. Die Liste der Imker finden Sie hier: tinyurl.com/ImkerAPIS