LUXEMBURG
NIC. DICKEN

Es stimmt schon, dass der Mensch manchmal zu seinem Glück gezwungen werden muss. Gerade aus Not- und Zwangslagen ergeben sich bisweilen Erfahrungen und Chancen, über die man sich im Nachhinein nur freuen kann. Aus der Not eine Tugend machen, das war auch ein bisschen der Vorsatz, den sich Mittel- und Tourismusminister Lex Delles im Verein mit seinen Regierungskolleg*innen genommen hatte, um einerseits den aus jäh verflogenen Träumen von entlegenen Urlaubsreisen erwachten Bürgern eine näher liegende Alternative innerhalb der Landesgrenzen zu bieten, andererseits aber auch den heimischen Beherbergungs- und Camping-Betrieben den durch das Wegbleiben der ausländischen Kundschaft entstandenen Ausfall zu kompensieren. 

Wie in einer ersten Zwischenbilanz festgestellt werden konnte, hat sich das Unterfangen doppelt gelohnt.

Im Gespräch mit Hoteliers hört man Genugtuung und Dankbarkeit heraus, dass die zu Ende gehende Sommersaison doch nicht so katastrophal ausgefallen ist, wie infolge der Corona-Auswirkungen schon befürchtet werden musste. Andererseits haben die Beherbergungsbetriebe auf Seiten ihrer (zum Teil) neuen einheimischen Kundschaft eine gewisse Begeisterung für den Kurzurlaub im eigenen Land feststellen können, der sie auch für die Zukunft hoffen lässt.

Für die inländischen Touristen war die Initiative für den Ferienaufenthalt im eigenen Land eine positive Erfahrung. Nicht nur konnte man sich von der Gastlichkeit und dem durchwegs hohen Komfort der in den ländlichen Regionen angesiedelten Hotelbetriebe überzeugen, sondern viele entdeckten auch zum ersten Mal Orte und Ansichten einer gar nicht so weit entfernten Urlaubsregion, deren natürliche Schönheit und Vielfalt sich denn auch erst bei näherem Hinsehen erschloss.

Ja, es gibt eine ganze Menge touristischer Hotspots im kleinen Luxemburg, aber auch etwas abseits findet man immer wieder neue Aus- und Ansichten, die denen benachbarter ausländischer Urlaubsgegenden in nichts nachstehen. Ob auf Schusters Rappen, per Veloziped oder auch im schnöden Auto unterwegs, man begegnet atemberaubenden Landschaften, durchquert lebendige, gepflegte Dörfer wo früher, vor mehreren Jahrzehnten noch, eher ärmliche Häuseransammlungen mit teils exotischem Klang zu finden waren.

Tourismus in Luxemburg ist mehr als eine Verlegenheits- oder willfährige Ersatzlösung für entgangenen Fernurlaub. Zugegeben, unser Meer ist nicht ganz so blau und sandig wie das fremder Küsten, unsere Berge nicht ganz so hoch wie in den Alpen oder Pyrenäen, aber Gastlichkeit, Bequemlichkeit und Freundlichkeit bei den Gastgebern lassen genau so wenige Wünsche offen.

Und man sollte sich auch nicht täuschen lassen: Luxemburg wird man trotz seiner geringen Ausmaße nicht an einem einzigen Wochenende ganz entdecken können, dazu bedarf es dann schon mehrerer Anläufe, und nicht nur Corona als Anlass. Und auch der Herbst hat seine eigenen Reize.