ECHTERNACH
INGO ZWANK

Zu Besuch bei Peter Kraus im „Beienhaous“ am Echternacher See

Seit gut drei, vier Wochen summt und surrt es bereits rund um den Echternach See: Die Bienen sind unterwegs. Seit Jahrtausenden ist der Honig ein geschätztes Lebensmittel für die Menschen. War in der Steinzeit der Mensch noch ein Honigjäger, so hat er mit der Zeit gelernt, die Bienen in Bienenstöcken zu halten.

Bis ins 19. Jahrhundert war der Aufwand, den die Menschen für eine kleine Menge Honig betreiben mussten, enorm groß. „Erst unsere moderne Bienenhaltung und unsere Kulturlandschaft ermöglichen eine große Honigernte“, erzählt Peter Kraus, der im „Beienhaous“ am Echternacher See als Imker über die Naturverwaltung tätig ist.

„Ein Geben und Nehmen“

Früher war der gesundheitliche Nutzen aller Bienenprodukte in der sogenannten Volksmedizin verbreitet, dieses Wissen ist heute leider weitgehend verloren gegangen. Trotzdem wird gerne bei Erkältungen immer noch Honig gegessen, um den Heilungsprozess zu unterstützen und schneller gesund zu werden.

Die größte Bedeutung der Honigbiene liegt aber in ihrer Bestäubungsleistung. Nicht zuletzt deshalb wurde in Echternach ein Bongert mit alten Sorten angelegt, als Genpol - „und Nahrungsquelle für die Bienen. Ein Geben und Nehmen, ohne Bienen, keinen Bongert“, sagt Kraus mit Blick auf das Paradies für die Bienen, was sich am Echternacher See auftut. „Sie haben hier wirklich alles, was sie brauchen: Genug Nahrung, Wasser, alles ist da“, sagt Kraus, der ausführt, dass man hier unzählige Völker halten könnte.

Doch Honigbienen leben Kraus zufolge in vielen Regionen in der Stadt wirklich oft besser als in ländlichen Gebieten. „In Parks und Gärten finden sie ein reiches und vielfältiges Blüten-Angebot“, erzählt Kraus, auf dem Land seien es oft nur noch Rapsfelder, die attraktiv für die Bienen sind. Stadthonig aus Paris oder auch Berlin sind daher keine Seltenheit mehr. Intensive Landwirtschaft wirkt sich daher für die Bienen negativ aus, „auch wenn es hier in Luxemburg noch nicht ganz so schlimm ist.“ Neben dem Befall mit der aus Asien stammenden Varroamilbe zählen damit vor allem der Strukturmangel der Landschaft und der Lebensraumverlust zu den Hauptproblemen, „was zu einer unzureichenden quantitativen und vielfältigen Pollenversorgung führt. Auch der Einsatz von Pestiziden ist Ursache des Bienensterbens.“ Das Bienensterben sei die direkte Konsequenz der Intensivierung der heimischen Landwirtschaft.

Was nun die Varroamilbe angeht, so haben sich die Imker darauf verständigt, dass am 15. Juli „geräumt wird“, sagt Kraus. Dann wird auch alles entsprechend gegen diese Milbe gemacht. „Dann wäre es schlimm, wenn meine Biene zum Nachbarn fliegen, um da noch vorhandenen Honig zu klauen und wieder die Milbe in meinen Stock bringen“ - und der Imker bekommt es nicht mit, das Ende des Volkes würde drohen.

„Bienen bestäuben 71 von den 100 Nahrungspflanzen, die für 90 Prozent der globalen Nahrungsmittelproduktion stehen“, so der Experte. In Europa können 87 Prozent der Kulturen nur durch die Bestäubung von Bienen angebaut werden. Somit ist heute die Honigbiene bei uns nach Rind und Schwein das drittwichtigste Nutztier. Ihre Bestäubungsleistung sichert die Vielfalt an Nahrungsmitteln, sie ist also hauptverantwortlich für gute Ernten und ökologische Artenvielfalt. Um so wichtiger, dass Naturverwaltung (ANF, Triage d’Echternach), Naturpark Mëllerdall und die Stadt Echternach neben Schulprojekten zum Thema Bienen regelmäßig Imkerschnupperkurse am Echternacher See organisieren. Die erfahrenen Imker Kraus und Marc Thiel vom Naturpark Mëllerdall leiten diese und geben Einblicke in das weitreichende Thema der Imkerei. Neben den Grundbegriffen und dem Imkermaterial werden die Schwarmkontrolle, die Honigernte, die Varroabekämpfung und die Einwinterungsarbeiten behandelt. Darüber hinaus werden die wichtigsten Handgriffe am Bienenstock gezeigt.

„Wer möchte, der kann so von der Ausbildung bei uns bis zum Aufrichten des Stocks alles am Echternacher See machen.“ Inklusive der Nutzung der Honigtrommel. Sogar den Stock könne der angehende Imker in der „Schreinerei“ der Stadt bauen. „Lediglich ein Bienenvolk muss sich der Imker selbst kaufen“, ergänzt Förster Tom Müller.

Informationen rund im das „Beienhaous“ und zu Terminen gibt es bei Britta Dingeldein, Tel.: 691 381 967, Mail: britta.dingeldein@echternach.lu