LUXEMBURGPIERRE WELTER

Tochter eines verstorbenen Feuerwehrmanns berichtet über dessen Beobachtungen am Tatort Findel

Gleich fünf Zeugen waren gestern am 129. Tag des „Bommeleeër“-Prozess vor der Kriminalkammer vorgeladen. Es erschienen aber nur drei - Pierre Bartholmé und Henri Knepper dürften zu einem späteren Zeitpunkt gehört werden, während ein vierter kurzfristig einbestellt wurde. Den Anfang machte Marie-Anne Reinert. Sie ist die Tochter eines Feuerwehrmanns, den eine Beobachtung lange beschäftigte, die er am Morgen des 10. November 1985 nach dem Attentat auf den Flughafen gemacht hatte.

Wer verwischte die Fußspuren?

Reinerts Vater, ein Mitglied der Flughafenfeuerwehr, war damals als einer der ersten vor Ort um das Ausmaß des Schadens in Augenschein zu nehmen. Dabei sei ihm das Desinteresse des damaligen zweiten Manns in der Gendarmerie, Charles Bourg aufgefallen. Geprägt habe ihn vor allem aber die Reaktion eines Gendarmen auf seinen Hinweis auf Fußspuren. Der habe die Spur einfach mit seinem Stiefel verwischt und gemeint: „Mat där doter Foussspuer kënne mir näischt ufänken“.

Seiner Tochter hat der Feuerwehrmann denn auch seine Überlegungen zu diesen kuriosen Vorfällen mitgeteilt: „Déi wëllen d’Täter nët kréien.

Als weiterer Zeuge sprach Jean Majerus vor, seines Zeichens ehemaliger „Chef Brigadier“ der Gendarmerie in Bartringen.

Der damals stellvertretende Stationskommandant hatte den Bericht über die Bomben unterzeichnet, die am 29. August 1985 in der Nähe des „Glacis“ hochgingen, auf der gerade die Schobermesse stattfand. Majerus konnte sich gestern allerdings nicht mehr sonderlich an die Vorgänge von damals erinnern. Der heutige Kripo-Beamte Mario Schmitz hatte seinerseits den Bericht geschrieben.

Allerdings, so Schmitz gestern im Zeugenstand, sei er nicht am Tatort gewesen, sondern habe nur die erhältlichen Informationen in Textform gebracht. Der Zeuge konnte dem Gericht deshalb nicht sonderlich weiterhelfen.

Ex-Schwager mit Alibi für Jos Wilmes

Als nächster trat Georges Grof in den Zeugenstand. Er ist der ehemalige Schwager des Angeklagten Jos Wilmes. Er hatte in einer eidesstattliche Erklärung bezeugt, dass Wilmes vom 27. Juli bis zum 17. August 1985 mit der Familie im Urlaub in der Schweiz war. Ihm war aufgefallen, dass während des Attentats am 27. Juli auf das „Luxemburger Wort“ Wilmes gar nicht in Luxemburg war. Von diesem Urlaub in der Schweiz besitzt Grof Fotos mit der Familie und seinem damaligen Schwager.

Heute soll es zur Konfrontation zwischen dem Polizisten Pierre Kohnen und dem ehemaligen Armee-Kommandanten Michel Gretsch kommen.

Dieser hatte am Samstag im „Luxemburger Wort“ die Aussage Kohnens dementiert, dass er über eine Liste von „Stay Behind“-Mitgliedern verfügt habe. Er streitet auch ab, jemals mit Kohnen ein Gespräch geführt zu haben. Der Polizist hatte vergangene Woche zu Protokoll gegeben, dass er im Rahmen von Ermittlungen über den Tod des früheren Polizei-Waffenmeisters Henri Flammang über mögliche Verbindungen mit dem geheimen NATO-Netzwerk ermittelt und sich eben auch bei der Armee erkundigt habe.

Kommt es zur Konfrontation zwischen Kohnen und Gretsch?

Da Kohnen seit zwei Tagen aber nicht zu erreichen ist, wie gestern bekannt wurde, ist noch ungewiss, ob es heute tatsächlich zu dieser Gegenüberstellung kommt.

Ziemlich sicher ist indes, dass Alexis Kremer aussagen wird. Er war damals Generaldirektor der Cegedel.

Die „Bommeleeër“ hatten es bekanntlich auf die Strommasten des Unternehmens abgesehen und auch so getan, als ob sie es erpressen wollten. Heute steht fest, dass es nie um Geld ging und die Attentäter nur ein verunsicherndes Spiel spielten.

Der heute 84jährige Alexis Kremer hatte Anfang der 1990er seine Gedanken und Notizen über die „Bommeleeër“-Affäre zu Papier gebracht. Eines der seltenen Exemplare seines Büchleins hat er den Ermittlern im Jahr 2004 übergeben.