LUXEMBURG
MARCO MENG

Digitalisierung rückt den Patienten mehr ins Zentrum

Professor Dr. Claus Vögele vom „Institute for Health and Behaviour“ der Universität Luxemburg, Organisator der internationalen Konferenz „Digital Health in Ambulatory Assessment“, die am heutigen Samstag endet, sprach gestern gegenüber dem „Journal“ von einem „überwältigendem Erfolg“. Mit Vorträgen, Präsentationen und Workshops stand in Esch/Belval die Digitalisierung im Mittelpunkt, und wie sie die medizinische Versorgung verbessern kann. Einer der Höhepunkte des gestrigen Tages war der Vortrag von Christoph Thuemmler, Professor für eHealth an der Edinburgh Napier University, unter der Fragestellung, wie Virtualisierung und Big Data die Gesundheitsversorgung revolutionieren.

Präzisionsmedizin mit vielen Daten

Das Modell der Gesundheitsversorgung wandele sich von einem zentralisierten, auf Institutionen fokussiertem System zu einem auf den Patienten zugeschnittenen, meint Thuemmler. Menschen würden zudem empfänglicher für soziale Roboter und Virtualisierung von Gesundheitsver- und vorsorge. „Dennoch herrscht auch Skepsis: Die Frage ist also, wie wir Vertrauen herstellen können“, erklärt Thuemmler. Die Datenschutzregulierung der EU sei ein Schritt in die richtige Richtung, gleichwohl müssten weitere Strukturen entwickelt werden. Ein besseres Gesundheitsmanagement infolge der Digitalisierung mit Informationsaustausch in Echtzeit steigern nach Thuemmler die Leistungsfähigkeit und Wirksamkeit im Gesundheitsbereich. Die Schlüsselfrage bestehe darin, „wie neue Technologien Verhalten und Einstellung von Patienten zur Gesundheit auf eine positive Weise beeinflussen“.

In der Zukunft werde mehr Behandlung „geliefert“, sei es durch Hospitäler, Tageskliniken, Hausbesuche oder über das Internet. Thuemmler ist überzeugt, dass die technische Entwicklung neue Geschäftsmodelle im Gesundheits- und Pflegesektor zur Folge hat. Damit die Innovationen, die die Pharmaindustrie diesbezüglich schon in petto habe, auch geliefert werden könnten, seien Telekom- und IT-Unternehmen wie auch Regulatoren angehalten, die Voraussetzungen von „kritischen Infrastrukturen“ im Gesundheitswesen dem anzupassen - denn auch Gesundheitsdaten sind hochsensible Daten, die geschützt werden müssen.

MEDIZIN 4P

Der Patient im Mittelpunkt

Parallel fand am Donnerstag die 4. Auflage des „Healthcare Summit“ in Hamm statt, der seit 2014 jedes Jahr die Akteure des Gesundheitssektors zusammenbringt. Personalisierte Medizin durch neue technische Möglichkeiten wie 3D-Druck oder helfende Roboter standen auch hier auf der Agenda. Motto dieser Konferenz war: „Die Herausforderungen der „4P medicine“. Eine „Medizin 4P“ (Personnalisée, Préventive, Prédictive, Participative) gehört nämlich zu einer der Prioritäten der luxemburgischen Regierung. So sind seit Juli 2014 im Gesetz die Rechte und Pflichten von Patienten verankert, das einer EU-Regulative folgte, mit der auch im Gesundheitsbereich der gemeinsame Binnenmarkt verwirklicht werden soll. (MM)