LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

Entführungsprozess: „Prinz“ soll 20 Jahre, „Sicherheitschef“ 24 Jahre in Haft

Am Mittwoch hielt die Anklagevertreterin im Geiselprozess ihr Plädoyer. Mit langen Haftstrafen müssen zwei Männer rechnen, die sich vor der 13. Straf- und Kriminalkammer des Bezirksgerichts Luxemburg als Hauptbeschuldigte zu verantworten haben. „Les victimes sont meurtris à vie“, sagte die Vertreterin der Staatsanwaltschaft. Gefährliche Körperverletzung, gemeinschaftliche Geiselnahme, Freiheitsberaubung, räuberische Erpressung, gemeinschaftlicher Raub, Mitgliedschaft einer kriminellen Organisation, Geldwäsche und Verstoß gegen das Waffengesetz lauten die Tatvorwürfe. Die Staatsanwaltschaft sah es als erwiesen an, dass Redda B. der Kopf der Bande ist und er zusammen mit Ali A. den Direktor einer Treuhandgesellschaft Michel T. in seinem Haus in Eich am 12. Dezember 2012 überwältigt hatte. „Il existe clairement une hiérarchie“, sagte die Anklägerin.

Bei dem Überfall hatten die Gangster einmal 140.000 Euro, plus 12.500 Euro erbeutet. Die Staatsanwaltschaft sah es weiter als erwiesen an, dass B. und A. in der Treuhandgesellschaft am 13. Dezember die Opfer überwältigten und sie zu Geiseln machten. Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft forderte in ihrem Plädoyer 24 Jahre für den Wiederholungstäter B. Der Mittäter A. soll nach Angaben der Staatsanwaltschaft für 20 Jahre hinter Gitter.

Auch die „kriminelle Organisation“ sei bewiesen, so die Anklagevertreterin

Zur Persönlichkeit von B. sagte die Anklägerin: „Il est un bon narrateur. Un show-man avec beaucoup d‘éloquence.“ Die Vertreterin sprach von einer narzisstischen Persönlichkeit.

Zwei weitere Männer sind wegen Hehlerei angeklagt. Mohamed F. und Daniel V. hatten die Beute abgesetzt. Die Gesamtsumme: 1,5 Millionen Euro. Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft forderte für Mohamed F. und Daniel V. Freiheitsstrafen von jeweils zwölf Jahren.

B. hatte sich als Sicherheitschef eines kuwaitischen Prinzen bei dem Direktor ausgegeben und mit ihm abgemacht, dass sein Arbeitgeber für zehn Millionen Luxusuhren kaufen und rund drei Milliarden Dollar in verschiedene Firmen in Luxemburg investieren wollte. Als rechte Hand des Prinzen war B. für sämtliche organisatorischen Angelegenheiten verantwortlich. Er hatte den Direktor im Hotel Georges V in Paris empfangen, Telefonate mit ihm entgegengenommen und den Deal eingefädelt. Die Idee mit dem kuwaitischen Prinzen sei alleine auf seinem Mist gewachsen, gab B. vor Gericht zu Protokoll. Die Prinzenrolle spielte sein Komplize A., von dem B. sagte, er habe großes Vertrauen in ihn.

Zwei Geiselnahmen

Am 12. Dezember 2012 tauchten beide im Hause des Direktors in Eich auf. Nach einem kurzen Gespräch überwältigten sie den Direktor und fesselten ihn. Der Direktor konnte sich aber kurz aus der Gefangenschaft befreien, wollte fliehen. Er wurde aber mit einer Hantel niedergeschlagen. Untersuchungen ergaben, dass das Opfer am rechten Ohr verletzt war und mehrere Rippen gebrochen hatte.

Parallel zum blutigen Geiseldrama musste der verletzte Direktor acht Uhrenhändler zu einem Treffen im Gebäude einer Treuhandgesellschaft einladen, wo es am 13. Dezember 2012 gegen 14.30 zu einer weiteren Geiselnahme kam. Dort hielten die Gangster mit zwei Spielzeug-Pistolen insgesamt zehn Geiseln, darunter eine Frau, in Schach. Die Geiseln wurden bedroht, ausgeraubt, gefesselt und in den Keller gesperrt. Die Gangster hatten einer Geisel eine Sprengstoffweste angezogen, bevor sie den Mann zwangen, mit nach Paris zu kommen, wo sie ihn laufen ließen. In ihrem letzten Wort bedauerten die zwei Hauptangeklagten, was sie getan hatten und entschuldigten sich bei den Opfern.

Das Urteil ist für den 8. Januar 2020 vorgesehen.