LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Keine Chance auf Begnadigung des Ettelbrücker Bahnhofsgebäudes

Vor wenigen Tagen noch hatten sich gleich vier private Denkmalschutz-Organisationen für den Erhalt des historisch wertvollen Bahnhofsgebäudes von Ettelbrück stark gemacht. In einer gemeinsamen Pressekonferenz wurde die miserable Situation des Denkmalschutzes in Luxemburg dargestellt. Dazu hieß es in unserem Bericht:

„Ein anderes, angesichts des historischen Wertes, dramatisches Beispiel ist der schon 1862 gebaute Ettelbrücker Bahnhof, der dem Großprojekt „Ettelbrück multimodal“ weichen soll. Kolportierte Gerüchte, dass das Gebäude heruntergekommen und in einem schlechten Zustand sei, sind nach Auffassung von „Ettelbréck 21“ schlicht falsch. Von den Verkehrsplanern bis zum Minister werde behauptet, der Bau könne aus technischen Gründen nicht erhalten werden, da er auf der Trasse des geplanten Straßentunnels stehe. Das sei völlig falsch, das Bahnhofsgebäude könne mit einer Betonplatte unterfangen werden, ohne den Bau des Tunnels zu beeinflussen.“

Der liberale Nordabgeordnete André Bauler wollte es schon einige Wochen zuvor genau wissen und hat sich mit einer parlamentarischen Anfrage direkt an Kulturministerin Maggy Nagel (DP) gewandt.

Er bezog sich dabei auf eine Anfrage an die frühere Kulturministerin Octavie Modert (CSV) aus dem Jahr 2011 über einen möglichen Abriss des Bahnhofs von Ettelbrück. Die damalige Ministerin habe ihm mitgeteilt, dass das Gebäude nicht unter Schutz stehe, allerdings ihre Behörde - der Service des Sites et Monuments - mit in die Planung für einen neuen Ettelbrücker Bahnhof einbezogen sei. Bauler wollte nun von Ministerin Nagel wissen, ob sie nicht auch annehme, dass der eventuelle Abriss des historischen Bahnhofsgebäudes einen Verlust an historischer Bausubstanz für die Stadt Ettelbrück darstelle?

Falls die Ministerin seine Meinung teile, ob sie sich dann mit Nachhaltigkeits- und Infrastrukturminister François Bausch abstimmen könne, um das Gebäude im Rahmen der Neugestaltung des Bahnhofs und seines Umfeldes zu erhalten, in dem man historisches und zeitgenössisches miteinander kombiniere?

Der Bagger wird rollen

Die Antwort von Ministerin Maggy Nagel ist eindeutig: Schon ihre Vorgängerin habe das Gebäude mit Rücksicht auf die Planung nicht unter Schutz stellen wollen. Auch wenn sie diese Entscheidung bedaure, sei es inopportun ein neues Unterschutzstellungsverfahren für das Bahnhofsgebäude anzustrengen, dass das Planungsverfahren für „Ettelbrück multimodal“ zu weit fortgeschritten sei und die Abstimmung über das notwendige Gesetz noch in diesem Jahr erfolgen soll, um einen Baubeginn 2015 zu ermöglichen.

Nach den vorliegenden Bauplänen sei eine Integration des bestehenden Bahnhofsgebäudes in die Umgestaltung des Viertels nicht möglich.

Fazit: Das 150 Jahre alte Gebäude wird der Abrissbirne nicht entkommen.