ESCH/ALZETTE
CORDELIA CHATON

Das LIST untersucht im Projekt „Coronastep“, ob sich das Coronavirus im Abwasser befindet und wie es sich dort vermehrt

Das „Luxembourg Institute of Science and Technology“ (LIST) untersucht derzeit im Forschungsprojekt „Coronastep“, ob das Coronavirus im Abwasser von zwei Kläranlagen enthalten ist. Seit dem 30. März analysieren fünf Forscher, wie dynamisch sich das Virus verhält. Das Projekt ist aus der gemeinsamen Initiative „Research Luxembourg“ hervorgegangen und wird mit dem „Laboratoire national de santé“ (LNS) sowie der Universität Luxemburg durchgeführt.

Unter der Leitung von Dr. Henry-Michel Cauchie werden Forscher in Dreierteams bis zum Ende der Pandemie an einem Tag in der Woche Analysen in Absprache mit den Betreibern der Kläranlagen durchführen. Warum ausgerechnet Abwasser? „Abwasser gibt uns zu jedem Zeitpunkt ein genaues Bild vom Gesundheitszustand der Bevölkerung“, erklärt Dr. Cauchie. Er leitet die Forschungsgruppe Umweltmikrobiologie und Biotechnologie des LIST und hat sich daher bereits zuvor mit Viren und ihrer Vermehrung beschäftigt.

Die Kläranlagen Beggen und Schifflingen wurden ausgewählt, weil sie das Abwasser von rund 45 Prozent der Bevölkerung behandeln. Die Forscher sind sich sicher, dass das Virus vorhanden sein wird, jedoch in kleinen Dosen. Doch wenn es die Kläranlage verlässt, ist das Coronavirus beseitigt. Die Daten werden mit denen der Con-Vince-Studie abgeglichen, die bei 1.500 Personen im Land die Verbreitung des Virus untersucht. Im besten Fall stimmen die Ergebnisse überein. Langfristig ist es das Ziel von Dr. Cauchie’s Team, das systematische Screening von Abwasser zu verallgemeinern. „So könnten wir beispielsweise vor der Ausbreitung einer Epidemie warnen.“

Coronastep ist nicht das einzige Projekt. Das LIST als größtes Forschungsinstitut Luxemburgs hat im Rahmen der Ausschreibung Covid-19 des Fonds National de la Recherche bislang ein Dutzend Forschungsprojekte eingereicht. Darüber hinaus haben die LIST-Forscher bereits einen Prototyp einer Gesichtsschutzmaske in 3D gedruckt und sind bereit, bei Bedarf hydroalkoholisches Gel herzustellen.