LUXEMBURG
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Kongress der Briefträgergewerkschaft: Besorgnis über Post-Strategie

Sie hätte sich mehr Politiker bei ihrem Nationalkongress gewünscht, die „Bréifdréieschgewerkschaft“, die am Samstagnachmittag lediglich den LSAP-Abgeordneten Yves Cruchten und den CSV-Europawahlkandidaten und Rosporter Bürgermeister Romain Osweiler im Kulturzentrum in Walferdingen begrüßen konnte. Osweiler ist übrigens gelernter Briefträger, „und der erste, der für eine Partei in die Europawahlen zieht“, wie sich Gewerkschaftspräsident Raymond Juchem freute.

Er war 2015 die Nachfolge des langjährigen Vorsitzenden Eugène Kirsch angetreten und wurde vom Kongress, der auch über ein neues Exekutivkomitee zu befinden hatte, einstimmig als Präsident bestätigt. Juchem bilanzierte vier Jahre intensiver Arbeit, während der nicht weniger als 1.400 Versammlungen im Interesse der Gewerkschaftsmitglieder anstanden, bei denen man sich gegen Verschlechterungen bei den Arbeitsbedingungen gewehrt und einige Verbesserungen erreicht habe.

Lohnaufbesserung für „neue“ Briefträger

Man werde den Druck aufrecht erhalten, damit die Löhne der Briefträger, die nicht im Beamtenstatut verankert sind, beim nächsten Kollektivvertrag aufgebessert werden.

„Ihre katastrophal niedrigen Löhne führen dazu, dass die Post Probleme hat, genügend Personal für einen Beruf zu finden, der oft schwierig ist und leider unterschätzt wird“, sagte Juchem, der dafür plädiert, wieder Briefträger über die Armee zu rekrutieren - natürlich zu attraktiven Lohnbedingungen.

Gutes und ordentliches Personal sei im Endeffekt ein zentraler Faktor bei der Service-Qualität, die durch Entscheidungen der Post-Direktion gemindert worden sei. Auch Wirtschafts- und Postminister Etienne Schneider (LSAP) unterschätze die Dringlichkeit der Lage. In parlamentarischen Fragen zu behaupten, dass die Post die tägliche Briefverteilung gewährleisten würde, ohne sich dafür zu interessieren dass die Briefträger tausende Überstunden und tausende doppelte Verteilungsrunden fahren, könne nicht angehen.

„Lebt Herr Schneider eventuell auf dem Mond, nur weil er Space Mining-Minister ist?“, fragte Juchem. Überbelastung gebe es auch in der Post-Logistik, die mit einer zunehmenden Flut von Paketen konfrontiert sei, die meist manuell zu sortieren sei. Zur Strategie, die Post wieder bis 2022/2023 profitabel aufzustellen, stellte Juchem die Frage, weshalb ein Staatsunternehmen, das im öffentlichen Interesse arbeitet, soviel Profit wie möglich machen muss. Auch wenn die Digitalisierung ein immer größeres Thema wird, würden auch künftig noch zuverlässige Briefträger gebraucht. Aber: „De Bréifdréier ass kee Superman!“ und müsse angemessene Arbeitsbedingungen vorfinden. Die Direktion müsse so ein offenes Ohr für die Mitarbeiter haben, die den Job täglich erledigen. „Mein persönlicher Wunsch wäre, dass wir im Rahmen der neuen Strategie wieder dorthin zurück finden, dass das Personal sich wieder mit seinem Unternehmen identifiziert. Gegenüber der Konkurrenz war das immer unsere Stärke“. Die „Bréifdréieschgewerkschaft“ arbeitet übrigens auch an einer Statutenreform, die bald Thema eines außerordentlichen Kongresses sein wird.