LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

Virtueller Rundgang durch die Ausstellung „Afrika – Im Blick der Fotografen“

In diesen komplizierten Zeiten, die ein Virus beherrscht, öffnen sich die Museen der Welt im Internet mit der Möglichkeit, ihre Exponate in virtuellen Rundgängen zu besuchen. So hat sich das Weltkulturerbe Völklinger Hütte dazu entschlossen, die neue Fotoausstellung „Afrika – Im Blick der Fotografen“ digital zugänglich zu machen. Markus Lutz hat einen virtuellen 3D-Rundgang zusammengestellt, der an allen Fotos vorbeiführt. Übrigens geht der aktuelle Generaldirektor Prof. Dr. Meinrad Maria Grewenig am 1. Mai in Rente und wird durch Dr. Ralf Beil ersetzt. Der in Japan geborene Kunsthistoriker Beil war unter anderem Direktor des Instituts Mathildenhöhe Darmstadt, des Kunstmuseums Wolfsburg oder Kurator für eine Reihe Ausstellungen in der Schweiz und Deutschland.

Geschichtenerzähler

Die von Kurator Frank Krämer zusammengestellte Ausstellung „Afrika – Im Blick der Fotografen“, die unter der Schirmherrschaft von Bundesentwicklungsminister Gerd Müller steht, sollte eigentlich für das Publikum in der Möllerhalle geöffnet sein. Doch das verhinderte das Coronavirus. Krämer erklärt, dass viele Fotos Geschichten erzählen. Die ausgewählten 43 Fotos der afrikanischen Fotografen Omar Victor Diop, Osborne Macharia, Fabrice Monteiro, Alice Mann, Ilan Godfrey, Kibuuka Mukisa Oscar, Léonard Pongo, Fethi Sahraoui und Yoriyas sind entweder Straßenfotos, Studio-Porträts oder dokumentarische Bilder, unter anderem vom Bergbau. In ihnen spiegeln sich ebenfalls Urban Art und Pop-Kultur wider.

Im Stil von Google Street View kann man sich mithilfe der Pfeiltasten und Maus durch die Möllerhalle bewegen und bei den Fotos haltmachen. Die Informationen dazu bekommt man per Klick auf den blau-weißen Punkt in deutscher, englischer oder französischer Sprache. Die Biografien zu den Künstlern erhält man auf den rot-weißen Kreisen. Diese Informationen werden in einigen Fällen durch kleine Filme ergänzt. Einzig die Fotos vom senegalesischen Fotograf Omar Victor Diop waren bei der Herstellung des 3D-Spaziergangs noch nicht aufgehängt, werden aber mit dem Klick auf den entsprechenden Kreis eingeblendet. Zu sehen sind Studio-Porträts, die er im Rahmen der Serie „The Studio of Vanities“ realisierte.

Traditionen und aktuelle Probleme

„Stadiumphilia“ ist eine Serie von schwarz-weißen Fotos von Fußballanhängern, die der Algerier Fethi Sahraoui knipste. Die ebenfalls schwarz-weißen Fotos von Kibuuka Mukisa Oscar zeigen Breakdancer in der ugandischen Stadt Mbuya. Leicht traditionsbewusst sind die Bilder vom Kenianer Osborne Macharia. Eines erzählt die Geschichte von Kräutermännern und Tierbeschwörern. Ein anderes zeigt einen Mann vom Stamm der Kikuyu. Er trägt eine futuristische Brille. Macharia wurde 2018 von Marvel beauftragt, den Film „Black Panther“ mit einer Serie futuristischer Fotos zu promoten. Er nannte diese Reihe „Ilgelunot“ (Die Auserwählten), von der zwei Fotos in Völklingen ausgestellt sind: „Koinet“ und „Kokan“. Fabrice Monteiro zeigt mit seinen Bildern, die einen futuristischen Touch haben, dass die Umweltverschmutzung ein Thema im Senegal ist, aber sich niemand drum kümmert. Der Südafrikaner Ilan Godfrey hat sich eher dem Bergbau und seinen Arbeitern verschrieben.

Die Bilder kann man durch Scrollen vergrößern. Leider spiegelt sich das Licht in verschiedenen wider. Interessant ist dieser 3D-Rundgang, auch wenn man vor dem Computerschirm das Flair der einstigen Industriestätte nicht mitbekommt und nicht richtig realisieren kann, wie gut sich diese modernen Fotografien den alten Mauern anpassen.

Auf der Internetseite www.voelklinger-huette.org. kann man via den Link „#Wir bleiben zu Hause“ weitere virtuelle Spaziergänge unternehmen, zum Beispiel auf die Aufsichtsplattform in 45 Metern Höhe oder über die Gichtbühne. Das Weltkulturerbe betreibt ebenfalls den YouTube-Kanal „Industrial-Culture-TV“, wo man sich etliche Filme über die einzigartige Stätte in Völklingen anschauen kann. Über Facebook und Instagram postet die Völklinger Hütte täglich Informationen zu den Ausstellungen. Ob nun die neue Ausstellung „Mon Trésor - Europas Schatz im Saarland“ im September eröffnen kann, ist fraglich und wird zu einem späteren Zeitpunkt entschieden.