LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

Glaubhaft und abgehoben: Alicia Vikander und das neue Remake von „Tomb Raider“

Was könnte eine bildhübsche schwedische Oscargewinnerin wie Alicia Vikander (beste Nebendarstellerin 2016 in „The Danish Girl“) bewegen, sich ein neues Image als Action-Heldin auf der Leinwand zu erspielen? Noch dazu als Verkörperung der Lara Croft aus dem kultigen 1994er-Videospiel „Tomb Raider“? Eine stolze Gage war sicher ein Anlass. Vielleicht war es auch der Anfang des Remakes von „Lara Croft: Tomb Raider“ von Simon West, der ihr, anders als der ersten Lara-Darstellerin Angelina Jolie, die Möglichkeit bot, Schwächen und Stärken zu beweisen, die sie nicht als arrogante Tochter eines Milliardärs zeigen. So wird Lara in der Neuverfilmung des Norwegers Roar Uthaug („Cold Prey“) erst einmal in einem Boxring von ihrer Gegnerin vermöbelt. Dann vergeigt sie ein Radrennen, das im Polizeirevier endet.

Vaters Geheimnis

Eigentlich ist Lara die Erbin eines riesigen Geschäftsimperiums, das ihr Vater Richard (Dominic West) vor sieben Jahren aufgab, um sich auf die Spur der ersten japanischen Kaiserin Himiko zu machen, der übernatürliche Kräfte nachgesagt werden. Doch Daddy Croft ist seitdem verschwunden. Ana (Kristin Scott Thomas), eine Führungskraft im Croft-Imperium und gute Freundin von Richard, bewahrt Lara vor einer polizeilichen Strafe.

Lara soll nun endlich die Papiere unterschreiben, die ihr die Übernahme der Firma zugestehen, ehe diese verkauft werden muss. Ein Anwalt (Derek Jacobi) übergibt ihr vor der Unterschrift jedoch eine geheimnisvolle Rolle, in der Lara eine Nachricht ihres Vaters findet. Ihre wahren Abenteurer-Instinkte werden geweckt, und anstatt zu unterschreiben, findet sie daraufhin ein geheimes Versteck ihres Vaters mit seinen Notizen, die zu Himikos letzter Ruhestätte führen. Sie macht sich auf nach Hong Kong, wo sie Lu Ren (Daniel Wu) anheuert, um sie auf die Insel Yamatai zu bringen, wo Himiko begraben ist. Das Schiff erleidet Schiffbruch. Lu und Lara überleben, und sie treffen auf einen komischen Kerl, Mathias Vogel (Walton Goggins), der seit Jahren die Insel nach dem Grab der Kaiserin absucht.

Von bodenständig bis unmöglich

Es gibt noch einen Moment im Film, der heraussticht. Lara muss einen von Vogels Männern töten, um zu überleben. Sie ist einen Augenblick mitgenommen, setzt sich dann aber mit Pfeil und Bogen zur Wehr gegen den Rest der bösen Vogel-Anhänger.

War der Film bis zu diesem Moment noch einigermaßen bodenständig, so geht die Fantasie mit den Filmemachern wieder durch, so wie in fast allen Actionfilmen „made in Hollywood“. Alles ist wieder möglich, sogar das Unmögliche. Lara wächst über sich heraus. Sie überlebt an einem Fallschirm hängend den Absturz in einen Wasserfall, springt weiter als der Weltrekordhalter im Weitsprung und knallt jeden Gegner zu Boden. Alicia Vikander bemüht sich, ihre Rolle ernsthaft zu spielen, und auch wenn ihr das zum Teil gelingt, kann sie damit die unlogischen und unglaublichen Situationen nicht überspielen.

Übrigens: Es wäre interessant zu wissen, welche Marke die Batterien in Daddy Crofts Diktiergerät und Kamera haben, dass sie nach sieben Jahren einwandfrei Strom für diese so lange unbenutzten Geräte liefern.

Die Fans wird diese Nachricht erfreuen: Alicia wird als Lara auf die Leinwand zurückkehren!