PASCAL STEINWACHS

Sechseinhalb Monate können ganz schön lang sein, besonders für die Regierungsparteien. Können sich die Oppositionsvertreter, sofern sie sich denn gegen ihre innerparteilichen Gegner durchsetzen konnten und über kräftige Ellbogen verfügen, in den nächsten Wochen mit Haut und Haaren dem Wahlkampf widmen, so müssen DP, LSAP und Grüne den schwierigen Spagat bewältigen, die Regierungsarbeit bis zu den Wahlen weiterzuführen - gearbeitet wird den Aussagen der Mehrheitspolitiker ja angeblich bis zum letzten Tag -, sich gleichzeitig aber in Position bringen. Langsam aber sicher wird es nämlich Zeit, sich vom Koalitionspartner abzugrenzen und eine Zeit lang wieder auf eigenen Beinen zu stehen, ehe man dann, nach dem 14. Oktober, eine weitere Vernunftbeziehung mit einem - oder mehreren - neuen Lebensabschnittspartner eingeht.

Dass die größte Oppositionspartei am Samstag ihre Kandidatenliste verabschiedete (ihr Wahlprogramm will die CSV erst nach den Sommerferien vorstellen), heißt natürlich nicht, dass der parteiinterne Machtkampf um die erhofften Minister- und sonstigen Posten jetzt für die CSV überstanden wäre, dürfte das Hauen und Stechen sich doch in den kommenden Monaten noch einmal intensivieren, wobei man die Zahl der Regierungsmandate jedoch verdoppeln müsste, um alle persönlichen Ambitionen unter einen Hut zu bringen, wie LSAP-Fraktionschef Alex Bodry sich am Sonntag auf dem Landeskongress seiner Partei ausdrückte. So richtig harmonisch ging es aber auch dort nicht zu, erwies sich hier doch ausgerechnet der beliebteste Politiker überhaupt, der zweimalige Spitzenkandidat (2004 und 2009) Jean Asselborn, als Spielverderber, indem er seinem Nachfolger als LSAP-Spitzenkandidat und Vizepremier in seiner Kongressrede zu verstehen gab, doch besser mit beiden Füßen auf dem Boden zu bleiben anstatt sich in Extratouren im Weltall zu üben. Unterstützung für den Spitzenkandidaten sieht jedenfalls anders aus.

Kämpferisch war die Stimmung auch auf den bisherigen Bezirkskongressen der DP (der Nationalkongress findet erst 22. April statt), auf denen zwar vor allem die CSV kritisiert wurde, jedoch auch der kleine Koalitionspartner nicht verschont wurde. So zeigte sich DP-Generalsekretär Claude Lamberty überzeugt, dass dort, wo die Grünen Fledermäuse in den Mittelpunkt stellen, die DP den Menschen in die erste Reihe stellen würde. Worauf die Grünen den Liberalen gestern wiederum Populismus vorwarfen, und ihre Facebook-Profilfotos mit dem Slogan „déi mat der Fliedermaus...“ schmückten.

Kongressreden, zumal in einem Wahljahr, sollte man sowieso nicht allzu ernst nehmen, müssen die eigenen Truppen doch unterhalten werden, und gehört es zu den Aufgaben eines Generalsekretärs , die politische Konkurrenz auch mal fester anzufassen. Etwas härter zu ging es gestern anscheinend auch in der Abgeordnetenkammer, wo sich gleich drei Ausschüsse mit der geplanten Joghurt-Fabrik befassen mussten, und der sozialistische Wirtschaftsminister und die grüne Umweltministerin immer noch gänzlich unterschiedliche Ansichten vertreten. Derartige Beispiele dürften sich in den kommenden Monaten mit Sicherheit häufen...