LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Wasser- und Abwasserbilanz der Stadt Luxemburg am Weltwassertag

Die Einwohnerzahl steigt, der Wasserverbrauch sinkt. Auf der anderen Seite wächst die Menge des Abwassers und selbst bei einer ganz neuen Kläranlage steht das Thema Kapazitätserweiterung wieder ganz schnell auf der Tagesordnung. Die Bilanzpressekonferenz der Stadt Luxemburg rund um das Thema Wasser findet alljährlich zum Weltwassertag statt, gestern erläuterten die beiden Schöffinnen Simone Beissel (DP), Infrastruktur, und Viviane Loschetter (déi gréng), Umwelt, die Arbeit des vergangenen Jahres und was in diesem und den nächsten Jahren noch kommen soll.

Bevölkerung wächst, Verbrauch sinkt

Die erstaunlichste Mitteilung war die, dass die Bevölkerung der Hauptstadt innerhalb von zehn Jahren um 39 Prozent gewachsen ist, der Wasserverbrauch aber absolut zurückgegangen ist. Wurden 2007 vom städtischen Wasserwerk noch 8,3 Millionen Kubikmeter Trinkwasser geliefert, waren es 2016 rund 7,5 Millionen Kubikmeter Wasser. Simone Beissel führt das auf drei Faktoren zurück: Auf ein modernisiertes Leitungsnetz, das weniger Lecks hat und in dem man Lecks auch schnell bemerkt und beheben kann, ein weiterer Faktor ist die stark gestiegene Effizienz von Haushaltsgeräten wie Spül- oder Waschmaschinen, die deutlich weniger Wasser verbrauchen als noch vor Jahren, Dritter und entscheidender Faktor sei das veränderte Bewusstsein der Verbraucher gegenüber der ungezügelten Trinkwassernutzung., sagte Beissel. Im Bereich Trinkwasser wurden im letzten Jahr durch die Stadt Luxemburg für Unterhalt und Investitionen 22,5 Mio. Euro ausgegeben. Das Wasserwerk beschäftigt 75 Mitarbeiter.

Nahezu 60 Prozent ihres Trinkwasserbedarfs deckt die Stadt Luxemburg aus eigenen Quellen ab, die aber zum Teil auf den Gemarkungen der Nachbargemeinden liegen. Der Rest des Trinkwassers, etwa 40 Prozent, wird vom großen Trinkwasserversorger SEBES aus dem Stausee beigesteuert. Dessen Anteil ist aber gegenüber 2015 um sechs Prozent zurückgegangen.

Die Stadt investiert in neue Wassertürme genauso wie in neue und effizientere Quellfassungen. Der Wasserturm für das Stadtentwicklungsgebiet Ban de Gasperich ist bereits im Bau und wird laut Beissel Wahrzeichen des neuen Viertels werden. Ein ökologisch und architektonisch anspruchsvoller Wasserturm für das Viertel Kirchberg ist nach erfolgtem Architektenwettbewerb jetzt in der Detailplanung.

Immer wieder Pestizide

Ein Problem bleibt weiterhin die Belastung des Grundwassers mit Pestiziden, dafür muss das Wasser aufwändig über Membranfilter oder via Aktivkohle gereinigt werden. Um dem Problem vorzubeugen, gibt es eine Reihe von Pilotprojekten zur Vermeidung des Pestizideinsatzes im Einzugsbereich der Quellgebiete, wie auf dem Steinseler Plateau oder dem Eicherfeld. Dazu zählt auch ein Projekt zum Anbau von ökologischem Lein (Basis von Leinöl) in einem Quellgebiet. Allerdings bezeichnete Umweltschöffin Viviane Loschetter die notwendigen Gespräche als „mühsam“.

Vorbild dafür ist das so genannte „Münchner Modell“. Die bayerische Metropole hat rund um ihre Quellen alle Ackerflächen aufgekauft und lässt dort nur noch ökologischen Landbau zu. Damit konnte die Belastung des Grundwassers drastisch reduziert werden.

Man macht viel durch

Die Zahlen der in den Kläranlagen Beggen und Bonneweg gereinigten Abwässer sind für das Jahr 2016 schon recht beeindruckend: 15,7 Millionen Kubikmeter. Dazu muss man aber sagen, dass auch die Abwässer aus Bartringen, Strassen, Leudelingen, Roedgen und des westlichen Findels (das Flugfeld entwässert nach Munsbach) in die Anlage in Beggen eingeleitet werden. Die Kläranlage in Bonneweg wird mittelfristig still gelegt, um die Abwasserreinigung in Beggen zu konzentrieren; dort wird bereits über einen weiteren Ausbau nachgedacht.

Unsichtbare Baustelle unter der Stadt

Das Kanalnetz der Stadt Luxemburg umfasst eine Länge von 613 Kilometern. Größtes Bauprojekt ist der zentrale Hauptsammler, der mit einem Durchmesser von zwei Metern mit einer Tunnelbohrmaschine unter der Stadt vorangetrieben wird. Eine andere Aufgabe ist der Bau eines Hauptsammlers in Neudorf, der die vom Kirchberg kommenden Abwässer aufnehmen soll. Wegen der schwierigen Bodenverhältnisse muss die Stadt Luxemburg für die 1.370 Meter lange Leitung 19 Millionen Euro investieren.