Nachdem CSV-Präsident Michel Wolter in der vergangenen Woche während der Parlamentssitzung, in der es um den Misstrauensantrag der Opposition gegen Minister Frieden und die Regierung ging, den Radiosender 100,7 im Namen der CSV aufgefordert hatte, in Bezug auf die Pädophilie-Vorwürfe gegen Staatsanwalt Biever die Person zu nennen, die dem Radio die Informationen weitergab, gab er gestern Nachmittag in seinem persönlichen Namen eine Erklärung. Fragen waren nicht zugelassen.
Die Radiojournalisten hatten den CSV-Chef letzte Woche nach Gerüchten befragt, wonach er in die Rufmordkampagne gegen den Generalstaatsanwalt verwickelt sei.
Gerüchte streuen
Wie Wolter gestern unterstrich, seien diejenigen, die so was behaupten würden entweder „krank am Kapp“ oder sie würden ganz andere Ziele verfolgen, nämlich ein Gerücht nach links und nach rechts zu streuen, und am Ende füge sich das Puzzle dann Stück für Stück zusammen - zu einem „falschen Bild“. Wolter sieht sich selbst dann auch als „zentrale Punkt vun enger Konspiratioun, engem Komplott vu Politik a Geheimdéngscht géint de Procureur Général. De perfekte Szenario vir definitiv eis Partei a säi Président vun senger schlëmmster Säit ze weisen an dann ze eliminéieren“, so der CSV-Chef, der sich missverstanden fühlt, würden die CSV und er doch zur Pressefreiheit und zum Quellenschutz stehen.
Wolter hatte im Parlament auch die anderen Parteien aufgefordert, Radio 1007 vom gesetzlich verankerten journalistischen Quellenschutz zu entbinden, was eine regelrechte Protestwelle der Journalistenvereinigungen aber auch von Privatleuten auf Facebook und Twitter zur Folge hatte. Dass er am Donnerstag so reagiert habe, sei auf seine extreme Wut zurückzuführen, „a wann ech dobäi een ze fest ugepak hunn, deet dat mir ausdrecklech leed“.
Radio 100,7 habe er indes zu keinem Moment aufgefordert, seine Quelle zu nennen und es sei falsch, wenn dies immer wieder behauptet werde. „Et ass de Sënn vu menger Interventioun op de Kapp gestallt.“
„Et war kee vun der CSV“
Radio 100,7 stellte seinerseits gestern Abend klar, dass de Michel Wolter den 100,7-Journalisten sehr wohl dazu aufgefordert habe, seine Quellen zu nennen: „Wann et en Deputéierten aus der CSV war, sot mer den Numm! A wann ee war aus enger anerer Partei, sot mir den Numm wann ech gelifft och!“, wie der soziokulturelle Rundfunk Wolter in seinem Abendjournal zitierte. Wolter ist sich indes sicher, dass es keiner der CSV war: „Et war kee vun der CSV“.
OGBL: Wolter verweigert Entschuldigung für feigen Angriff auf die Pressefreiheit
Gestern Abend meldete sich dann auch noch der OGBL zu Wort, der die Angriffe Wolters auf die Pressefreiheit noch einmal auf schärfste verurteilt.
So habe Wolter letzte Woche im Parlament nicht nur gedroht, die CSV würde den Quellenschutz einseitig „aufheben“, sondern bereits vorher gegenüber einem Journalisten von Radio 100,7 drohende Äußerungen gemacht: „Dir musst elo gutt oppasse wat der maacht, gleeft mer et!“. Auf die Nachfrage, was er von den Aussagen der DP halte, dass es nur jemand von der CSV gewesen sein könnte, der Gerüchte über Robert Biever gestreut hat, habe Wolter geantwortet: „Wann dat doten de Niveau ass iwwert dee mer diskutéieren, dann diskutéiere mer an der Chamber iwwert den 100,7. De Mëtten. Gleeft mer dat.“
Diese unverhüllten Drohungen gegenüber einem Presseorgan in Luxemburg seien schlichtweg nicht akzeptabel. In Deutschland hätten ähnliche Bedrohungen gegenüber der Bild-Zeitung zum Rücktritt des damaligen Bundespräsidenten Christian Wulff geführt, so der OGBL.
In seiner gestrigen Erklärung habe Wolter lediglich gesagt, er sei falsch verstanden worden. „Entschuldigen wollte er sich für seine massiven verbalen Entgleisungen hinsichtlich des Quellenschutzes jedoch nicht.“
Das zuständige OGBL-Syndikat fordert Wolter nun auf, sich in aller Form bei Radio 100,7 und seinen Journalisten für seine verbalen Entgleisungen zu entschuldigen.


