LUXEMBURG
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Wie das Rote Kreuz entstand

Wir schreiben den 24. Juni 1859. Bei Solferino, einem Städtchen östlich von Mailand, ist gerade eine blutige Schlacht zu Ende gegangen. Die Österreicher, die hier mit den Truppen des Königreichs Sardinien und deren alliierten Franzosen um die Vorherrschaft in der damals zu Österreich gehörenden Lombardei und Venetien kämpften, sind geschlagen. An die 250.000 Mann standen sich im Kampf gegenüber.

An die 30.000 liegen noch auf dem Schlachtfeld, davon Zehntausende Verwundete und Sterbende, als der Schweizer Geschäftsmann Henry in der Gegend ankommt. Angesichts der Misere der Kriegsopfer, die sich selbst überlassen waren, da es keine Hilfe gibt, ergreift Dunant die Initiative und richtet mit Einwohnern der Gegend ein Feldlazarett ein und sammelt Versorgungsmaterial. Einige hundert Verwundete kann er retten. Die Erfahrung in Solferino sollte den tiefgläubigen Genfer, der aus einer Familie stammte, in der Wohltätigkeit groß geschrieben wurde, tief prägen. Seine Erlebnisse verarbeitete er 1862 in einem Buch, das er einflussreichen Persönlichkeiten in ganz Europa präsentierte, um sie für seine Idee der Schaffung eines Netzwerks neutraler Hilfsorganisationen zu gewinnen. Mit Gleichgesinnten gründete er Ende Februar 1863 eine Kommission aus der später, Mitte der 1870er das Internationale Komitee vom Roten Kreuz werden sollte.

Eine Idee geht ihren Weg

Die Idee Dunants, der für seinen Einsatz mit zahlreichen Ehren bedacht wurde, machte ihren Weg und stand 1864 gar im Zentrum einer diplomatischen Konferenz in Genf, wo eine erste Konvention unterzeichnet wurde mit Regeln für den Schutz von Personen, die nicht oder nicht mehr an Kampfhandlungen teilnehmen. Bei der Konferenz einigte man sich ferner auf ein einheitliches Symbol zum Schutz der Verwundeten und des Hilfspersonals: das Rote Kreuz auf weißem Grund, die Umkehrung der Schweizer Flagge. Später sollte in der muslimischen Welt der Rote Halbmond - die Umkehr der Flagge des ottomanischen Imperiums - zum Standard werden.

Während er sich fortlaufend für seine Ideale einsetzte, erlitt Dunant eine Reihe finanzieller und gesundheitlicher Schicksalsschläge. Er lebte Jahrzehnte lang in Armut. Erst in den 1890er verbesserte sich seine Lage mit der Unterstützung reicher Gönner, auch aus Königshäusern. 1901 erhielt Dunant für die Gründung des Roten Kreuzes und die Initiierung der Genfer Konvention den ersten Friedensnobelpreis der Geschichte. Am 30. Oktober 1910 starb er im schweizerischen Heiden.

Tag des Friedens

Vier Jahre später sollte der Erste Weltkrieg unvorstellbares Leid bringen und der zweite Weltenbrand wenige Jahre später noch mehr Opfer fordern. Helfer des Internationalen Roten Kreuzes waren auch unter schwierigsten Bedingungen immer da, um ihre Not zu lindern. Viele der Helfer bezahlten ihren Einsatz mit ihrem Leben. Der internationale Tag des Roten Kreuzes am 8. Mai, dem Geburtstag von Henry Dunant (8. Mai 1828), ist auch ihnen gewidmet. Die Idee eines solchen Tages stammt aus der Tschechoslowakei, das 1922 von innenpolitischen Konflikten zerrissen war. Die tschechoslowakische Rotkreuz-Gesellschaft erreichte damals um Ostern herum einen dreitägigen „Frieden“, während dem die Konfliktparteien von gegenseitigen Angriffen absahen. Daraus entstand die Idee, einen internationalen Friedenstag zu veranstalten. 1938 setzte sie sich bei einer Internationalen Rot-Kreuz-Konferenz in London durch. Der Zweite Weltkrieg machte der Anwendung einen Strich durch die Rechnung. Doch 1946 wurde die Initiative wieder aufgegriffen und seit dem 8. Mai 1948 wird der Internationale Tag des Roten Kreuzes begangen.

ROTKREUZ-FÖDERATION

„100 Jahre Hoffnung“

Leben retten und Menschen in Not helfen: Das sind die Kernaufgaben der größten humanitären Organisation der Welt, die am letzten Sonntag 100-jähriges Jubiläum feierte. Für die Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften (IFRC) sind weltweit mehr als 13 Millionen Freiwillige im Einsatz. Der Dachverband in Genf hat nationale Gesellschaften in 190 Ländern. Viele davon sind älter als der Verband. Die erste Rotkreuzgesellschaft wurde als Württembergischer Sanitätsverein 1863 in Stuttgart gegründet. „Beim 100-Jahr-Jubiläum geht es nicht um die Vergangenheit“, teilte die Föderation zum Fest mit. „Wir feiern alles, was das Rote Kreuz und den Roten Halbmond zu einem dynamischen und innovativen Netzwerk macht, das bereit für die Herausforderungen der Zukunft ist.“