LUXEMBURG
INGO KNOPF/MICHELLE SCHALTZ

Wie viele Mikroben besiedeln eigentlich unseren Körper?

Unser Körper besteht durchschnittlich aus 37 Billionen menschlichen Zellen. Aber auch Mikroben wohnen in und auf uns. Wieviele? Und warum brauchen wir Mikroben um gesund zu bleiben? Mikroben sind Lebewesen, die man mit dem bloßen Auge nicht sehen kann. Und davon leben sehr viele in und auf uns. Es sind unter anderem kleine einzellige Lebewesen, mikroskopische Pilze und vor allem Bakterien. Die Bakterien sind mit großem Abstand unsere häufigsten Bewohner.

Wo leben Bakterien in unserem Körper?

Hauptsächlich im Darm. Dort tummeln sich um die 1.000 verschiedene Bakterienarten. Aber Bakterien leben auch auf jedem Quadratmillimeter der Haut, im Mund, im Magen, in der Lunge und im Urogenital-Bereich. Das Blut eines gesunden Menschen ist dagegen weitgehend keimfrei.

Übrigens hat eine rezente Studie von Forschern aus Luxemburg und Heidelberg nachgewiesen, dass die Barriere, die ein Übertragen oraler Mikroben auf Darm verhindern soll, schwächer ist als erwartet.

Wie viele Mikroben besiedeln unseren Körper?

Eine Studie von 2016 kam nun zu dem Ergebnis, dass der menschliche Körper ungefähr gleich viele Mikroben beherbergt, als die Anzahl von Zellen aus denen er besteht. Grundlage für diese Anzahl war ein 70 Kilo schwerer, 1,70 Meter großer und rund 20 bis 30 Jahre alter „Referenz-Mann“: Dieser besteht im Durchschnitt aus etwa 30 Billionen menschlicher Zellen. Ron Milo und Ron Sender vom Weizmann-Institut im israelischen Rehovot sowie ihr Kollege Shai Fuchs vom Hospital for Sick Children in Toronto berechneten, dass dieser Mann rund 39 Billionen Bakterien beheimatet. Diese wären verantwortlich für ungefähr 0,3 Prozent seines Körpergewichtes.

Dieser errechnete Wert kann, so das Forscher-Team, durchaus von einem Menschen zum anderen, sehr unterschiedlich ausfallen. Es kann sein, dass in einer anderen Person lediglich halb so viele oder aber sogar die doppelte Menge Mikroben zu Hause sind. Die Gründe für schwankende Zahlen sind vielseitig. So kann zum Beispiel der Lebensstil aber auch krankheitsbedingte Veränderungen die Mikroben-Flora des Körpers stark beeinflussen. Selbst ein Gang zur Toilette kann das Verhältnis gravierend verändern.

Sind diese Bakterien gefährlich?

Ganz im Gegenteil. Sie schützen uns sogar vor schädlichen Bakterien. Außerdem helfen uns zum Beispiel die Darmbakterien viele Nährstoffe zu verdauen, die wir sonst ungenutzt wieder ausscheiden würden. Wir bieten im Gegenzug eine gleichmäßige Körpertemperatur und ständigen Nahrungsnachschub für unsere winzigen Untermieter. Die Forscher vermuten, dass unsere Bakterien einen viel stärkeren Einfluss auf unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden haben, als man bisher angenommen hat. Sie bringen eine gestörte Bakteriengemeinschaft in Zusammenhang mit Fettsucht, Diabetes, Herz-Kreislauferkrankungen aber auch mit psychischen Erkrankungen oder Schlafstörungen. Viele dieser Erkenntnisse beruhen aber auf Tierversuchen und es ist noch nicht sicher, ob sie auf den Menschen übertragen werden können. •

Autor: Ingo Knopf; Redaktion: Michelle Schaltz

(Fonds National de la Recherche)

Den Artikel gibt es auch hier: tinyurl.com/ScienceMikroben

Infektion per Handschlag?

