LUXEMBURG
ANNETTE DUSCHINGER

Das ehemalige Kaiserreich China beeindruckt mit Geschichte und Kultur

Man sollte sie gesehen haben, die Sehenswürdigkeiten, die das Reich der Mitte, die Volksrepublik China und ehemaliges Kaiserreich zu bieten hat. Nicht nur die Metropolen Beijing (Peking), die „Nördliche Hauptstadt“, und Shanghai, auch die ehemaligen Hauptstädte der verschiedenen Dynastien, wie Xi’an oder Suzhou, die 600 v. Chr. gegründete Hauptstadt des Königreichs Wu, haben einiges zu bieten.

Wir erlebten ein smogfreies Beijing kurz nach der großen Parade zum 70. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs: Mit Chemikalien hatte man für einen wolkenfreien Himmel gesorgt, damit man die Militärflieger auch gebührend bewundern konnte und in den Wochen davor durften immer nur abwechselnd die Autos mit geraden und ungeraden Autokennzeichen die Straßen befahren. An Werktagen erstickt Beijing wie auch die anderen Großstädte im Verkehr, trotz des Versuchs mit Autokennzeichen, die genauso teuer sind wie ein Auto selber, den Abgasen Herr zu werden.

Drei Gesichter zeigt Beijing heute: Das sozialistische der 1950er bis 70er Jahre mit seinen Bauten im sinostalinistischen Stil und seinem Zentrum, dem Tian’an Men-Platz (Platz am Tor des Himmelsfriedens), umgeben vom Parlamentsgebäude, dem Nationalmuseum und dem Mao-Mausoleum. Das Beijing von heute mit seinen spiegelnden Hochhäusern und natürlich die eigentliche Attraktion: Das Beijing der Kaiserzeit mit dem 1406 bis 1420 erbauten Kaiserpalast in der Verbotenen Stadt, wo bis zur Revolution 1911 die chinesischen Kaiser der Dynastien Ming (1368-1644) und danach Qing wohnten, und mit dem Sommerpalast, den Kaiser Qianlong 1751 bis 1764 als Geschenk zum 60. Geburtstag seiner Mutter errichten ließ. Die Gebäude sowie der einzigartige 728 m lange, mit 8.000 Roman- und Landschaftsszenen bemalte Wandelgang zählen zu den Meisterwerken chinesischer Architektur, der Park zu den Höhepunkten der chinesischen Gartenkunst.

Fitte Senioren: Lebensfreude und Geselligkeit pur in öffentlichen Parkanlagen

Ein Erlebnis besonderer Art ist ein Besuch des imposanten Himmelstempels. Er liegt eingebettet in eine Parkanlage, die ein lebendiges Beispiel dafür bietet, wie körperlich und geistig fit sich chinesische Senioren halten und wie viel Wert staatlich unterstützt auf Gemeinschaft gelegt wird. Denn gegen eine kleine Jahresgebühr ist Senioren der freie Eintritt garantiert. Sie sitzen bei Karten- und Brettspielen, musizieren und tanzen zusammen, betreiben gemeinsam Kampfsport, Taiji-Schwerttanz, Qigong, Taiji, Yoga und vieles mehr. Wie auf einem bunten Jahrmarkt geht es dort zu - Lebensfreude und Geselligkeit pur. Aber auch Kurioses erlebt man dort: Dachten wir zunächst, dass hier Eltern sitzen, die nach Vermissten fahnden, so stellte sich heraus, dass sich mitten im Park ein Heiratsmarkt befindet. Eltern priesen Körpergröße, Gewicht und wohl auch den Lebenslauf ihrer Söhne an. Traditionell bestimmen in China die Eltern die Ehepartner und lassen ich dabei vor allem von materieller Attraktivität leiten. Junge Männer müssen da schon ein ordentliches Appartement vorweisen können, ansonsten kann eine Verlobung auch schon mal kurz vor der Trauung gelöst werden, wenn sich besseres findet.

In der nahen Umgebung Beijings locken mit der „Großen Mauer“ und den Ming-Gräbern weitere Bau-Höhepunkte. Ein Must ist eine Weiterreise nach Xi’an, das unter der Qin-Dynastie (221-207 v.Chr.) die erste Hauptstadt des Kaiserreichs China war. Die 1974 von Landarbeitern dort entdeckte Grabstätte des Kaisers Qín Shihuángdì, die geschützt wird von einer Armee lebensgroßer Tonsoldaten (Terrakotta-Armee) ist einer der bedeutendsten archäologischen Funde des zwanzigsten Jahrhunderts - als achtes Weltwunder preisen es die Chinesen.

Bereits im Alter von 13 Jahren ließ der Kaiser mit dem Bau seiner Grabstätte beginnen. Während der 36 Jahre dauernden Arbeiten waren bis zu 700.000 Arbeiter gleichzeitig mit dem Bau beschäftigt. Nach dem Tod des Kaisers machten sie ihrer Wut Luft und zerschlugen Teile der Armee. In Xi’an lohnt sich auch der Besuch einer Tang-Dynastie-Tanzshow und man sollte die regionale Spezialität „Dumplings“ genießen, verschiedenartig gefüllte Teigtaschen.

Suzhou - Hochburg klassischer chinesischer Gartenkunst

Was wäre eine Chinareise, ohne auch die ganz spezielle Atmosphäre eines klassischen Gartens genossen zu haben? Nirgendwo kann man das Design zur Nachbildung natürlicher Landschaften in Miniatur besser erleben als in den neun Gärten der Stadt Suzhou - Meisterwerke ihrer Art, zwei Autostunden von Shanghai entfernt und UNESCO-Weltkulturerbe. Wir besuchten den „Garten des Verweilens“ (Liu Yuan), einen der vier bekanntesten Gärten Chinas und 1593 in der Ming-Dynastie erbaut. Auf einer Fläche von 2,3 Hektar kann man die klassischen Elemente bewundern, mit denen die Harmonie von Erde, Himmel, Steinen, Wasser, Gebäuden, Wegen und Pflanzen (den so genannten sieben Dingen) erreicht werden soll. Vor allem eine Sammlung herrlicher Bonsais besticht hier. Zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt auch die Altstadt von Suzhou: Die malerischen engen Gassen mit ihren kleinen Läden, Cafés und Teestuben und die kleinen Brücken - weil die Stadt von Kanälen durchzogen ist, wird sie auch Venedig des Ostens genannt - sind ideal für einen Spaziergang.

Auch der in der Altstadt Shanghais gelegene Yu-Yuan-Garten gilt als eines der schönsten Beispiele der Gartenkunst in China und ist eine Oase des Friedens inmitten der umtriebigen Altstadt und der Metropole mit ihrer beeindruckenden Skyline.