LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Einmal im Jahr analysiert KPMG-Partner Thomas Feld die Situation des Finanzplatzes

Es ist ein Vortrag, der immer mit Spannung im Finanzsektor erwartet wird: Die Analyse von KPMG-Partner Thomas Feld. Feld ist für den Bereich Audit zuständig und hat Kontakt zu zahlreichen Unternehmen aus dem Finanzsektor. Den Mitgliedern des „International Bankers Forum“ teilte er seine Meinung mit. Wir haben einen Blick in die Präsentation geworfen. Sie zeigt, dass es Luxemburg gut geht - aber auch, welche Risiken es gibt.

Die Risiken liegen in den Augen von Feld vor allem außerhalb von Luxemburg. Dazu gehört allen voran der Brexit, aber auch globale protektionistische Tendenzen, eine Abnahme des Handels innerhalb der EU, aber auch Herausforderungen für das Luxemburger Wirtschaftsmodell durch Kräfte innerhalb der EU sowie auf internationalem Parkett. Langfristig können sich insbesondere die zahlreichen Regulierungsvorschriften aufgrund des dafür notwendigen Aufwandes negativ auswirken. Feld spricht in diesem Zusammenhang auch vom „regulatorischen Overkill“ durch MiFID. „Nach 120 Monaten des Aufschwungs kommt Unruhe auf“, meint Goldman Sachs in einem von ihm zitierten Bericht. Genaueres vorherzusagen sei schwierig. Denn es gibt kein Naturgesetz für Krisen. „Weniger als fünf Prozent wurden in der Vergangenheit richtig vorhergesagt“, meint Feld. Luxemburg jedenfalls hat eine komfortable Position, wie Ratingagenturen bestätigen. Es ist reich, wächst weiter mit rund 3,7 Prozent und trägt keine großen Kreditrisiken.

Finanzsektor größter Arbeitgeber

Der Finanzsektor selbst beschäftigt rund 46.000 Mitarbeiter. Davon arbeiten allein über 26.000 bei Banken (s. Grafik), deren Zahl mit 140 relativ stabil ist. Die größten sind die BGL BNP Paribas mit 2.390 Mitarbeitern, gefolgt von der „Banque et Caisse d’Epargne de l’Etat“ (BCEE) mit 1.820 Mitarbeitern, der „Banque Internationale à Luxembourg“ mit 1.803 Mitarbeitern und der „RBC Investors Service Bank“ mit 1.339 Mitarbeitern. Weitere knapp 16.000 Menschen arbeiten bei den Dienstleistern PSF. Zwar ist die Zahl der Mitarbeiter nicht rückläufig, dafür aber gehen die Nettoeinnahmen der Banken zurück. Das konnte zwar durch Kommissionen etwas wett-, aber nicht gut gemacht werden. Personal- und Verwaltungskosten blieben laut Feld anteilig gleich.

Insgesamt sieht Feld das Umfeld der Banken - geprägt von Regulierung, prozyklischen Effekten, Negativzinsen, Digitalisierung und Konkurrenz durch Tech-Unternehmen nicht als ideal an, um Erfolg im operativen Geschäft zu haben. Stresstests, der Brexit und Niedrigzinsen tragen auch dazu bei.

Fonds bleiben stark

Fonds hingegen entwickeln sich sehr positiv; seit 2011 nimmt das verwaltete Vermögen zu auf zuletzt 4.280 Milliarden Euro. Das beschert Luxemburg den zweiten Platz weltweit nach den USA für 9,5 Prozent des verwalteten Vermögens von Investmentfonds. Vorteile bleiben grenzüberschreitender Vertrieb und internationale Kunden. Versicherungen werden in Luxemburg zwar immer weniger vertrieben, dafür aber steigt Jahr für Jahr die Bilanzsumme der Versicherungen.

Große Unsicherheit herrscht weiterhin beim Brexit. Wann, wie und mit welchen Folgen er kommt, ist unklar. Das treibt Unternehmen außer Landes und in die EU. Luxemburg hat bislang sehr davon profitiert. Laut Feld sind ganze 44 Unternehmen nach Luxemburg gekommen - mehr, als in andere Länder. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass es gut ist.

Positiv bewertet Feld in seiner Zusammenfassung die Unterstützung der neuen Regierung für den Finanzplatz. Auch Initiativen, um Luxemburg wirtschaftlich auf eine breitere Basis zu stellen, seien sinnvoll. Diskussionspunkte blieben das Pensionsthema und die öffentliche Verschuldung. Fonds seien gerade beim Thema Altersabsicherung interessant, müssten sich jedoch auf verstärkten Wettbewerb einstellen. Bei den Banken sieht der KPMG-Partner einen Konsolidierungsprozess. Gerade beim Wettbewerb mit den USA mangele es an einheitlichen Wettbewerbsbedingungen, zumal in den USA stark dereguliert wird, während in Europa das Gegenteil stattfindet. Der Druck durch Wettbewerb und Digitalisierung sowie Kosten machen es den Banken nicht einfach. Seinen Vortrag hatte er nicht ohne Grund mit „Die Ruhe vor dem Sturm? - Mit konjunkturell bedingtem Abschwung konfrontiert“ betitelt.