VIRENÜBERTRAGUNG

Donald Trump tut es, der Papst tut es, Sie tun es! Händeschütteln zur Begrüßung ist nach wie vor Standard. Doch einige finden den Handschlag zu distanziert, manche schlicht uncool und viele unhygienisch. Sagen wir uns bald auf andere Weise Hallo? Mit dem Herbst kommt nun wieder die Erkältungssaison. Menschen scheuen sich, einander die Hand zu geben. In Krankenhäusern gilt seit langem ein Desinfektions- und Abstandsgebot. „Der Status quo ist: In Deutschland ist der Handschlag Standard“, sagt Agnes Anna Jarosch, Vorsitzende des Deutschen Knigge-Rats der Deutschen Presse-Agentur. Aber: „Die Varianz wird größer, Regeln sind nicht mehr so starr wie früher.“ Wangenküsse seien beispielsweise im Kommen. Jugendlichen sei der Handschlag eh zu uncool, sie begrüßten sich Faust gegen Faust. „Das ist ein genereller Trend“, so Jarosch. Auch Imme Gerke, die interkulturelle Schulungen anbietet, verweist auf die Vielzahl an Begrüßungsformen, die es weltweit gibt: „Umarmen, Nasenkuss, mit der Stirn berühren, Hand aufs Herz legen, verbeugen - das sind alles Spielarten.“ Der Handschlag werde oft als distanziert betrachtet. In China, Japan oder Kanada entfernten sich Menschen vom Händeschütteln. Amerikaner wiederum praktizierten immer häufiger eine Zwei-Schritt-Begrüßung: Auf den Handschlag folgt eine Umarmung. Allen Menschen angeboren sei der Augengruß: ein Hochziehen der Brauen. Je mehr Annäherung es gebe, desto besser, findet Gerke.

Auf jeden Fall grüßen
Wie lange es den Handschlag schon gibt, ist nicht nachzuvollziehen. Schon die alten Römer und Griechen sollen ihn praktiziert haben. Eine Theorie besagt: Menschen wollen zeigen, dass sie keine Waffe in der Hand halten. Herauslesen können Experten zum Beispiel Hierarchien, Stärke oder Schwäche, Distanz oder Nähe, Nervosität oder Ruhe, Narzissmus. „Das Begrüßungsritual wird sich verschieben“, glaubt Gerke. „Aber man sollte sich darauf einigen, dass man sich grüßt - auf welche Weise auch immer.“ Das sei wichtig, um angeborene Aggressionen abzubauen. „Deswegen müssen wir unsere Kinder anhalten, dass sie sich grüßen“, sagt Gerke. „Das ist auch eine soziale Kompetenz.“
Vom Hauptargument gegen den Handschlag - Hygiene - hält die Mikro- und Verhaltensbiologin nichts: „Die Angst vor Mikroben ist übertrieben. Das Immunsystem muss üben“, sagt Gerke. „Ein Handschlag ist Mikrobenübertragung ohne den Vorteil der Berührung“, sagte sie mit Blick auf deutlich engere Begegnungen wie die Umarmung. Tatsächlich befinden sich unzählige Mikroorganismen auf der Hand. „Ob beim Naseputzen, beim Toilettengang, beim Streicheln eines Tieres oder bei der Zubereitung von rohem Fleisch: Die Hände kommen häufig mit Keimen in Kontakt und können diese auf alles übertragen, das anschließend angefasst wird“, schreibt die deutsche Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Gründliches Händewaschen mit Wasser und Seife senke die Häufigkeit von Infektionskrankheiten nachweislich - das Risiko von Durchfallerkrankungen etwa könne fast halbiert werden.
Die gute Nachricht aus Knigge-Sicht: „Wenn man weiß, dass man gerade eine Virenschleuder ist, dann sollte man sagen: Ich gebe euch heute nicht die Hand“, sagt Umgangsformen-Fachfrau Jarosch. Und ganz allgemein gelte eine goldene Regel: Bis fünf Personen reicht man die Hand. Ist die Gruppe größer, reiche ein Hallo oder „Moien“ in die Runde.“   DPA