LUXEMBURG
MARC DOSTERT

FIFA 15 - Digitale Ballsportmonotonie auf hohem Niveau

Next-Gen-Torhüter, Total Ball Control und erweiterte Teamtaktik - na und? Die angekündigten bahnbrechenden Neuerungen der alljährlich erscheinenden Fußballsimulation von Electronic Arts entpuppen sich schnell als leichtes, kaum merkbares Feintuning. Bis auf das Intro sieht Fifa 15 auf den ersten Blick identisch zum Vorgänger aus. Auf den zweiten Blick auch und so fragt man sich, beim Starten der ersten Partie, ob nicht versehentlich die 14er Disc reingeschoben wurde.

Virtueller Realismus

Schneller, besser, realer. So steht es zumindest in der Beschreibung. Davon betroffen sind aber vor allem Grafik und Kulisse, das Spielverhalten ändert sich kaum. Im Gegenteil, kann man sich doch sicher sein, dass dem angespielten Pixelkicker gefühlt einer von zwei Bällen verspringt und so den Eindruck von erzwungenem Realismus verschafft. Schade, denn die verbesserte Spieler-Biomechanik und Ballkontrolle sollten doch genau diesen unvorhersehbaren Realismus fördern, was aber nur teilweise gelingt.

Schöner Dreck

Da fliegt das Gras: Optisch kann EA vor allem mit dem sich durch Grätschen, fallenden Spielern oder ganz normalem Spielverlauf abnutzenden Rasen punkten. Auch die sehr detailliert animierten Trikots bekommen was ab und sehen nach 90 Minuten vor allem bei Regen so aus, als hätte es eine Schlammschlacht gegeben. Die rundum sehr gelungenen Animationen wie das Meckern bei gelben Karten oder enttäuschtes Zusammensacken bei Fehlschüssen runden die gereifte Optik von Fifa 15 ab. Der Fangesang und die Kulisse sind stark überarbeitet worden, können vor allem mit Authentizität und großen Emotionen begeistern und bieten ein mitreißendes Stadionerlebnis.

Mein lieber Kokoschinski!

Der deutsche Kommentar ist, wie jedes Jahr, kaum verändert und dermaßen flach, das es komplett stumm garantiert mehr Spaß machen würde. Zum Glück kann man auf die sehr guten Englisch-Kommentare wechseln, die so gut wie jeden Spieler mit Namen kennen, Hintergrundinformationen liefern und auch topaktuell, mit Blick auf die WM 2014 in Brasilien, sind.

Fazit

Optisch schöner, technisch besser und doch typisch FIFA. Statt sich wirklich mal Gedanken zu Neuerungen und Spielspaß zu machen, ist EA’s Motto auch dieses Jahr wieder: Kleine Mühe, großes Geld. Schuld daran sind eigentlich die Millionen von Spielern, die FIFA trotz der seit Jahren anhaltender Monotonie ohne wirklich neue Ideen, blind kaufen.

Wer sich dieses Jahr im Duell um die Couch-Fußball Krone behaupten kann, wird sich erst in ein Paar Wochen zeigen, da Konami’s Pro Evolution Soccer, der ewige Konkurrent aus Japan, erst am 13. November erscheinen wird.