COLETTE MART

Amnesty International verlieh vor einigen Tagen der schwedischen Klimaaktivisitin Greta Thunberg den Preis des „Botschafters des Gewissens“. Man darf sich fragen, ob dies jetzt wirklich eine gute Idee war und Greta, und mit ihr die ganze Welt, weiterbringt.

Greta fungiert hiermit auf Augenhöhe mit Havel, Mandela und Malala, um nur einige zu nennen. Allerdings fehlt ihr, im Vergleich zu diesen, das heroische Leiden, das deren Schicksal einzigartig machte. Mandela saß für seine Anliegen 27 Jahre im Gefängnis, Malala veröffentlichte einen Blog gegen die menschenverachtenden Taliban und wurde angeschossen. Greta tauchte ihrerseits plötzlich in den sozialen Medien und in der Presse als schulschwänzenden, ökologisch engagiertes Kind auf, sie wirkte verschlossen und unkommunikativ, und es stellte sich die Frage, wieso sie derart in die Weltöffentlichkeit katapultiert wurde. Es war, als müsste aus ihr Stück für Stück eine Ikone ihrer Generation werden, als bräuchte diese Generation ein Vorbild.

Als Kind mit Asperger-Syndrom wurde ihre Einstellung zur Welt und auch ihr Verhalten in Bezug zu diesem Krankheitsbild analysiert; zu letzterem gehört prinzipiell ein Unwohlsein in der Welt, und ebenfalls eine eher knappe Kommunikation, was jetzt nicht bedeuten soll, dass Greta gar keinen objektiven Grund hätte, sich in der Welt unwohl zu fühlen.

Aber normalerweise gehen Kinder nicht solche Wege wie Greta, jedenfalls nicht, wenn sie nicht in ihrem eigenen unmittelbaren Erleben von Ungerechtigkeiten betroffen werden, so dass ihre Präsenz in der Weltöffentlichkeit doch einige Fragen um ihre Authentizität aufwirft. Allerdings muss man ihr, respektive dem Rummel um sie lassen, dass sie die junge Generation scheinbar weltweit sensibilisierte, was heute über soziale Netzwerke schnell geht.

Während der Protest der Jugend für den Klimaschutz durchaus opportun ist, verdient diese Bewegung dann doch ein näheres Hinsehen. Erinnert man sich an den Luxemburger Schülerprotest für das Klima vor einigen Monaten, so gab er Anlass zu primitiven Sprüchen und peinlichen Auswüchsen, was uns ernsthaft interpellieren sollte.

Der Sinn dieser Jugendbewegung besteht bestenfalls darin, die Erwachsenenwelt dazu zu ermutigen, jungen Menschen komplexe Zusammenhänge verständlich zu machen, so dass sie sich nicht in plakativen Dummheiten verirren, die sie im Endeffekt vom realen Verständnis der Welt entfernen.

Zum Beispiel wäre es wichtig, den Lebensstil der jungen Generation in Bezug auf seine Implikation auf Nachhaltigkeit und Klimaschutz zu analysieren. Denn es ergibt keinen Sinn, zwischen Handy, Facebook, Fastfood und Urlaub mit dem Flugzeug mit provokativen Sprüchen für Klimaschutz zu demonstrieren. Wichtig wäre ein nachhaltiger, bewusster Lebensstil, und
hier spielen Eltern und Schule eine Rolle, und eben nicht die sozialen Medien.

Demnach erscheint die Frage durchaus berechtigt, ob es nicht sinnvoller gewesen wäre, wenn das familiäre Umfeld Gretas das Kind vor der Mediatisierung geschützt hätte, und wenn die Klimadebatte politischer, wissenschaftlicher und sachlicher geführt worden wäre.