LUXEMBURG
SVEN WOHL

Seit zwölf Jahren stellt Wikipedia Wissen frei zur Verfügung

Es gibt zwei Namen, die unzertrennlich mit der modernen Internetnutzung verbunden werden: Google und Wikipedia. Sie wirken wie die Erfüllungen zahlreicher Science-Fiction-Fantasien, erlauben sie es doch, Wissen auf Knopfdruck aufzurufen. In gewisser Weise definieren sie damit das moderne Internet mit. Die Ursprünge Wikipedias waren jedoch vergleichsweise beschaulich.

Wissen auf die Schnelle

Das Konzept der Wikis existierte bereits seit den 1990er Jahren. Solche Projekte scheiterten jedoch entweder an einer mangelnden Reichweite oder schlicht an technischen Limitationen. Auch gab es in den 1990ern bereits die ersten digitalen Nachschlagwerke, wie etwa Microsofts Encarta. Als erster Vertreter des „wiki“-Gedanken war das sogenannte „WikiWikiWeb“, das von Ward Cunningham entwickelt wurde. Dabei bedeutet „Wiki“ so viel wie „schnell“ auf hawaiianisch, und das verrät auch einen der vorwiegenden Designgedanken: Nutzer sollten schnell Informationen hinzufügen können.

Im Jahr 2000 wurde schließlich die Online-Enzyklopädie „Nupedia” gegründet. Diese Enzyklopädie folgte einem anderen Konzept als das heute bekannten Wikipedia: Hier sollten Fachleute die Artikel schreiben. Da dieses Projekt nur sehr langsam heranwuchs, da das Schreiben und Auswerten der einzelnen Artikel wesentlich mehr Zeit verschlang, entschied man sich, zusätzlich Wikipedia zu gründen, das dem anderen Projekt unter die Arme greifen sollte, indem es dieses mit schnell geschaffenen Artikeln fütterte. Diese galt es danach nur noch auszuwerten.

Meilenstein um Meilenstein

Doch es kam anders, denn nach der Gründung im Jahr 2001 erhielt die Plattform mehr Aufmerksamkeit als Nupedia. Zu Beginn gab es noch relativ wenige Regeln, ganz im Gegensatz zu heute. Am 8. August 2001 hatte die Seite gerade einmal 8.000 Einträge. Am 25. September des gleichen Jahres waren es bereits 25.000. Die Tatsache, dass jeder zu der Online-Enzyklopädie beitragen kann, sorgte von Beginn an dafür, dass die Enzyklopädie schnell wachsen konnte. Am 9. September 2007 folgte der nächste Meilenstein: Damals wurde die zwei Millionen Artikel Hürde ebenfalls genommen. Damit war die Yongle-Enzyklopädie, die diesen Rekord für gut 600 Jahre hielt, ebenfalls geschlagen, das Bücherformat in dieser Hinsicht endgültig deklassiert.

Aktiv und manipulierbar

Wikipedia hat jedoch auch Zeichen gesetzt. So etwa beim Protest gegen den Regulierungsversuch „SOPA“, bei dem die Seite für einen ganzen Tag nicht erreichbar gewesen ist. 162 Millionen Nutzer sahen an diesem Tag nur eine Seite mit einer Meldung zum Protest. Frei von Kritik ist Wikipedia jedoch bei weitem nicht. Denn da die Einträge von jedem bearbeitet werden können, sind sie als Primärliteratur bei der Forschung nicht nutzbar. Zudem wird diese Funktion auch seitens gewisser Nutzer missbraucht. Im Jahr 2008 wurden so etwa beim Wikipedia-Eintrag zu Sarah Palin Elemente verändert, um sie besser dastehen zu lassen.

Bei John McCain waren es insgesamt 30 Veränderungen innerhalb von 24 Stunden. Das politische Gewicht von Wikipedia ist also ebenfalls nicht zu unterschätzen und es wird sicherlich nicht das letzte Mal sein, dass jemand versucht, das freie Wissen für die eigenen Zwecke zu manipulieren.