LUXEMBURGMADY LUTGEN

Der Luxemburger Louis Lang startet in Köln durch

In einem in Luxemburg noch nicht ausgereiften Markt trotzdem durchstarten? Dass dies funktioniert, zeigt der 36-jährige Louis Lang aus Hesperingen. In Luxemburg arbeitete Louis im Versicherungs- und Finanzwesen, später als Nachhaltigkeitsberater, bevor er Direktor bei der Unternehmensberatung „RE|CARBONDeutschland GmbH“ in Köln wurde.

Wie kommt es, dass Du nach Köln gezogen bist?

Louis Lang Das war Zufall. Ich habe vor mehreren Jahren begonnen, mich ausführlich mit dem Thema Nachhaltigkeit zu befassen und mich nach und nach darin spezialisiert. Angefangen hat es mit der Beratung von Unternehmen, die im Europäischen CO2-Emissionshandel (EUETS) aktiv sind. Das schließt also auch Luxemburger Unternehmen ein. Später habe ich mich verschiedenen CO2-Bilanzierungsmethoden gewidmet und bin dann tiefer in das Thema Nachhaltigkeit als Unternehmensstrategie eingestiegen.

Meine tiefe Überzeugung, dass Nachhaltigkeitsberatung ein zukunftweisendes Geschäftsfeld ist, brachte mich dazu, Luxemburg vorübergehend zu verlassen. In Köln fand ich ein auf mein Themengebiet spezialisiertes Unternehmen. Und das nur zwei Stunden von meiner Heimat entfernt! Idealer könnte es nicht sein.

Du bist Direktor bei der Gesellschaft „RE|CARBON Deutschland GmbH“. Was macht diese Firma genau?

Lang Die RE|CARBON ist eine junge und sehr dynamische Unternehmensberatung, die Nachhaltigkeit als ihr Kerngeschäft versteht. Wie beraten Firmen zu den verschiedensten Themen der Nachhaltigkeit und das in ganz Europa. Die spezifischen Bedürfnisse unserer Kunden sind vielfältig, meistens handelt es sich jedoch um den Wunsch nach Risikominimierung, Kostenoptimierung und Innovationssteigerung.

Konkret unterstützen wir Unternehmen bei der Implementierung von CSR-Strategien, ihrer Nachhaltigkeitskommunikation, der Bilanzierung von CO2-Emissionen, der Einführung von Energiemanagementsystemen oder der Supply Chain Responsibility. Die Diversität der Themen, mit denen wir uns täglich befassen, macht unsere Arbeit sehr spannend.

Ihr arbeitet viel mit der Methode Bilan Carbone®-, wie können wir uns das vorstellen?

Lang Gerne erkläre ich zunächst kurz, worum es sich bei dieser Methode handelt, um dann den größeren Zusammenhang zu erläutern.

Die Methode Bilan Carbone® wurde vor mehr als zehn Jahren von der ADEME, der französischen Agentur für Energie und Umwelt ins Leben gerufen. Heute wird sie von der Association Bilan Carbone international vertrieben. Die Methode Bilan Carbone® ist eine CO2 Bilanzierungs- und Managementmethode, die zum Ziel hat, Unternehmen im Prozess der Entkopplung von fossilen Rohstoffen zu unterstützen und dabei ihre Wirtschaftlichkeit und Wettbewerbsfähigkeit zu steigern.

Die RE|CARBON führt als Dienstleister der Reclay Group (offizieller Partner der Association Bilan Carbone für die DACH-Region) Schulungen für die Methode Bilan Carbone® durch und hilft so bei deren Einführung und Verbreitung in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Luxemburg hat in diesem Prozess ebenfalls eine wichtige Rolle gespielt, weil ich die Gelegenheit hatte, die Methode dort anzuwenden. Nicht zuletzt ließ sich der Kontakt zur Association Bilan Carbone von Luxemburg aus viel einfacher herstellen. So kann man durchaus sagen, dass die deutsch-französische Zusammenarbeit in diesem Kontext erst durch Luxemburg als Standort möglich wurde.

Was vermisst Du an Luxemburg?

Lang Ich vermisse selbstverständlich meine Familie und mein soziales Umfeld; Luxemburg ist einfach einzigartig in seiner Art und Weise. Ich bin immer wieder sehr gerne hier.

Kannst Du dir vorstellen, wieder nach Luxemburg zurückzukommen?

Lang Ich fühle mich nicht so, als hätte ich Luxemburg ganz verlassen und zwei Stunden Autofahrt sind auch nicht die Welt. Aus rein wirtschaftlicher Perspektive gesehen, wird der Weg nach Luxemburg zurück höchstwahrscheinlich etwas schwieriger sein, weil das Thema Nachhaltigkeit dort noch nicht den Stellenwert besitzt, den es haben könnte. Wir beraten vereinzelt in Luxemburg, aber noch nicht auf dem Niveau, dass man von einem eigenen Geschäftsbereich sprechen könnte. Ich bin aber sehr zuversichtlich und auch sehr gespannt zu sehen, welchen Einfluss die neuesten politischen Entwicklungen auf diesen Bereich haben werden.

Ist der Bereich Nachhaltigkeit für junge Menschen eine Chance?

Lang Auf jeden Fall! Deutschland ist ein schönes Beispiel dafür. Seit 2010 wurden hier über 300.000 neue Arbeitsplätze im Bereich erneuerbare Energien geschaffen. Nachhaltigkeit wandert zunehmend aus den Marketingabteilungen in die Führungsebenen von Unternehmen und gewinnt somit an Wichtigkeit. Ich stelle fest, dass bei unseren Bewerberinnen und Bewerbern mittlerweile immer mehr Absolventen von Nachhaltigkeitsstudiengängen dabei sind. Dazu kommt, dass ich von der Vielfalt der Ursprungsländer der Kandidaten überrascht bin.

Ich kann jungen Luxemburgern nur empfehlen, sich für dieses Thema zu interessieren, weil es mit Sicherheit viele Perspektiven eröffnet. Ich würde mich sehr über Bewerbungen aus Luxemburg freuen.