LUXEMBURG
CAROLINE KNEPPER

Eine junge Frau entdeckt, dass sie eine Sklavin sein will

BDSM ist der Sammelbegriff für eine Gruppe sexueller Vorlieben. Dazu gehören Bondage und Sadomasochismus. Durch die Bücher und den Film „Fifty Shades Of Grey“ wird im Moment viel darüber geredet. Frauenrechtlerinnen aller Welt ärgern sich über die Darstellung der Frau in dieser Geschichte. Sie lassen dabei aber außer Acht, dass es Frauen und Männer gibt, die genau diese Spielart der Liebe bevorzugen, sogar brauchen. Tania erzählt dem „Journal“, wie schwer es ist, eine solche Vorliebe auszuleben. Da Tania nicht erkannt werden will, haben wir den Namen geändert.

Wie bist Du auf diese Art Sex gekommen?

Tania Ich war mir eigentlich schon immer mehr oder weniger bewusst, dass ich Wünsche in sexueller Hinsicht hegte, die nicht unbedingt jeder hat. Da diese Wünsche nicht der Norm entsprachen und SM sozusagen als Krankheit abgestempelt wurde, schob ich alles erst mal sehr weit von mir weg. Doch solche Wünsche, Bedürfnisse lassen sich nicht einfach ignorieren. Man kann sich diese Neigung nicht heraussuchen, man kann jedoch versuchen, diese und sich selbst besser kennenzulernen. Später habe ich dann viel darüber nachgelesen, recherchiert. Es gibt Foren und Stammtische, wo man Gleichgesinnten Fragen stellen kann. Nach und nach macht man erste Erfahrungen und findet ein Gleichgewicht.

War es schwierig, mit deinem Partner darüber zu reden?

Tania Erst nach sieben Jahren Beziehung brachte ich es fertig, mich meinem Partner, den ich sehr liebte, anzuvertrauen.

Wie ging es danach weiter?

Tania Er konnte sich nicht wirklich auf natürliche Art und Weise darauf einlassen, versuchte zwar die dominante Rolle zu übernehmen. Doch das war nicht so sein Ding, deswegen fühlte ich mich nicht wohl damit. Weil ich unsere Beziehung nicht aufs Spiel setzen wollte, versuchte ich einfach, diesen Teil von mir auf Eis zu legen. Was ungefähr ein Jahr lang klappte. Mein Partner wäre einverstanden gewesen, dass ich mir - neben ihm - einen Spielgefährten gesucht hätte. Mich zerriss diese Situation, sodass wir uns dann nach diesem Jahr trennten. Es war schwer zu ertragen. Ich fühlte mich schuldig ihm gegenüber. Nach einer Spielbeziehung, die fast zwei Jahre dauerte, wünschte ich mir nichts mehr, als endlich einen Partner zu finden. Jemanden mit dem ich nicht nur SM teilen, sondern auch ein gemeinsames Leben führen könnte. Die Option, dass es zwei Männer in meinem Leben gibt, funktionierte nicht für mich; ein Doppelleben schon gar nicht. Wie das Leben so spielt, lernte ich meinen jetzigen Mann kennen, wir hatten eine ähnliche Geschichte hinter uns, was unsere Ex-Beziehungen und das Unverständnis unserer Partner betraf.

Hast Du ihn von Anfang an über deine Neigung aufgeklärt?

Tania Nach der Trennung stand fest, dass ich nie wieder eine Beziehung wollte, in der die sexuelle Komponente nicht stimmt. Demnach war meine sexuelle Neigung schnell ein Thema.

Und dann schloss sich der Kreis, unsere Wünsche ergänzten sich perfekt. Ich konnte aufhören, mich meinem Partner gegenüber wie ein Freak zu fühlen, mich zu verstellen. Und es ist einfach wunderbar, wenn man seine Fantasien erzählen kann, ohne den anderen zu schockieren oder zu überfordern. Sondern sie teilen kann.


Morgen erzählt Tania auf Zoom, wie ihr Leben als Sklavin aussieht