LUXEMBURG
DR. BIRGIT KAUSCH

Anlässlich der Woche des Natur- & Geopark 2020 hat der Natur- & Geopark Mëllerdall (NGPM) seine Kandidatur für das Programm der UNESCO Global Geoparks bekannt gegeben. Dr. Birgit Kausch, die Leiterin des Fachbereichs Geologie des Natur- & Geoparks erklärt, warum.

„In der gesamten Region des Natur- & Geoparks findet man besondere Plätze, deren Existenz mit den Gesteinsschichten im Untergrund zusammenhängen. Deswegen hat sich die Region entschieden, das Thema Geologie als Alleinstellungsmerkmal zu wählen.

Die imposante Felsenlandschaft des Luxemburger Sandsteins, die ‚Kleine Luxemburger Schweiz‘ zählt ebenso dazu, wie die Felsen aus Dolomit, die man vor allem im Sauertal findet, und die dazwischenliegenden flachen Ebenen aus Mergel. An besonders eindrucksvollen Stellen, sogenannten Geotopen, kann man z.B. sehen, wie diese Schichten im Meer entstanden sind und wie sie die Erdoberfläche formen. Die Steine haben auch einen ganz praktischen Nutzen: Der Luxemburger Sandstein bildet das wichtigste Grundwasserreservoir und liefert das Trinkwasser der Region. So können sich die Gemeinden zu fast 100 Prozent aus eigenen Quellen versorgen. Eines der Ziele des NGPM ist der Erhalt der guten Qualität dieses Wassers. Die historische Bausubstanz der Region zeigt, dass früher aus zahlreichen Steinbrüchen Steine gewonnen wurden – für den leichteren Transport der Steine wurden sogar Eisenbahnlinien gebaut! Auch Trockenmauern wurden aus den lokal vorkommenden Steinen errichtet. Sie besitzen heute einen hohen naturschutzfachlichen Wert, weil in den Mauern zahlreiche Tiere und Pflanzen heimisch sind. Andere Stellen sind zwar weniger auffällig, haben dafür aber einen wissenschaftlichen Wert, weil sie zum Beispiel Informationen über den Klima- und Landnutzungswandel der letzten Jahrhunderte enthalten. Wie man sieht, gibt es zahlreiche Verbindungen zwischen der Geologie und dem besonderen Kultur- und Naturerbe der Region.

Der NGPM nutzt diese Zusammenhänge, um die Region nachhaltig weiterzuentwickeln: Ökonomie, Ökologie und Soziales spielen hierbei eine wichtige Rolle. Der NGPM bewirbt sich auf dieser Grundlage auch für das internationale Programm der UNESCO Global Geoparks. Zur Zeit gibt es weltweit 147 UNESCO Global Geoparks in 41 Ländern. Sie alle weisen ein international anerkanntes geologisches Erbe auf und entwickeln ihre Regionen gemäß den 17 globalen Nachhaltigkeitszielen der UN. Durch gemeinsame Projekte und auf Netzwerktreffen können die Regionen voneinander lernen und sich gemeinsam entwickeln.

Im Herbst diesen Jahres wird der NGPM ein 50-seitiges Bewerbungsschreiben bei der UNESCO einreichen, das die geologischen Besonderheiten, die Zusammenhänge mit dem Kultur- und Naturerbe und die Tätigkeiten im Bereich Regionalentwicklung und Netzwerken beschreibt. Das Dokument wird geprüft und der internationale Wert des geologischen Erbes von Fachleuten festgestellt. Im Sommer 2021 kommen zwei Gutachter aus dem Netzwerk der UNESCO Global Geoparks in die Region, um sich vor Ort ein Bild zu machen. Die Entscheidung wird im Frühjahr 2022 bekannt gegeben.“