LUXEMBURG
PIERRE WELTER

Staatsanwaltschaft fordert sieben Jahre Haft für „mutmaßlichen“ Dealer

Mit Handschellen wurde der Angeklagte von den Polizisten in den Gerichtssaal hereingeführt. Er saß im Rollstuhl und wartete schweigsam und angespannt auf den Beginn der Verhandlung.

Trotz schwerer Krankheit sei es dem 65-jährigen Mann gelungen, gegen das Gesetz zu verstoßen. Er soll Kokain verkauft haben. Laut Staatsanwaltschaft in rauen Mengen, er behauptet: Nur 350 Gramm. Trickreich habe er vermutlich versucht, das Drogengeld im Spiel-Casino zu waschen. Die Staatsanwaltschaft geht von 204.000 Euro aus. Von den Taten hatten die Fahnder offensichtlich detaillierte Kenntnis. Der ganze Drogenhandel war dazu gedacht, sich eine provisorische und eine sichere Einkommensquelle zu erschließen, so der Angeklagte. Jetzt habe er seine Rente und wolle ein neues Leben beginnen.

Schwunghafter Kokainverkauf

Es endete für den Mann und seine 46-jährige Freundin vor Gericht. Der angeklagte 65-Jährige soll in seiner Wohnung in Sprinkingen zwischen Mai 2014 und Februar 2016 Kokain verkauft haben. Die Freundin soll ihm dabei geholfen haben. Die mutmaßliche Komplizin berichtete, dass sie den Mitangeklagten aus dem Spiel-Casino in Mondorf kennt. Im Verhör gab die Frau zu, ihr Freund hätte kleine Mengen an Kokain in seiner Wohnung in Sprinkingen und nachher in Kayl an Personen verkauft. Ein Tipp brachte den Zoll auf die Spur des mutmaßlichen Rauschgifthändlers. Am Donnerstag hat er die Drogengeschäfte vor der 9. Strafkammer unumwunden zugegeben.

Ab Mai 2014, so wirft es ihm die Anklage vor, begann er mit dem Dealen von Kokain . Den Stoff besorgte der Angeklagte zuerst im Drogenmilieu in Mont-Saint-Martin, in Mengen bis zu 350 Gramm. Zuerst hätte er keine Kunden gehabt. Doch das hätte sich bald geändert. Seine Kunden musste er jetzt nicht mehr umständlich suchen. Die Abnehmer, die vor allem in der Gegend und im nahen Ausland lebten, bestellten einfach per Telefon - und binnen einer Stunde konnten sie die gewünschte Menge Kokain in der Wohnung abholen.

Das Kokain lag im Kühlschrank. In Zusammenarbeit mit seiner Freundin machte er Kügelchen daraus. Nachdem er durch seine Krankheit nicht mehr laufen konnte, ließ er sich das Kokain nach Hause liefern.

Trotzdem blieben die Aktivitäten in der kleinen Wohnung in Sprinkingen nicht unbemerkt. Und so überwachte der Luxemburger Zoll einige Wochen die Wohnung des Angeklagten und bekam fein säuberlich mit, wer bei ihm ein und ausging.

Riesige Summen

Am Verhandlungstag berichtete ein Zollbeamter von den wöchentlichen Überwachungen und der Wohnungsdurchsuchung bei dem Beschuldigten im Februar 2016. Der Zoll hatte es mit 23 Bestellern zu tun. Die wurden vom Zoll vernommen. Ein Kunde hatte ausgesagt, er hätte Kokain für mehr als 90.000 Euro bei ihm gekauft. Ein anderer für 50.000 Euro. Er widersprach den Behauptungen der Kunden. „Déi si kappkrank. Ech konnt mir nët viirstellen dat een op esou Chiffre kënnt“, behauptet er. Es sei lediglich zu wöchentlichen Lieferungen von wenigen Gramm Kokain gekommen.

Die Staatsanwaltschaft ihrerseits hatte einen Kokain-Verkauf von Mai 2014-Februar 2016 angeklagt. Zwei Kilogramm Kokain sollen in der Zeit verkauft worden sein. Ende Februar 2016 hatte der Zoll dann genügend Beweise gesammelt und nahm den Luxemburger und seine Freundin fest.

Der gab sich selbstsicher: „Ich hätte am liebsten laut gelacht. Ich wusste doch schon lange, dass die mich überwachten. Einmal ging ich auf die Straße, stellte mich vor den Wagen der Zöllner, damit sie ein Foto von mir machen konnten.“ Die Anklagevertreterin fand die Aussage gar nicht lustig und beantragte für den Mann eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren und eine von drei Jahren für die Frau.

Der Verteidiger der angeklagten Frau Philippe Stroesser sprach in seinem Plädoyer von einer untergeordneten Rolle seiner Mandantin. Dieser Einschätzung folgte die Anklagevertreterin allerdings nicht. Vielmehr habe die Angeklagte eine ganz wichtige Rolle gespielt. Sie habe ihm dabei geholfen Kügelchen mit Kokain zu füllen und aufpassen müssen, dass alles läuft wie geplant. Das Urteil wird voraussichtlich am 19. Januar 2017 gesprochen.