MARCO MENG

Wird es einen Krieg um die Krim oder um die Ukraine geben? Und - viel wichtiger - wird unser Wirtschaftswachstum dadurch abgeschwächt? Es ist schon verflixt, dass man eigentlich tun müsste, was man aber überhaupt nicht gerne tun möchte. Wirtschaftsvertreter warnen: Sanktionen gegen Russland könnten unsere Energieversorgung gefährden und würde auch Handel und Industrie viel Geld kosten. Aus Russland kommt sogar unverhohlen die Drohung, man könne dortige westliche Investitionen „verstaatlichen“, also enteignen. Ich wäre gespannt, wie dann in fünf Jahren die VW-Autofabrik in Kaluga aussehen würde.

Was hat uns in die Situation geführt, in der wir - eine Sackgasse anscheinend - nun stecken? Das dauernde „Ja, aber“, die fehlende klare Richtung, das ermüdend gutgemeinte „Liebe Türklinken und Türklinkinnen“. Huch, Atomkraft ist gefährlich, Gas geht irgendwann zu Ende, Diktatoren sind keine netten Menschen. Einerseits jammert man jetzt, dass man auf das Gas aus Russland angewiesen ist, andererseits hat man jahrzehntelang die Solarenergie nicht genutzt, weil sie angeblich „zu teuer“ ist. Wäre man energieunabhängig, hätte man den kleinen Mann im Kreml links liegen lassen können - wahrscheinlich wäre er gar nicht mehr am Ruder, denn Russland lebt praktisch nur von seinen Energieexporten. Die Sorgen um die Ukraine und auch um ein Einbrechen des Handels mit Russland sind verständlich. Niemand will das eigentlich, aber was, wenn Reden nicht weiterbringt? Wie mit jemandem reden, der nicht mit sich reden lässt? Man kann nur hoffen, dass bei der vorgezogenen Wahl in der Ukraine dort die Nationalisten keinen Stimmensegen erhalten - nach dem, wie Russland aber nun vorgeht, könnte das durchaus sein. Eine sich selbst erfüllende Prophezeiung. Die Kritik, Europa treffe eine „Mitschuld“ an den Vorgängen in der Ukraine, ist hingegen lächerlich. Jahrelang hatte man ein Kooperations-Abkommen vorbereitet, nur um am Ende zu sehen, dass der getürmte ukrainische ExPräsident es kurzerhand in den Müll wirft. Auch mit Russland suchte Europa immer Dialog und Kooperation - wenn Herr Putin aber etwas nicht gefällt, trifft es auf taube Ohren: Ich bin stark, ich brauche euch nicht, ich mache das auf meine Art.

Ein Handelskrieg Europas mit Russland würde uns in eine Durststrecke führen. Also Putin gewähren lassen? Ein Boykott russischer Rohstoffe, von denen Russlands Staatshaushalt zu 70% abhängig ist, könnte zu einem Staatsbankrott wie den der Sowjetunion 1986 führen, doch wir wollen in Russland doch 2018 auch eine schöne Fußball-WM sehen, oder nicht? Zu bedauern wäre außerdem die russische Bevölkerung, die ein Handelsembargo ebenfalls treffen würde, mehr vielleicht als uns selbst. Geradlinig zu sein, tut eben zuweilen ganz schön weh. Manche meinen, Europa könne ohne die Ukraine sehr gut leben, ohne Russland aber nicht. Andere sagen, wenn man die „oberen Dreihundert“ in Russland durch Einreiseverbote und Kontensperrungen träfe, hielte sich Putin kein halbes Jahr mehr. Zu bedauern, dass es keine einfache und keine „richtige“ Lösung gibt. Das Problem, das Russland hat, sitzt im Kreml. Daran ändern wir aber nichts.