LUXEMBURG
JOËLLE LETSCH

Der von den Vereinten Nationen bestimmte „Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen“ wird weltweit genutzt, das Thema ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Der 25. November ist auch in Luxemburg ein Gedenk- und Aktionstag zur Bekämpfung von Gewalt an Frauen und Mädchen, wie Joëlle Letsch vom Exekutivbüro des Nationalen Frauenrats erklärt.

„Die Zahlen sind ernüchternd: die Polizei hat letztes Jahr 739 Einsätze im Rahmen von häuslicher Gewalt verzeichnet. 231 Wegweisungen wurden ausgesprochen. Die Opfer häuslicher Gewalt sind über 86 Pozent Frauen, 13 Prozent sind Männer. Tatsache ist auch, dass neun von zehn Tätern Männer sind. Gewalt ist auch im aufgeklärten und reichen Luxemburg ein alltägliches Thema.

Allgemein gehen Experten davon aus, dass nur etwa 10 Prozent der Fälle von häuslicher Gewalt polizeilich gemeldet werden. Die Dunkelziffer ist tatsächlich weit größer. Angst, Scham sowie finanzielle und emotionelle Abhängigkeit führen dazu, dass viele Opfer sich nicht trauen, darüber zu sprechen und bei der Polizei Anzeige zu erstatten. Gewalt in der Familie ist ein Tabuthema, das es gilt in unserer Gesellschaft aufzubrechen und darauf aufmerksam zu machen. Das massive Leiden der Opfer, die körperliche und seelische Verletzungen haben, muss gestoppt werden.

In diesem Sinne organisieren der Nationale Frauenrat, Zonta International, Soroptimist International und weitere Frauenorganisationen seit zwei Jahren die ‚Orange week‘ in Luxemburg. Ziel dieser Aktionstage ist es, durch Ausstellungen, Konferenzen und andere Aktivitäten auf häusliche Gewalt und deren desaströse Folgen für Frauen und Kinder aufmerksam zu machen. Ein Höhepunkt der ‚Orange week‘ war am letzten Samstag die ‚Marche de la solidarité‘. Unter dem Slogan ‚Lët’z say NO to violence‘ hatten sich 400 Teilnehmer und Teilnehmerinnen eingefunden, um sich solidarisch mit den Opfern zu zeigen und auf die Problematik hinzuweisen.

Die ‚Marche de la solidarité‘ stand unter der Schirmherrschaft der Großherzogin Maria Teresa, die auch persönlich an der Veranstaltung mit ihrem bekannten Engagement teilnahm. Das von ihr initierte Forum ‚Stand Speak Rise‘ up hatte im März auf das Thema der Gewalt gegen Frauen in Kriegsgebieten hingewiesen. Das Forum war geprägt von erschütternden Erfahrungsberichten der Frauen, die sexuelle Gewalt in Krisen- und Kriegsregionen erfahren mussten.

Doch neben all dem Leid, dem Schrecken und der Trauer möchten das Forum als auch die ‚Orange week‘ signalisieren, dass wir mit allen Opfern solidarisch sind, Unterstützung bieten und handeln möchten. So fordern in Luxemburg die Frauenverbände vermehrt Aufnahmekapazitäten in den Frauenhäusern. Auch ein zentrales Register für sogenante

Feminizide wäre sinnvoll einzuführen. Vorallem sollten wir aber auf Präventivarbeit setzen und Aufklärung in den Schulen machen.

Lët’z say no to violence, auch in Luxemburg!“