LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

Die Grundlagen für die Erstellung des „PIBienêtre“ sind gelegt

Wie messe ich das Wohlbefinden einer ganzen Gesellschaft? Dass der Reichtumsindikator Bruttoinlandsprodukt pro Kopf dazu längst nicht ausreicht, liegt auf der Hand. Wirtschaftswissenschaftler und Soziologen zerbrechen sich seit Jahren den Kopf darüber, welche Messlatten anzusetzen sind. Ein umso schwierigeres Unterfangen, da das Wohlbefinden an sich nicht absolut definiert werden kann.

63 Indikatoren

Auf jeden Fall müssen objektive Parameter wie etwa das verfügbare Einkommen, die Ausstattung der Wohnung oder die wöchentliche Freizeit durch subjektive, wie etwa das Gesundheitsempfinden, der gefühlte Arbeitsstress oder die Zufriedenheit mit der Lebenssituation ergänzt werden.

Das Prinzip zur Erstellung eines „PIBienêtre“ wurde in der Regierungserklärung vom August 2009 fest gehalten. Im April 2010 wurden der Wirtschafts- und Sozialrat (CES) und der Nachhaltigkeitsrat (CSDD) mit der Ausarbeitung eines entsprechenden Indikatorensystems beauftragt. Gestern stellte die gemeinsame Arbeitsgruppe zum „PIBienêtre“ ihr Abschlussgutachten fest, das nach einer ganzen Reihe von technischen Sitzungen und Seminaren mit verschiedenen Akteuren der Zivilgesellschaft erstellt wurde.

„Entscheidungshilfe für Regierung und Sozialpartner“

Festgehalten wurden insgesamt 63 Indikatoren in elf Kategorien - Einkommen, Beschäftigung, Wohnung, Gesundheit, Ausgleich zwischen Berufs- und Privatleben, Bildung und Kompetenzen, soziale Vernetzung, Bürgerbeteiligung, Umwelt, Sicherheit und persönliches Wohlbefinden.

„Es soll eine Entscheidungshilfe für Regierung und Sozialpartner werden“, unterstrich Francis Schartz, der Vorsitzende des CSDD. Wobei die Indikatoren, die alle zwei Jahre aktualisiert werden sollen, ständig auf ihre Zuverlässigkeit hin geprüft werden müssten. Allerdings soll sich das Projekt „PIBienêtre“ nicht nur auf die Erstellung von Zahlenmaterial begrenzen: Die Diskussion darüber soll ebenfalls von CES und CSDD angespornt werden.

„Wir stehen erst am Anfang einer Aufgabe“, sagte CES-Präsident Gary Kneip, „wir haben erst die Grundlagen geschaffen“. Statec-Direktor Serge Allegrezza wies darauf hin, dass zwar einige Indikatoren bereits auf Basis des verfügbaren Zahlenmaterials erstellt werden könnten, für Umfragen bei den Haushalten etwa über deren gefühltes Wohlbefinden oder ihre Zeiteinteilung, aber zusätzliche Mittel zur Verfügung stehen müssten.

Kneip - der ebenfalls Mitglied der Arbeitsgruppe „Wirtschaft“ im Rahmen der Koalitionsverhandlungen ist, zeigte sich zuversichtlich: Das „PIBienêtre“ werde ganz sicher einen Platz im kommenden Koalitionsabkommen haben. Die Mittel für die Erstellung der Indikatoren dürften indes „kein größeres Problem“ darstellen.


Mehr über den „PIBienêtre“: www.ces.public.lu