LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Wie geht POST Luxembourg mit 5G um? POST Telecom SA-Direktor Cliff Konsbruck erklärt

5G beschäftigt auch hiesige Telecom-Unternehmen, allen voran den Marktriesen POST Luxembourg. Wir haben bei Cliff Konsbruck, Direktor POST Telecom SA und nachgefragt, was das neue Netz kann, wann es kommt und was es kostet.

Wie weit ist die POST Luxembourg bei 5G?

Cliff Konsbruck Wir sind sehr aktiv und arbeiten an verschiedenen Aspekten des Themas. Uns geht es weniger um die Technologie selbst als darum, was wir unseren Kunden als Zusatzservice bieten können und zwar privaten und Unternehmenskunden. Mit den Geschäftskunden sprechen wir schon länger über mögliche Anwendungen, um möglichst schnell den richtigen Einstieg zu finden. Die Gespräche finden unabhängig von der Unternehmensgröße statt. Es geht vielmehr um spezifische Bedürfnisse unserer Kunden. Wer im Logistikbereich aktiv ist, hat beispielsweise mehr Möglichkeiten für Tracking, also die Verfolgung von Waren oder Lkw. Ein Architektenbüro von zwei Personen kann durch 5G eine Baustelle virtuell besuchen und dem Kunden den Fortschritt zeigen. Solche Beispiele gibt es sehr viele.

Sind Sie auch auf EU-Niveau aktiv?

Konsbruck Ja, denn auch beim autonomen Fahren spielt 5G eine große Rolle, ebenso beim unterstützen Fahren. Die Post hat mit 24 internationalen Partnern einen Antrag gestellt und wir sind von der EU zurückbehalten worden, um einen Test in diesem Bereich mit dem Konsortium zu führen, um 5G als Technologie zur Unterstützung des autonomen Fahrens zu qualifizieren-

Was bringt die Technologie dem Land?

Konsbruck Wir sind der Meinung, dass mit 5G ein neues, innovatives Ökosystem entsteht. Deshalb ist es wichtig, dass wir ganz genau wissen, wohin wir gehen wollen, um den innovativen Rahmen schaffen zu können. Da geht es um Bereiche, an die wir heute noch nicht denken. Aber es wird das Land stark beeinflussen.

Welche Probleme gibt es mit dem Netzaufbau?

Konsbruck Jeder will das Netz haben, aber keiner will mehr Antennen. Doch 5G bringt mit sich, dass wir Antennen im Land errichten müssen. Wir rechnen mit hunderten neuen Antennen. Sie sind zwar nicht mit den bisher bekannten zu vergleichen, weil sie kleiner sind und eine viel geringere Strahlung aufweisen. Aber es wären doch mehr. Jedoch gibt es Möglichkeiten, die Anzahl zu beschränken. Es gibt zurzeit drei Telekommunikationsanbieter im Land. Wenn jeder seine Antennen aufbaut, dann beläuft sich die Anzahl der Antennen auf das Dreifache. Deshalb hat POST den beiden anderen Betreibern vorgeschlagen, das Mikrocell-Netz – also die Antennen mit kleiner Reichweite und hoher Leistung, die vor allem in der Stadt gebraucht werden – gemeinsam zu nutzen. In den nächsten Tagen werden wir das gemeinsam besprechen.

Haben Sie schon viel investiert?

Konsbruck Bislang ist das, was investiert wurde das, was in die Evolution von 4 G investiert wurde. Ich kann aber sagen, dass wir in den nächsten Jahren mit hohen Investitionen im zweistelligen Millionenbereich rechnen. Wir haben zurzeit noch genügend Kapazität in unserem Netz, diese stößt jedoch 2023 an ihre Grenzen. Dann brauchen wir neue Kapazitäten. Das heißt dann: 5G-Frequenzen. Am Ende bedeutet das: Wir brauchen 5G sowieso. Für Privatkunden bringt 5G vor allem zusätzliche Leistung, also noch schnellere Datenübertragungen, wir erwarten uns von diesem Kundensegment keine Steigerung des Umsatzes durch 5G. Bei Geschäftskunden ist das anders und wir hoffen, dass die neuen Funktionalitäten auch neue Ertragsquellen mit sich bringen.

Verschwinden mit 5G die Funklöcher?

Konsbruck Das Netz entsteht nach und nach und parallel zum 4G-Netz. Beide werden jahrelang nebeneinander bestehen, bis Ende der 20er Jahre spätestens. Erst wenn 4G nach und nach abnimmt, erfolgt der Übergang. Das 5G-Netz wird auch als Netz der Netze bezeichnet. In Zukunft werden alle verschiedenen Netze verschwinden und dadurch ersetzt werden. Im Bereich von IOT gibt es auch Netze. Diese werden ebenfalls von 5G ersetzt. Die Abdeckung wird sich weiterhin verbessern; auch qualitativ. Eine Voraussetzung für autonomes Fahren ist zum Beispiel, dass der Kunde auch bei der Grenzüberschreitung nicht die Netzabdeckung verliert.

Müssen Kunden mehr zahlen?

Konsbruck Nein, nicht für bestehende Dienste. Wenn neue entstehen, ist es durchaus möglich, dass die auch einen anderen Preis erhalten.