LUXEMBURG
PASCAL STEINWACHS

Generalvikar bezieht Stellung zur Abschaffung der Kirchenfabriken

Nachdem die Abgeordnetenkammer am Mittwochnachmittag mit der Abschaffung der Kirchenfabriken nach über vierstündigen, teilweise sehr heftigen Debatten mit 34 Ja- gegen 26 Nein-Stimmen den letzten Akt in der Trennung von Kirche und Staat vollzog (vorher waren bereits die Finanzierung der Glaubensgemeinschaften neu geregelt und der Religionsunterricht abgeschafft worden), lud das Erzbistum gestern zu einer Pressekonferenz ein, um noch einmal seine Sicht der Dinge darzulegen und zu erläutern, wie es denn nun weitergeht.

Abgesicherte Langzeitperspektive für 234 Kirchen

Wie Generalvikar Leo Wagener unterstrich, würden von den 490 Kirchen, die es im Land gibt, deren 356 in den Besitz der Gemeinden überführt, was einem Anteil von 73 Prozent entspreche, wobei aber hundert von diesen 356 Kirchen auf der sogenannten Annexe III des Gesetzes stehen würden, also der Liste, die die katholische Kirche für die Pastorale für unentbehrlich erachte.

134 Kirchen gehen indes an den Kirchenfonds, so dass die katholische Kirche langfristig 234 der 490 Kirchen für ihren Kult nutzen könne, so ein ob der abgesicherten Langzeitperspektive für demnach fast die Hälfte der Kirchen durchaus zufriedener Generalvikar.

Was nun den innerkirchlichen Streit mit dem Dachverband der Kirchenfabriken (Syfel) anbelangt, so wies Leo Wagener darauf hin, dass sich von den 285 Kirchenfabriken zwar deren 118 der Klage des Syfel angeschlossen hätten, was aber gleichzeitig auch bedeute, dass eine deutliche Mehrheit von 167 Kirchenfabriken keine gerichtlichen Schritte eingeleitet hätte. Das mache den Streit zwar nicht weniger peinlich, sei aber eine Wahrheit, die oft ausgeblendet werde.

In diesem Zusammenhang erinnerte Generalvikar dann auch daran, dass das Bistum im Dossier Kirchenfabriken sämtliche Schritte mit der Apostolischen Nuntiatur in Brüssel abgesprochen habe, und auch der Heilige Stuhl über sein Staatssekretariat über alles informiert worden sei. Rom stehe dann auch hinter dem Bistum, so Leo Wagener.

Auch hatte der Generalvikar eingangs der Pressekonferenz extra hervorgehoben, dass die Türen des neuen Kirchenfonds „grouss op“ stehen würden, und zwar für alle jetzigen Kirchenratsmitglieder, die konstruktiv, loyal und nach vorne gerichtet dazu beitragen wollen, dass die katholische Kirche auf Niveau der Pfarreien als Kultusgemeinschaft leben könne.

Erny Gillen geht nicht zum Fonds

Am Mittwoch sei in der Abgeordnetenkammer zwar ein Dekret aus dem 19. Jahrhundert abgeschafft, aber es seien „keine Kirchen und keine Freiwilligen abgeschafft“ worden. Wenn in der Vergangenheit viele finanzielle Mittel aus
der kommunalen Kasse gekommen seien, so könne in Zukunft aber nicht mehr in diesem Maße auf diese zurückgegriffen werden, wobei es einen sicheren Kult aber nur mit einem sicheren Patrimonium gebe.

Wer also das Patrimonium aus dem Kirchenfonds unnötig weggebe, so der Generalvikar, der hypothekiere die Zukunft des katholischen Kults. Bei diesem Punkt werde das Bistum wachsam sein und, wenn nötig, jeden an seine Verantwortung und an die gesetzlichen Bestimmungen erinnern. So sei eine effiziente, transparente und solidarische Verwaltung des Patrimoniums des Kirchenfonds dann auch unerlässlich.

Die dezentralen Verwaltungsstrukturen sollen in Zukunft in allen der - nach der Territorialreform der Kirche nur noch - 33 Pfarreien des Landes in Form eines „Conseil de Gestion“ funktionieren, der sich aus Vertretern der 102 neuen kommunalen Kirchenfabriken zusammensetzen soll, die sich im Laufe der nächsten Monate bilden. Dieser „Conseil de Gestion“ werde auf Ebene der Pfarreien das lokale Gesicht des Kirchenfonds, dessen Verwaltungsrat der ehemalige Generalvikar Erny Gillen entgegen anderslautender Gerüchte jedoch nicht angehören wird, wie Leo Wagener mit Nachdruck unterstrich.

In einer ersten Phase werde es ein Übergangsregime beim Fonds geben, so dass die Änderungen nicht abrupt, sondern in Etappen geschehen würden. Auch würden die festangestellten Leute bei den Kirchenfabriken vom neuen Fonds übernommen werden, so dass sich diese keine Sorgen um ihre Zukunft machen müssten, wie Leo Wagener weiter hervorhob. Der Generalvikar hofft nun, dass Kirche, Staat und Gemeinden die Chance ergreifen werden, konstruktiv und pragmatisch zusammenzuarbeiten.

Von keiner Sachkenntnis getrübt

Geplant sind indes auch drei Informationsversammlungen für die Mitglieder der Kirchenfabriken. Nach diesen Versammlungen will Leo Wagener dann eine Delegation des Syfel zu einem Gespräch ins Bistum einladen.

In seinem persönlichen Namen zeigte sich der Generalvikar zum Schluss der Pressekonferenz jedoch verwundert, wie verschiedene Gemeinde- und Landespolitiker, aber auch Kirchenratsmitglieder und Leserbriefschreiber sich in dieser Debatte „schwéier an d‘Broscht gehäit“ hätten, ohne von der geringsten Sachkenntnis getrübt gewesen zu sein. So sei es dann auch nicht verwunderlich, dass verschiedene Entscheidungen aufgrund einer offenkundigen Ignoranz in diesem Dossier getroffen worden seien...