LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Die Deutsch-Luxemburgische Wirtschaftsinitiative feiert 2020 ihr zehnjähriges Bestehen

Die Vorstellung des Programms der Deutsch-Luxemburgischen Wirtschaftsinitiative (DLWI) gestern in der Handwerkskammer war nicht nur ein Verweis auf Termine, sondern auch ein Ausblick auf viele politische Dossiers, bei denen die stark vom rührigen deutschen Botschafter Dr. Heinrich Kreft unterstützte DLWI aktiv ist. Darunter befinden sich viele aktuelle Dossiers. Der Blick zurück und nach vorn erfolgte nicht zuletzt, weil die DLWI in diesem Jahr ihr zehnjähriges Bestehen feiert.

„Als wir die DLWI vor zehn Jahren gegründet hatten, waren wir uns nicht sicher, ob es eine Interessenvereinigung der deutschen Wirtschaft in Luxemburg geben muss, zumal es formal ja in Brüssel die Deutsch-Belgisch-Luxemburgische AHK DeBeLux gibt. Das wir mit der Gründung richtig lagen, belegen unter anderem die Mitgliederzahlen“, stellte DLWI-Präsident Ralf Britten fest.

Wachsende Mitgliedszahlen

Tatsächlich zählt die DLWI 56 Unternehmen unter ihren Mitgliedern, 91 Personen und acht Ehrenmitglieder, darunter den deutschen Botschafter. Die Zahl der Mitglieder steigt seit der Gründung kontinuierlich. Das mag daran liegen, dass die DLWI ein Vakuum ausfüllt. Denn während es zwischen anderen Ländern und Luxemburg Außenhandelskammern oder Business Clubs gibt, existierte lange Richtung Deutschland trotz der engen Wirtschaftsverflechtungen gar nichts - und die Beiträge der in Brüssel ansässigen DeBeLux waren quasi inexistent. Daher stieß Krefts Vorvorgänger im Amt, Dr. Hubertus von Morr, die Gründung der DLWI an.

„Wir sind keine Handelskammer und das brauchen wir auch nicht zu sein, denn wir haben eine tolle Handwerkskammer hier“, stellte Britten klar. „Die DLWI ist eine Netzwerkplattform geworden“, sagte Dr. Kreft. Als solche veranstaltet sie mittlerweile im Monatsrhythmus Besichtigungen oder Diskussionen. 2019 standen Besuche beim Klavierbauer und Kaffeeröster ebenso auf dem Programm wie Diskussionen, beispielsweise zu grenzüberschreitenden Themen. Rund 700 Menschen nahmen im vergangenen Jahr an den Veranstaltungen teil.

Grenzüberschreitende Industrieflächen

In diesem Jahr stehen neben den festen Unternehmensbesichtigungen (s. Kasten) und dem heutigen Neujahrs-Empfang im neuen Gebäude von Deloitte in Gasperich jede Menge politischer Dossiers auf dem Plan. Themen wie Fachkräftesicherung, Entsenderichtlinie oder Öffentlicher Personennahverkehr sind Themen im Rahmen des zweimal jährlich stattfindenden Deutsch-Luxemburgischen Wirtschaftsabends im Frühjahr und Herbst. „Die Vernetzung mit Deutschland und der Großregion ist stark, daher ist auch die enge Zusammenarbeit mit den Industrie- und Handelskammern sowie den Handwerkskammern in Trier und Saarbrücken sinnvoll“, unterstrich der deutsche Botschafter. Weitere Themen, die die DLWI beschäftigen, sind grenzüberschreitende Industriezonen sowie das Doppelbesteuerungsabkommen. „Das besteht seit den 70er Jahren und muss auf staatlicher Ebene diskutiert werden“, meinte der Botschafter, der sich dankbar für die Existenz der DLWI zeigte.

Selbst ist er überaus rührig, um Fragen, die Deutschland und Luxemburg betreffen, an politische Entscheider heranzutragen. So steht schon fest, dass in den kommenden sechs Monaten drei Landtagsdelegationen sowie eine Bundestagsdelegation aus Deutschland nach Luxemburg kommen werden, dazu werden auch Landes- und Bundesminister erwartet. „Luxemburg ist auf der Agenda, auch in Landeshauptstädten in Deutschland weitab dieser Grenze. Das ist jetzt angesichts der Wirtschaftsschwäche in Deutschland noch wichtiger“, unterstrich der deutsche Botschafter in Anspielung auf die letzten Zahlen aus Deutschland, laut denen die Boomjahre in der Bundesrepublik vorbei sind.

Im Vorstand der DLWI sind Vertreter von Unternehmen und Verbänden beider Länder präsent, darunter die Luxair Tours, DKV, Union Investment sowie die Handelskammer Luxemburg und die Handwerkskammer Luxemburg. Da Ralf Britten bislang Direktor des Trifolion in Echternach ist - eine Position, die er noch bis Juni inne haben wird - hat dies der DLWI ebenfalls genützt. Britten wird jedoch auch nach seinem beruflichen Wechsel - vermutlich in die deutsche Politik - Präsident und Vorstandssprecher der DLWI bleiben, da dieses Ehrenamt ihm sehr am Herzen liegt.

www.dlwi.lu