LUXEMBURG
MARCUS STÖLB

Buchkritik: „Er ist wieder da“ von Timur Vermes

Schon der Ladenpreis: 19,33 kostet das Buch in Deutschland. 1933 sagt die Kassiererin und stutzt einen Moment. Dann das Cover: Schwarzer Scheitel auf weißem Grund, der Titel des Buches zum Zweifingerbart zusammengestaucht: „Er ist wieder da“, heißt der Roman, der seit Wochen Deutschlands Bestellerlisten anführt. Autor Timur Vermes liefert eine Satire, bei der einem das Lachen mitunter im Halse stecken bleibt.

Auferstehung wider Willen

Die Geschichte ist rasch erzählt, die Handlung mäßig überraschend: Adolf Hitler erwacht im Sommer 2011 auf einer Brache in Berlin-Mitte zu neuem Leben. Die Welt ist nicht mehr die des Frühjahrs 1945, als der Verbrecher seinem Dasein ein Ende setzte. Doch Hitler bleibt sich und seiner Gesinnung auch nach seinem Wiedererwachen treu und versucht sich zurechtzufinden in einem Land, das so gar nichts mehr gemein hat mit seinem längst untergangenen „Tausendjährigen Reich“.

Missverständnis nach Missverständnis

Dennoch gelingt es ihm, eine neue Karriere zu starten - im Privatfernsehen. Seine Fans feiern ihn, weil er sich von den allzu bekannten Comedians abhebt. Niemand will das Monster erkennen, jeder Versuch des wiedererstandenen Hitlers, das Missverständnis aufzulösen, führt nur zu weiteren Missverständnissen - und dazu, dass seine Umwelt ihn mehr denn je als perfekten Hitler-Imitator wahrnimmt.

Scharfe Medien-Satire

Anhand des Hitler-Comebacks als Comedian zeichnet der Autor einige der abstrusen Eigenheiten des heutigen Medienbetriebs treffend nach. So liefert Vermes auch eine Persiflage, die es in sich hat. Denn so absurd die Handlung auch ist, manches Detail erscheint nicht völlig abwegig und an einigen Stellen trifft die Beschreibung die mitunter perversen Mechanismen der Mediengesellschaft auf den Punkt.

„Er ist wieder da“ ist ein komisches Buch, das dem Verbrechen nicht den Schrecken nimmt. Vermes will die Geschichte nicht neu schreiben oder relativieren.

Man lacht laut auf und ertappt sich gleich darauf bei dem Gedanken, ob man lachen durfte. Wer diese Frage verneint, wird das Buch rasch zur Seite legen. Wer sie bejaht, wird deshalb nicht zum Zyniker. Denn dem aufgeklärten und informierten Leser erschließt sich die eigentliche Botschaft Vermes’.
Timur Vermes, Er ist wieder da, Eichborn Verlag 2012, 396 Seiten, 19,33 Euro