SCHIEREN
ANOUK SEYLER

Von „Salon Fernande“ zu „Ladies & Gents“ - Wie Jasmine Waldbillig den Friseursalon ihrer Mutter übernahm

Im Friseursalon von Jasmine Waldbillig herrscht eine Wohlfühlatmosphäre. Dazu tragen nicht nur die warmen und entspannenden Farben bei, sondern vor allem auch die Freundlichkeit der Besitzerin, die uns an diesem Montagnachmittag empfängt. Die 24-Jährige hat vor rund zwei Jahren den Friseursalon ihrer Mutter in Schieren übernommen. Wie sie die Übernahme gemeistert hat, welche Herausforderungen auf sie zugekommen sind und wie es ihr heute geht, hat sie uns erzählt.

Wie bist Du zu dem Beruf Friseurin gekommen?

Jasmine Waldbillig Ich bin sozusagen im Friseursalon aufgewachsen, denn meine Mutter und meine Großmutter waren ebenfalls Friseurinnen. Von klein auf habe ich im Salon, beispielsweise beim Ausdrehen von Lockenwicklern, mitgeholfen. Der Beruf liegt also in der Familie und ich bin in die Fußstapfen meiner Mutter getreten. Ich wurde aber keineswegs zu dieser Entscheidung gedrängt, sondern ich hatte von Anfang an die freie Wahl, den Beruf auszuüben, der mir Spaß macht.

Wie war das vor zwei Jahren für Dich, als Du plötzlich selbst Inhaberin des Friseursalons wurdest?

Waldbillig Meine Mutter war damals bereit, den Ruhestand anzutreten und es war von Anfang an klar, dass ich nach Abschluss der Meisterprüfung den Friseursalon übernehmen werde. Für mich war das überhaupt nicht schlimm, im Gegenteil, ich habe mich gefreut, da ich wusste, dass meine Mutter mir mit Rat und Tat zur Seite stehen würde. Da ich ja schon vorher im Salon tätig war, Entscheidungen treffen durfte und den Kontakt mit den Kunden gewohnt war, wurde ich nicht ins kalte Wasser geworfen. Trotzdem war es eine neue Herausforderung, da ich plötzlich alles selbst verwalten musste.

Wurdest Du von öffentlichen Einrichtungen wie beispielsweise der Handwerkskammer unterstützt?

Waldbillig In den Unterrichtsstunden der Meisterprüfung bekam ich grundlegende Informationen zur Betriebsführung mit auf den Weg. Die Handwerkskammer hat mich dann später unter anderem beim Einholen von Genehmigungen unterstützt. Die „Société Nationale de Crédit et d’Investissement“ (SNCI) hat mir den Kredit ermöglicht. Da eine solche Existenzgründung ja immer mit großen Investitionen verbunden ist, bekommt man ebenfalls noch eine finanzielle Unterstützung vom Staat.

Hat sich am Konzept des Friseursalons etwas geändert?

Waldbillig Der Friseursalon wurde komplett umgebaut und renoviert. Die Raumgestaltung mit Naturfarben, die Holzoptik und Entspannungsmusik schaffen eine entspannte Atmosphäre, in der sich der Kunde wohlfühlen soll. Aus diesem Grund habe ich mich auch bewusst gegen eine Wanduhr entschieden. Da ich die moderne Einrichtung selbst wählen konnte und somit alles neu war, bekam ich mehr das Gefühl, nun etwas Eigenes zu besitzen. Eine weitere grundlegende Veränderung gab es beim Namen des Friseursalons, da ich eine Sàrl gegründet habe. Aus „Salon Fernande“ wurde „Ladies & Gents“.

Wie sieht es mit der Konkurrenz aus?

Waldbillig Drei Friseursalons in so einem kleinen Dorf: das hört sich zunächst schwierig an, doch Probleme mit der Konkurrenz gibt es eigentlich keine. Wie sagt man so schön: die Konkurrenz belebt das Geschäft. Meine Kundschaft besteht zu einem großen Teil aus Stammkunden, doch auch neue Kunden kann ich gelegentlich durch den Zuwachs der Bevölkerung in Schieren hinzugewinnen.

