GREVENMACHERCORDELIA CHATON

Samira Frühauf hätte sich als Schülerin nicht vorstellen können, einmal bei einem Logistikkonzern zu arbeiten - und doch ist die heute 23-Jährige sehr froh darüber

Nach dem Abitur zog es Samira Frühauf nach Brasilien. Abenteuerlustig und sozial engagiert verbrachte sie dort ein freiwilliges soziales Jahr bei einer Waldorf-Schule in São Paulo. Heute arbeitet sie in Grevenmacher beim Logistikunternehmen Dachser in der Kundenbetreuung. Uns hat sie erzählt, wie die Entscheidung für den Beruf gefallen ist.

Samira, hast Du Dich schon während Deiner Schulzeit über Praktika beruflich orientiert?

Samira Ja. Ich bin in einem kleinen Ort in der Nähe von Idar-Oberstein zur Schule gegangen. Dort habe ich das Schulpraktikum in einem Kindergarten verbracht. Später habe ich neben der Schule gekellnert und in einem Museum gejobbt. Nach dem Abitur war ich dann noch beim Jugendamt. Das war zwar interessant, aber dort habe ich mich nicht so wohlgefühlt. Dann bin ich für ein freiwilliges soziales Jahr nach Brasilien gegangen. In den ersten Monaten habe ich Portugiesisch gelernt, denn ich habe ja kein Wort gesprochen. Danach konnte ich dann schon in einer Waldorf-Schule unterrichten. Da habe ich eigentlich auch gemerkt, welche große Rolle Logistik spielt. Und so habe ich nach meiner Rückkehr in Saarbrücken und Metz Logistik studiert. Ich fand das schon immer spannend, auch ohne praktische Erfahrung.

Brauchtest Du für das Studium besondere Französisch-Kenntnisse?

Samira Nein, ich hatte Französisch in der Oberstufe, das hat gereicht. Ich fand es sehr abwechslungsreich. Wir waren mit rund 20 Studierenden auch eine kleine, überschaubare Gruppe. Als Studentin habe ich dann auch in Deutschland als Praktikantin in der Logistik eines Spielwarenhandels gearbeitet. Aber unser Studium setzte ein Pflichtpraktikum voraus. Das habe ich ab Februar 2019 hier bei Dachser abgeleistet. Drei Monate lang habe ich im Kundendienst gearbeitet, im Customer Service Export. Die Abteilung ist dazu da, einen problemlosen Sendungsverlauf zu garantieren. Wir sprechen deshalb mit Kollegen in ganz Europa. Dachser war mein Favorit, weil meine Mutter zuvor bei Dachser-Kunden gearbeitet hat. Da hatte ich schon viel Positives gehört.


Hat Dich die Universität bei der Praktikumssuche unterstützt und vorbereitet?

Samira Es gab Vorschläge von der Uni zu Unternehmen, zu denen schon ehemalige Absolventen gegangen waren. Der Wunsch der Uni war es, dass das Praktikum möglichst in Deutschland, Frankreich oder Luxemburg stattfindet. Insgesamt fand ich das Studium für die Theorie gut, aber die praktische Erfahrung in diesem Sektor ist meiner Meinung nach viel wichtiger.

Was musstest Du machen?

Samira Natürlich ganz viel telefonieren und mailen, immer in anderen Sprachen, mal mit Kunden und mal mit Kollegen. Neben Deutsch und Englisch lief auch vieles auf Französisch und sogar mein Portugiesisch war hilfreich. Das meiste war Büroarbeit, aber ich bin auch mal runter in die Halle gegangen. Das hat mir alles sehr gut gefallen. Und nach zwei Monaten war klar: Ich durfte bleiben! Das war natürlich ein großes Glück. Das Problem war, dass ich noch eine Bachelorarbeit zu schreiben hatte.

Wie hast Du das geschafft?

Samira Dafür hat Dachser mich halbtags beschäftigt. Die Bachelor-Arbeit handelte übrigens von Kreislaufwirtschaft in der Textilindustrie, das hat ja auch viele Auswirkungen auf die Logistik. Ende September 2019 habe ich sie abgegeben und seither arbeite ich hier Vollzeit. In meinem Studiengang bin ich mit der sofortigen Übernahme eine Ausnahme. Das war ein großes Glück. Ich konnte mich mit dem Unternehmen identifizieren, das hat sicher auch geholfen.

Was hat den Ausschlag für Deine Einstellung gegeben?

Samira Laut meinen Vorgesetzten war ich das fehlende Element im Team. Sie meinten, ich sei höflich und auf den Punkt. Das kam gut an.

Was hast Du noch vor?

Samira Mal sehen. Im Moment fühle ich mich hier sehr wohl und lass´ das auf mich zukommen. Wir verändern uns ja auch rasch. Dachser hat in Luxemburg 2011 mit 17 Mitarbeitern angefangen. Jetzt sind wir 50 Mitarbeiter und wachsen weiter.