Nach interner Analyse, kann Losch Import erstmalig die tatsächliche Anzahl der Volkswagen-Fahrzeuge identifizieren, die mit der Abgas-Schummel-Software ausgerüstet sind.
Unterdessen hat die die Führung des VW-Konzerns am Donnerstag mit einem Aufruf zu Demut, Veränderungswillen und Durchhaltevermögen ihre Top-Manager auf die Bewältigung des Abgas-Skandals eingeschworen.
Die Auswertung von Losch Import, mit Unterstützung der luxemburgischen Behörden, ergab, dass in Luxemburg 34.218 Fahrzeuge der Modelljahre 2008-2015 betroffen sind.
Es handelt sich um 18.219 Fahrzeuge der Marken Volkswagen und Volkswagen Nutzfahrzeuge, 9.823 Fahrzeuge der Marke Audi, 3.570 Fahrzeuge der Marke ŠKODA und 2.606 Fahrzeuge der Marke SEAT.
Die betroffenen Fahrzeuge sind ausschließlich mit Dieselmotoren des Typs EA 189 ausgestattet.Die aktuell in der Europäischen Union angebotenen Neuwagen mit Dieselantrieb EU6 aus dem Volkswagen Konzern erfüllen die gesetzlichen Anforderungen und Umweltnormen.
Die Auswertung hat alle betroffenen Fahrzeughalter in Luxemburg identifiziert. Nun werden diese in Kürze individuell per Kundenanschreiben informiert. Losch Import versichert den Kunden, dass alle Fahrzeuge weiterhin technisch sicher und fahrbereit sind. Die Fahrzeuge sind weiterhin uneingeschränkt nutzbar.
Noch im Oktober werden vom Volkswagen Konzern technische Lösungen und Maßnahmen erarbeitet und den zuständigen Behörden vorgestellt. Die technischen Maßnahmen werden voraussichtlich ab Januar 2016 starten.
Jeder Kunde kann sich einfach und schnell informieren, ob sein Fahrzeug betroffen ist. Dazu gibt er die Fahrgestellnummer seines Autos auf der entsprechenden Luxemburger Marken-Webseite ein. Alternativ kann der Kunde sich auch an die Kundenbetreuung per Telefon: +352 261212- 777
oder per Mail: customercare@losch.lu oder seinen jeweiligen Marken Händler wenden.
Skandal als Chance zur Veränderung
Bei einem Treffen von VW-Managern in Leipzig ging Vorstands-Boss Matthias Müller mit seinem Vorgänger Martin Winterkorn und dessen legendärem Kontrollzwang hart ins Gericht.
„Was die Produkte selbst betrifft, habe ich definitiv nicht vor, in Details von Produktentscheidungen einzugreifen. Ob eine Frontscheibe ein Grad steiler steht oder nicht - damit will und werde ich mich nicht befassen“, sagte Müller vor 400 Führungskräften, wie Teilnehmer berichteten. Müller hatte bis zu Winterkorns Rücktritt in der Abgas-Affäre an der Spitze der VW-Tochter Porsche gestanden.
Das Ziel für VW sei nun, nicht nur zu alter Stärke zurückzufinden, sondern eben auch zu neuer. Der Skandal müsse von allen als eine Chance zur Veränderung begriffen werden. Demut sei ein Gebot der Stunde. In dem Veränderungsprozess gehe es „darum, die Verantwortung für unser Unternehmen breiter zu verteilen. Ich will Sie als Top-Management stärken und Ihnen mehr Freiraum für Entscheidungen geben“, sagte Müller. Freiraum heiße dann aber auch Verantwortung.
Müller und VW-Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh schrieben am Donnerstag auch der Belegschaft. „Wir hätten uns nicht vorstellen können, dass es zu solchen absurden Manipulationen kommen kann. Aufsichtsrat, Vorstand und Betriebsrat treiben mit allem Nachdruck die rasche und schonungslose Aufklärung voran. (...) Diese Vorgänge werden lückenlos aufgeklärt - dafür stehen auch wir beide persönlich und gemeinsam ein.“ Das Gebot der Stunde sei es, die Weichen so zu stellen, dass sich ein vergleichbarer Skandal niemals wiederhole.
„Dazu gehört, dass wir Kritik, die jetzt auch öffentlich zum Beispiel an Führungsstrukturen, fehlender Offenheit oder am Umgang mit Problemen geübt wird, zulassen und konstruktiv damit umgehen.“ Gleichzeitig bekannte sich Müller zum Erfolgsfaktor der bei VW ungewohnt starken Arbeitnehmermitbestimmung. Die Sozialpartnerschaft bei Volkswagen infrage zu stellen, „weisen wir strikt zurück“.
Der Wolfsburger Zwölf-Marken-Konzern war jahrelang von einem Rekord zum nächsten geeilt und hatte im Sommer den japanischen Konkurrenten Toyota als weltgrößten Autobauer abgelöst. Ende September musste VW manipulierte Abgaswerte bei Dieseln in den USA einräumen. Die Affäre wuchs sich zum größten Skandal der Unternehmensgeschichte aus. Es drohen Milliardenkosten.
Seit Donnerstag ist zudem klar, dass VW 2016 europaweit 8,5 Millionen Dieselfahrzeuge zurückrufen wird, davon allein in Deutschland 2,4 Millionen.
Diese Entscheidung der Behörden begrüßte Müller in Leipzig. An der Ecke könne es nun weitergehen und VW wisse um die nächsten Schritte. Das deutsche Kraftfahrtbundesamt (KBA) wertet die eingesetzte VW-Software als eine „unzulässige Abschalteinrichtung“, macht Nachbesserungen in der Werkstatt zur Pflicht und überwacht die Rückrufaktion des Konzerns.
Der neue Konzern-Finanzchef Frank Witter verdeutlichte in Leipzig die drei großen finanziellen Risikoblöcke, vor denen der Konzern steht: Rückrufkosten, mögliche Strafzahlungen und teure juristische Auseinandersetzungen. Maximalsummen dazu nannte er nicht. Es gelte nun, an allen Ecken mit Einsparungen für Finanzpolster zu sorgen.