Arbeitest Du alleine oder hast Du einige Angestellte?

Waldbillig Ich habe zurzeit eine Auszubildende. Ob ich in Zukunft weiter nur mit Auszubildenden arbeiten oder eine Friseurin einstellen werde, wird sich mit der Zeit zeigen. Ich finde es wichtig die angehenden Friseurinnen und Friseure zu unterstützen. Es geht nicht nur ums Zuschauen, sondern ich habe in meinem kleinen Salon die Möglichkeit, ihnen viel zu zeigen, das sie dann auch sofort anwenden können.
Bleibt Dir neben diesem Vollzeitjob auch noch etwas Freizeit?

Waldbillig Es ist definitiv mehr als ein Vollzeitjob, denn nach dem letzen Kunden kann ich nicht einfach die Tür abschließen und nach Hause gehen. Abends muss beispielsweise noch abgerechnet, Rechnungen überwiesen und Bestellungen gemacht werden. Man ist schon gefordert, doch da ich den Job gerne ausübe, macht es mir nichts aus. Für meine Hobbies, Musik und Basketball, bleibt ebenfalls noch Zeit. Hier will ich jedoch betonen, dass die richtige Zeiteinteilung wichtig ist und dass die Arbeit bei mir immer Vorrang hat.

Wie sieht die Zusammenarbeit mit Deiner Mutter aus?

Waldbillig Im Salon arbeitet meine Mutter nicht mehr und sie schaut mir auch nicht ständig über die Schulter. Sie kommt nur manchmal vorbei, um sich mit Stammkunden zu unterhalten. Ich habe ein sehr freundschaftliches Verhältnis zu ihr. Ich weiß, dass ich ihr vertrauen und sie immer um Rat fragen kann.

Das Interesse an Handwerksberufen nimmt ja allgemein ab. Wie stehst Du zu diesem Phänomen?

Waldbillig Ich glaube nicht, dass das Interesse wirklich abnimmt, sondern eher die Angebote in den Schulen. Die Kinder und Jugendlichen werden heutzutage nicht mehr genügend über die unterschiedlichen Handwerksberufe informiert und die richtige „Arbeit mit den Händen“ wird nicht genug gefördert. Jemand der nicht zufällig in einem Handwerksberuf aufwächst, bekommt eher wenig Möglichkeiten, die verschiedenen Arbeitsbereiche richtig kennenzulernen. Dieses Problem kann zu einem großen Mangel an Handwerkern auf dem Arbeitsmarkt führen. Der Lohn und das Arbeitspensum schrecken möglicherweise ebenfalls viele jungen Leute ab.

Hast Du Deine Entscheidung selbstständige Friseurin zu werden schon einmal bereut?

Waldbillig Nein, auf keinen Fall habe ich diese Entscheidung bereut.

Die Selbstständigkeit hat die Vorteile, dass man Entscheidungen selbst treffen und seine eigenen Ideen durchsetzen kann. Durch meine Arbeit kann ich anderen Menschen eine Freude bereiten. Wenn ich sehe, dass meine Kunden glücklich sind, das ist das Schönste was sie mir zurückgeben können.

Hast Du zum Abschluss noch einige Tipps für die jungen Leute, die sich selbstständig machen wollen?

Waldbillig Eine Voraussetzung für die Gründung eines eigenen Betriebes ist zuallererst der erfolgreiche Abschluss der Meisterprüfung. Man bekommt während der Ausbildung schon viel mit auf den Weg, trotzdem sollte man genügend Erfahrungen im Berufsleben zu sammeln. Das Allerwichtigste ist, dass der Beruf einem Freude bereitet, denn so erscheint einem fast keine Arbeit zu schwer, man muss sich jedoch gut einteilen können. Jeder soll sich bewusst sein, was auf einen zukommt. Manchmal muss man auch das Risiko auf sich nehmen, um etwas Neues zu probieren.