ESSEN/LUXEMBURG
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Luxemburger Fonds der russischen Alfa-Gruppe darf RWE-Tochter doch kaufen

Nach dem geplatzten Deal zwischen dem russischen Gazprom -Konzern und dem weltgrößten Chemiekonzern BASF im Dezember stand auch der von RWE geplante Verkaufs der Öl- und Gasfördertochter Dea an einen russischen Investor auf der Kippe.

Die britische Regierung hatte wegen der politischen Sanktionen gegen Russland dieses Geschäft blockiert.

Für fünf Milliarden Euro soll nun das Unternehmen doch an die luxemburgische Holding LetterOne des russischen Oligarchen Michail Fridman gehen, wie RWE gestern mitteilte. LetterOne will sich nun aber verpflichten, das britische Dea-Geschäft für mehrere Jahre getrennt von den restlichen RWE Dea-Aktivitäten zu führen.

„Die Parteien gehen davon aus, dass mit der gewählten Konstruktion den Sorgen der britischen Regierung Rechnung getragen wurde“, sagte ein RWE-Sprecher.

Auch im Fall, dass Dea unter LetterOne am Ende seine Förderlizenzen für britische Ölfelder verlieren sollte, bleibe der Deal bestehen. Gegen eine weitere Abkühlung des Verhältnisses zwischen Russland und dem Westen hat sich LetterOne aber abgesichert: Sollten Sanktionen gegen die Gruppe oder ihre Eigner verhängt werden, müsste RWE innerhalb des ersten Jahres nach dem Geschäft die britischen Dea-Aktivitäten zurück erwerben. RWE und die in Luxemburg ansässige und von der russischen Alfa Group kontrollierte Holding hätten sich darauf verständigt, den Verkauf „bis spätestens Anfang März“ umzusetzen. Wie der Vorsitzender der LetterOne-Gruppe, Michail Fridman, erklärt, ist die Dea-Transaktion strategisch bedeutsam LetterOne, weil sie als Plattform für weiteres Wachstum in der Industrie dienen werde.

Das deutsche Wirtschaftsministerium hatte im Juni eine Prüfung des Geschäfts eingeleitet, um festzustellen, ob dadurch „die öffentliche Ordnung und Sicherheit Deutschlands“ gefährdet werde.

Im August hieß es dann aus Berlin, es gebe keine Einwände, weil der Käufer LetterOne seinen Firmensitz in der EU hat. Insgesamt mussten alle 14 Länder, in denen Dea Erkundungslizenzen für Öl oder Gas hat, der Transaktion zustimmen.

Der mit rund 31 Milliarden Euro hoch verschuldeten RWE-Konzern erhält durch den Verkauf nötige Mittel für seine Sanierung. In dem Kaufpreis sind nach RWE-Angaben 600 Millionen Euro Schulden enthalten. Der Konzern zitiert dazu in seiner Pressemitteilung den Vorstandsvorsitzenden der RWE AG Peter Terium: „Die wirtschaftlichen Parameter sind attraktiv.

Der Verkauf der Dea ist daher ein wesentlicher Meilenstein in der Umsetzung unserer Strategie und zur Verbesserung unserer Finanzkraft. Wir sind auf dem richtigen Weg!“

Die Anleger feierten denn auch gestern den Dea-Verkauf mit einem Kurssprung der RWE-Aktie von zeitweise mehr als sieben Prozent.