LUXEMBURG
LUC SPADA

Es ist wirklich immer irgendwas, mit dem man sich beschäftigen muss.

Ich trauere der Vergangenheit ja eigentlich nicht und nie hinterher. Es gibt da aber einen Grund, warum ich ab und zu meiner Kindheit ein wenig hinterher weine und kurz die Nostalgie überhandnimmt.

Diese großartige Gabe, dass einem als Kind oft so schnell langweilig wird und man sich dann ganz schnell eine Beschäftigung erfindet, bis einem auch letztere nicht mehr zusagt und man sich wiederum eine neue Beschäftigung suchen muss.

Das Besondere an einer solchen Beschäftigung ist, dass sie zumeist nur im Moment, wo sie stattfindet, Sinn ergibt und in keinster Weise auf etwas Konkretes, außer Zeitvertreib, hinarbeitet. Wie schön es ist, nichts tun zu müssen und nur das zu tun, was man gerade in dem Moment, wo man es tut, tun will. Das ist Luxus.

Luxus der Unschuld, keine Verantwortung tragen zu brauchen.

Ich bin so ungerne dauerbeschäftigt, und ich merke, wie mit den Jahren der Druck wächst, dass jede Stunde meines Tages einen Sinn machen muss, um jede der Beschäftigungen auch erledigt zu bekommen. Für sinnlose Aktivitäten bleibt keine Zeit mehr. Selbst Freizeit oder Sport muss fest im Tagesplan verankert werden. Nämlich zwischen Zeitabschnitt X, wo ich Geld verdienen muss, und Zeitabschnitt Y, wo ich den ganzen Papierkram mit Steuern, Rechnungen und Zahlungserinnerungen schreiben muss. Sind Y und X abgehakt, kommt von irgendwo ein Z daher und hat Fragen bezüglich meiner neuen Textfassung. Gegessen wird unterwegs, zwischen Tankstelle und nächstem Zeitabschnitt.

Die meisten unter uns sind an dem Punkt angekommen, dass wir auf den Kalender schauen, um eine freie Zeitspanne für ein Treffen mit FreundInnen zu arrangieren. Alles wird geplant, denn die neoliberale Leistungsära mag keine Chaoten, die unpünktlich kommen und sich zwei Stunden mit den Tönen der vor sich hinzwitschernden Vögel beschäftigen.

Und ist dann alles erledigt, ist irgendwas anderes. Liebeskummer. Dann wieder die völlige Verliebtheit. Die Angst vor der Abhängigkeit von der jeweiligen Person, von Tabak, von Geldsorgen, von Erfolg. Dann wieder Weihnachten. Der neue nervige Freund von der Schwester. Die fette Nachzahlung. Die dadurch entstandenen Schulden und die damit einhergehenden zusätzlichen Arbeitsstunden. Der Tod eines wichtigen Menschen. Der Tod der Katze. Der unerwartete Strafzettel aus der Schweiz. Die Hochzeit. Die Scheidung.

Der Besuch, der sich nur vegan ernährt. Der Fleischfresser, der keinen Salat auf dem Tisch ertragen kann. Der Witz, der nicht zündet. Die Tragödie, die nicht aufhören will.

Die ewige Suche nach dem Sinn: Die Feindin der Lässigkeit.