LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

„Lost in the 80s“, der neue Dokumentarfilm von Andy Bausch

Andy Bausch hat bereits die Filme „D’Belle Époque“ und „D’Fifties“ über zwei Zeitepochen in Luxemburg gedreht. Sein neuer Dokumentarfilm „Lost in the 80s“ handelt über die 1980er Jahre im Großherzogtum. Die Presse durfte das Werk diese Woche schon mal begutachten. Bevor die ersten Bilder auf der Leinwand flimmerten, gab Andy Bausch Erklärungen über den Werdegang von der ersten Idee bis zum fertigen Film, den Paul Thiltges und Adrien Chef produzierten. Trotz des Fernsehens und der ersten Videokameras sei es schwieriger gewesen, an Filmmaterial zu gelangen, als bei den beiden vorherigen Zeitporträts, gab Bausch zu bedenken.

„Ich interessierte mich in den 80ern für Musik und Kino“, erklärte er, „ich ging aber nicht mit einer Kamera in der Hand durch das Land, um alles zu filmen.“ Fast das gesamte Bildmaterial stammt aus den Archiven von RTL. Verschiedene Szenen benutzte Bausch auch aus seinen eigenen Filmen, wie „Streik“. Glücklicherweise konnte ihm Guy W. Stoos Filmmaterial zur Verfügung stellen, das er mit Guy Rewenig bei den Streiks zur Erhaltung des Escher Schlachthofs als Kulturfabrik (Kufa) gedreht hat. „Ich will nicht, dass diese Geschichten aus den 80er Jahren vergessen werden“, meinte er des Weiteren. „Und wer außer mir wird hierzulande solche Dokumentarfilme drehen?“. Eigentlich niemand.

„Ich will nicht, dass diese Geschichten aus den 80er Jahren vergessen werden“ | ANDY BAUSCH, Filmemacher - Lëtzebuerger Journal
„Ich will nicht, dass diese Geschichten aus den 80er Jahren vergessen werden“ | ANDY BAUSCH, Filmemacher

Angst geht um

Das 93-minütige Zeitfenster in die 80er beginnt mit einer nachgestellten Szene. Zwei Polizisten (Luc Schiltz und André Jung) unterhalten sich über die Vor- und Nachteile der neuen Videorekorder VHS und Video 2000, bevor sie in den Einsatz müssen. Die Stahlindustrie steckt in einer Krise. Die Angst, den Job mit dem Untergang der nationalen ARBED zu verlieren, geht um. 4.000 Angestellte werden in der „Division Anti-Crise“ (DAC) beschäftigt. Streiks werden organisiert.

Die Banken beginnen die Hauptstadt zu erobern, und alte Villen am Boulevard Royal werden abgerissen, damit hier Bankgebäude errichtet werden können. Der Bancomat erleichtert das Geldabheben. Der Skandal um die Ambrosiano-Bank trifft auch Luxemburg.

Der erste Satellit Astra 1 der neu gegründeten „Société Européenne des Satellites“ (SES) wird in die Erdumlaufbahn geschossen. Es ist die Zeit der Piratensender. Die Radiostation „Grénge Fluessfénkelchen“ wird das Sprachrohr einiger ökologisch orientierter Menschen, was zur Gründung der ersten grünen Partei führt. Jean „Muck“ Huss und Jupp Weber werden die ersten Abgeordneten der „Gréng Alternativen Partei“. Durch die Jahrhundert- und die Waldbilliger-Affäre sowie die Attentate des „Bommeleeër“ verbreitet sich die Angst weiter im Land.

Lëtzebuerger Journal

Die Sprache und die Kultur

1983 wird die luxemburgische Sprache per Gesetz zur offiziellen Landessprache. Erste Film entstehen in der nationalen Sprache und werden unter anderem von der AFO Diekirch, RTL und Andy Bausch gedreht. In Esch/Alzette rumort es im alten Schlachthof, der als Kulturstätte genutzt wird.

Die Proteste gegen das Atomkraftwerk in Cattenom werden im Film nicht vergessen, genauso wenig wie der Brand der Kathedrale, der Papstbesuch, das neue Gefängnis in Schrassig, der einzige Superheld Luxemburgs, Superjhemp, und noch vieles mehr. Zeitzeugen wie unter anderem Jacques Santer, Ben Fayot, Jean-Pierre Thilges, Ed Maroldt, Paul Kieffer, Vic Reuter, Lex Roth, Paul Hoffmann und auch Thierry Van Werveke kommen zu Wort.

Einzig hätte Andy Bausch zu verschiedenen Ereignissen, wie die berühmten Affären, zusätzliche Erklärungen durch die Voice-Over-Stimme von Jay Schiltz geben können. Junge Zuschauer werden die Zusammenhänge nicht unbedingt verstehen. Der Regisseur verzichtet ganz auf Sportereignisse, und die Politik wird sehr knapp behandelt. Interessant sind die Übergänge von Thema zu Thema mit Musikclips aus den 80ern. Wiederum hat Bausch ein sehenswertes Dokument über ein Jahrzehnt in Luxemburg realisiert, das nicht vielfältiger hätte sein können.

Der Film startet am 9. Oktober in unseren Kinos

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