LUDWIGSHAFEN
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150 Jahre BASF - Wie aus einem kleinen Farbstoffhersteller der weltgrößte Chemieriese wurde

Für den weltgrößten Chemiekonzern BASF war Energie schon immer ein Thema. Um 1970 herum wollte das Unternehmen an seinem Ludwigshafener Standort sogar ein eigenes Atomkraftwerk bauen, aber die Behörden verschärften die Sicherheitsvorschriften, und das Projekt wurde zu teuer. Das ist nur eine Episode aus der wechselvollen Geschichte des Chemieriesen, der vom Jeans-Farbstoff über Magnetband und Styropor bis zu Düngemitteln und Babywindel-Kunststoff zahlreiche Produkte entwickelt hat. Am 6. April vor 150 Jahren wurde sein Grundstein gelegt.

Automobilsektor derzeit wichtigster Kunde

Das Portfolio hat sich in der Zwischenzeit nicht nur kräftig entwickelt, es wurde auch kräftig umgeformt. Die Düngemittel, ab Beginn des 20. Jahrhunderts lange das wichtigste Produkt, gehören seit ein paar Jahren nicht mehr dazu, ebenso das BASF-Magnetband. „Ein Unternehmen ist kein Museum, in das man einmal die Bilder hängt, um sie dann immer wieder zu betrachtet, sondern befindet sich in ständigem Wandel“, sagt Finanzvorstand Hans-Ulrich Engel. Wichtigste Branche derzeit ist für die BASF der Automobilsektor, für den sie unter anderem Katalysatoren, Lacke und Kunststoffe herstellt und dem sie 13 Prozent ihres Umsatzes verdankt. Und in Zukunft?

„Die Mutter aller Trends ist die demografische Entwicklung“, sagt Engel. Die Weltbevölkerung wachse und strebe nach besseren Lebensverhältnissen, etwa nach sauberem Wasser oder besserem Wohnraum. Auch nach mehr Autos, etwa in China und Indien. „Und das ist etwas, woran wir teilhaben wollen.“

So gut wie kein Abfall

Dass das weltweit führende Chemieunternehmen ausgerechnet in Deutschland entstand, führt der Wirtschaftshistoriker Werner Abelshauser unter anderem auf das BASF-eigene Produktionsprinzip des „Verbunds“ zurück. Damit wird ein Netzwerk von Betrieben bezeichnet, die über Produktions- und Energieströme verbunden sind und so Rohstoffe und Kosten sparen. Im Zentrum steht jeweils eine Riesenanlage, in der Rohbenzin mit Wasserdampf unter anderem in die Grundstoffe Ethylen und Propylen zerlegt wird. Allein das Ethylen ist laut BASF Ausgangsstoff für rund 30 Prozent aller Petrochemikalien. Weitere Anlagen verwandeln die Produkte des „Steamcracker“ in Rohstoffe für andere Anlagen.

Die Produktion werde so intelligent organisiert, dass es so gut wie keinen Abfall gebe, sagt IG BCE-Landeschef Francesco Grioli. Mit dem von Ingenieuren perfektionierten System sei es gelungen, die klassischen chemischen Produkte weltweit am billigsten herzustellen, sagt Abelshauser, Herausgeber des Buchs „Die BASF. Eine Unternehmensgeschichte“. Das in Ludwigshafen entwickelte Prinzip wurde ab 1964 exportiert, inzwischen gibt es sechs Verbundstandorte auf drei Kontinenten.

Hinzu kam laut Abelshauser, dass das Unternehmen nicht nur Produkte verkaufte, sondern vor allem das Know-How, was man mit ihnen machen kann. Die Verbund-Idee war bereits angeklungen, als der Leuchtgasfabrikant Friedrich Engelhorn die „Badische Anilin- & Sodafabrik“ 1865 ins Leben rief. Er wollte aus Teer synthetische Farben gewinnen - ein neues und einträgliches Produkt. Aus Kostengründen sollten die Hilfsstoffe gleich im Werk mitproduziert werden. „Die BASF reiht sich ein in die Entstehungsgeschichte einer ganz neuen Generation von Branchen“, sagt Abelshauser. Zu diesen „neuen Industrien“, die ab 1860 zuerst in Deutschland entstehen, zählen neben der Großchemie auch Maschinenbau und Elektrotechnik.

„Der deutsche Weg“

Die Kolonialmacht England, die die Industrialisierung zu einer gewissen Perfektion gebracht hatte, kennt diese Entwicklung nicht. Sie konzentriert sich zu dieser Zeit darauf, überall in der Welt zu investieren - mit ihrer Flotte im Rücken, die die Investments sichert. Die Deutschen wollen auch am Weltmarktboom teilhaben, aber ihnen fehlt die direkte Möglichkeit, im Ausland zu investieren - „sie mussten es über Waren machen, über Produkte machen, die dann auf dem Weltmarkt abgesetzt werden konnten“, erklärt Abelshauser. „Das war sozusagen der deutsche Weg.“

Die „neuen Industrien“ können auch auf die Forschungsergebnisse der deutschen Universitätslandschaft zurückgreifen, die weltweit führend ist. Bald verfolgen sie das Ziel, die Erkenntnisse der Professoren in die Praxis zu übertragen, indem sie große Anlagen bauen, die für den Markt produzieren. Dazu gehört auch der Ansatz, viele Rohstoffe - etwa Ammoniak - synthetisch herzustellen.

Aus Abelshausers Sicht ist das typisch für die „neuen Industrien“: Die Fähigkeit, Neuerungen - auch fachfremder Art - „wie ein Schwamm“ zu absorbieren, hätten die deutschen „Brot-und-Butter-Branchen“ bis heute so erfolgreich gemacht.