Mit der Eröffnung der diesjährigen „Semaine du Logement“ wurde nur wenige Wochen vor den Wahlen ein Thema in den Mittelpunkt gerückt, das sich in Luxemburg immer mehr zum Gesellschaftsproblem entwickelt, ohne dass bisher mit der nötigen Zielstrebigkeit und Konsequenz dagegen angekämpft wurde.

Man kann der Politik und den jeweils zuständigen Ressortministern nicht einmal Untätigkeit vorwerfen, doch kommt man leider auch nicht an der Tatsache vorbei, dass alle noch so gut gemeinten Maßnahmen immer wieder ohne größere Wirkung verpufften, weil sie nicht auf das Kernproblem - mangelndes Wohnungsangebot -, sondern vielmehr auf Symptome - ins Endlose steigende Grundstücks- und Mietpreise - reagierten. Problemlos können diese Preise mittlerweile nur noch Menschen bezahlen, die entweder im breiten Finanz- und Bankenmilieu oder in internationalen Institutionen gut dotierte Posten haben, die womöglich auch noch ganz oder zum Teil vom Arbeitgeber finanziert werden.

Dass inzwischen selbst Staatsdiener der mittleren und gehobenen Einkommensklasse mit Blick auf ihre finanziellen Möglichkeiten ihren Wohnsitz jenseits der Landesgrenzen verlegt haben, lässt tief genug blicken und zeigt, dass dieses Problem Anlass zu ernsthafter Auseinandersetzung und wirksameren neuen Lösungswegen sein müsste, weil die bisherigen Schritte mehr oder weniger wirkungslos geblieben sind.

Dabei basiert das ganze Problem auf einem elementaren marktwirtschaftlichen Prinzip, nämlich der Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage. Solange man nämlich, wie es in den letzten zwei Jahrzehnten getan wurde, nur die Nachfrage stimuliert, ohne gleichzeitig auch für ein deutlich höheres Angebot zu sorgen, kann man sich nicht wirklich ein Nachlassen des Drucks an der Preisfront erwarten. Hier aber steht nicht nur die Spekulation der Grundstückseigentümer als Hindernis im Weg, sondern auch die staatlichen Behörden haben ein stattliches Arsenal an Behinderungen und Erschwernissen aufgebaut, das so manchem Baupromoteur neben einer himmlischen Geduld vor allem auch ein enormes finanzielles Rückgrat abverlangt, das derzeit nur noch standhält, weil das Niveau der Kreditzinsen auf einem historischen niedrigen Stand verharrt. Wenn Siedlungsprojekte bis zu zehn Jahren in der administrativen Genehmigungsprozedur gefangen sind, kann man sich keine schnelle Lageverbesserung erwarten.

Andererseits wird die von neuen Kapitalisierungszwängen geprägte Kreditvergabe der Finanzinstitute in absehbarer Zukunft eher zu einer Verknappung der ohnehin wenig ergiebigen Baudarlehen führen, so dass von dieser Seite aus nicht mit einer Vereinfachung oder Verbesserung der Lage zu rechnen ist. Demgegenüber steht die große Herausforderung, dass Luxemburg auf weiteres Wachstum der Wirtschaft und implizit auch der Bevölkerung angewiesen ist, womit eine weitere Zuspitzung des Wohnungsproblems bevorsteht. Man mag argumentieren, dass die derzeit ausgewiesenen 2.700 Hektar Bauland ausreichend Raum bieten für den von 200.000 Menschen benötigten Wohnraum. Damit hat man aber noch kein Ar von dieser gewaltigen Fläche auf den Markt gebracht. Für eine Erweiterung des Einfallsreichtums in politischen Kreisen herrscht also durchaus noch Berdarf.