LUXEMBURG
JOS SCHEUER

„Die neue Kormoranverordnung stellt einen guten Kompromiss zwischen den berechtigten Interessen des Natur- und Artenschutzes sowie der Fischerei im Land dar“, sagte jüngst der Umweltminister von Schleswig-Holstein, Jan Philipp Albrecht. Durch neue Bestimmungen zu Vergrämungsabschüssen sowie Entschädigungsregelungen für die Fischer passe man die Verordnung den praktischen Gegebenheiten an. „Mit ganz guten Ansätzen“, findet auch der Präsident des Sportfischerverbands FLPS, Jos Scheuer, zu dem Thema, „was in Luxemburg aktuell leider wieder absolut totgeschwiegen wird.“

„Man versteht die Denk- und Handlungsweise verschiedener Politiker, Verwaltungen und Naturschutzverbände überhaupt nicht! In Luxemburg muss etwas geschehen.

Die Verordnung des deutschen Bundeslandes sieht als neues Instrument vor, dass sogar Vergrämungsabschüsse für zwei Wochen im Umkreis von 300 Metern um Orte getätigt werden dürfen, an denen Aalbesatzmaßnahmen durchgeführt wurden. Damit soll gewährleistet werden, dass der Erfolg von Artenhilfsmaßnahmen – hier für den Aal - nicht durch Kormoranfraß gefährdet werden.

Ein weiterer guter Ansatz: Für entstehende Kormoranfraßschäden können betroffene Fischereibetriebe Anträge auf finanziellen Ausgleich bei der Fischereibehörde stellen. Die dafür benötigten Finanzmittel werden durch den schleswig-holsteinischen Landtag zur Verfügung gestellt; derzeit bis zu einer Höhe von jährlich maximal 10.000 Euro pro Fischereibetrieb. Problematisch ist es hier aber bei Naturschutzgebieten. Doch würde man dies auf Luxemburg übertragen, hätte man solche Probleme im Bereich Müllerthal und auch im Bereich Eisleck. Viele Kilometer sind hier an Fischer oder auch Vereinigungen vergeben, die per Gesetz gezwungen sind, Besatzmaßnahmen durchzuführen – und wo entsprechende Schäden durch die Kormorane entstehen. Hier wäre dann ein Anspruch nicht möglich.

Uns geht es grundsätzlich darum, dass das Thema nicht totgeschwiegen wird und mancher mehr Angst vor den Vogelschützern hat als vor den Anglern. Auch ist die Fischereikommission gefragt. Denn es kann nicht sein, dass jenseits der Sauer das Land Rheinland-Pfalz am Abschuss der Kormorane festhält und diesseits der Sauer nichts unternommen werden kann.

Gut 1.900 Kormorane sind beispielsweise alleine im Herbst und Winter 2017/18 in Baden-Württemberg getötet worden – und auch hier will das Land die Abschüsse noch erleichtern. Ein sehr interessanter Aspekt wurde übrigens in Sachsen-Anhalt vom Oberverwaltungsgericht festgehalten. Die Kormoranverordnung des Landes Sachsen-Anhalt sei hier absolut rechtmäßig, so der 2. Senat des Oberverwaltungsgerichtes in Sachsen-Anhalt. Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) hatte ein Normenkontrollverfahren initiiert, weil er die Auffassung vertrat, dass die Verordnung (VO) gegen die EU-Vogelrichtlinie und das Bundesnaturschutzgesetz verstoßen würde. Das Gericht stellte fest, dass der Artenschutz auch unterhalb der Wasseroberfläche zu tragen kommen würde – ein Punkt, dem man sich in Luxemburg auch mehr widmen muss.“