VÖLKLINGEN CHRISTIAN SPIELMANN

„Schädel - Ikone. Mythos. Kult“ im Weltkulturerbe Völklinger Hütte

Mit „Schädel - Ikone. Mythos. Kult“ präsentiert das Weltkulturerbe Völklinger Hütte eine neue außerordentliche Ausstellung über den menschlichen Schädel, der seit dem Aufkommen der Spezies Mensch eine unglaubliche Faszination auf diese ausübte. Bis zum 3. April 2016 kann man 250 Schädel und Köpfe aus allen Kontinenten bestaunen und erfährt Interessantes über den wichtigsten Teil des Körpers, in dem die Schaltzentrale allen Handelns und Denkens sitzt, und, nach dem Glauben vieler, auch die Seele. Der Schädel war als Trophäe begehrt, als Quelle neuer Kraft, die vom Toten auf den Lebenden überging oder als Kultobjekt, zum Beispiel als Reliquie. 30 Leihgeber haben Teile ihrer Sammlung zur Verfügung gestellt, darunter die Reiss-Engelhorn-Museen aus Mannheim, aus deren Fundus auch viele Exponate der Ausstellung „Mumien - Der Traum vom ewigen Leben“ im Geschichts- und Kunstmuseum der Stadt Luxemburg stammen, und der Künstler Gabriel von Max (1840 - 1915), dessen Sammlung ebenfalls in Mannheim aufbewahrt wird.

Vom Neandertaler bis zum Alien

Die Schädeldecke eines Neandertalers ist das älteste Ausstellungsstück, sie wurde vor 170.000 Jahren als Schale benutzt. Ein weiteres Unikat in Völklingen ist der einzige je gefundene keltische Trophäenschädel, in dem ein ganzer Nagel steckt, mit dem der Kopf an ein Haus geschlagen wurde. Die Ägypter waren überzeugt, dass nur ein unversehrter Leichnam im Jenseits aufgenommen würde. Sie erschufen von den Verstorbenen Totenmasken, und eine solche aus der Zeit um 2200 vor Christus gehört zu den Glanzlichtern der Ausstellung.

Ein Totenkopf ziert die Piratenflagge und einige Voodoo-Köpfe oder Kopfschmuck aus Menschenschädel aus Afrika sowie Ahnenschädel aus Ozeanien erinnern an die Figuren aus der Filmreihe „The Pirates of the Caribbean“, bizarr und entsetzlich. Ein Skalp der Chinook-Indianer aus dem heutigen Bundesstaat Washington erinnert daran, dass das Skalpieren des Feindes ein Zeichen des Mutes, der Männlichkeit und der Überlegenheit war. Einzigartig sind die Schrumpfköpfe, die so genannten „tsantsa“, der Jivaro, einem Indianerstamm aus Ecuador. Nachdem die Jivaro dem Feind den Kopf abgeschlagen hatten, wurde die Kopfhaut abgezogen und mit heißem Sand gefüllt. Die Haut zog sich zusammen, und die Augen und der Mund wurden mit Bambusnadeln geschlossen, um die Kraft des Feindes zu binden.

Die Kunst, Da Vinci und Plattencover

Einige geheimnisvolle Kristallschädel, die Ende des 19. Jahrhunderts auftauchten, sind ebenfalls ausgestellt. Sie wurden weder von den Maya, noch von Außerirdischen erschaffen, sondern in Idar-Oberstein. Ein Abguss des Schädels aus Steven Spielbergs Film „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ ist im Teil „Fantasie“ zu sehen, wo zudem verschiedene Urban-Art Künstler wie Jef Aérosol oder Ludo neue Kunstwerke zum Thema präsentieren. Interessant sind hier noch der Schädel von HR Giger aus dem Film „Alien“, für den er einen Oscar in der Kategorie „Beste visuelle Effekte“ erhielt oder noch eine Maske für Debbie Harry, alias Blondie, die sie auf dem Plattencover von „KooKoo“ trug. Des Weiteren haben viele Sänger und Bands ihre Plattenhüllen mit Schädel verziert, wie zum Beispiel Heino, Jean-Michel Jarre, Metallica oder Emerson, Lake & Palmer. Besonders stolz sind die Macher der Ausstellung auf einen circa fünf Zentimeter großen Miniaturschädel, den Leonardo da Vinci um 1490 erschuf. Das Kunstwerk aus Alabaster und Quarz besticht durch die aparte Darstellung der Augen als „Fenster der Seele“.

„Schädel - Ikone. Mythos. Kult“ bietet eine vielfältige Einsicht in die Natur des Menschen. Der Kult zum Schädel demonstriert einen Aspekt einen Spiritismus, der erst nach tausenden von Jahren Evolution der Ratio Platz machte, aber immer noch einen hohen Stellenwert in verschiedenen Kulturen einnimmt.


Weitere Informationen unter www.voelklinger-huette.org