LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

„The Great Gatsby“ startet gleichzeitig in Cannes und Luxemburg

Der amerikanische Schriftsteller F. Scott Fitzgerald schrieb „The Great Gatsby“ im Jahr 1925. Der Roman erzählt die fiktive Geschichte von Multi-Millionär Jay Gatsby und ist zugleich eine Studie der dekadenten New Yorker High Society der „Roaring Twenties“. Der australische Regisseur Baz Luhrmann, der mit „Strictly Ballroom“, „Romeo and Juliet“ und „Moulin Rouge“ relativ peppige Filme realisierte, hat sich des Buch-Klassikers angenommen und zum vierten Mal verfilmt, ganz im Stile seiner vorherigen Filme.

Gatsby und „Old Sport“

1922: Der Aktienhändler Nick Carraway (Tobey Maguire) mietet ein Haus im (fiktiven) West Egg auf Long Island, gleich neben der pompösen Villa von Gatsby (Leonardo DiCaprio). Tagtäglich werden hier rauschende Partys gefeiert, und die oberen Zehntausend gehen ein und aus.

Auf der anderen Seite, in East Egg, wohnt Nicks Cousine Daisy (Carey Mulligan) mit ihrem reichen Mann Tom Buchanan (Joel Edgerton). Als Nick eines Tages eine Einladung zu einer von Gatsbys Feten erhält, freundet er sich mit dem Millionär an, der ihn „Old Sport“ (alter Freund) nennt. Eigentlich will Gatsby, dass Nick seine Cousine zum Tee einlädt. Jay und Daisy haben sich während des Krieges kennen gelernt und ineinander verliebt. Nur verloren beide sich aus den Augen, und Daisy heiratete Tom. Jay will Daisy mit allen Mitteln wieder für sich gewinnen. Luhrmann hat mit den Mitteln der Computeranimation ein buntes irreales New York zusammen gemischt. Schmutzige Baustellen wechseln sich mit dem Times Square und seinen schrillen Plakatwerbungen ab, und Gatsbys Villa wird zu einem Amüsierpark à la Disneyland.

Geschichtliche Verfälschungen

Schnelle Schnitte, rasante Kamerafahrten, knallige Kostüme und poppige Musik, die mit Klängen der Epoche vermischt werden, interessieren Luhrmann mehr, als die Geschichte, aus der er lediglich die Liebesaffäre herausgefiltert hat. Den historischen Kontext der Prohibition und der sich am Horizont abzeichnende Börsenkrach interessieren den Australier nicht.

In Sachen Anachronismen kennt er sich dagegen aus. Auch wenn die Mischung aus George Gershwins „Rhapsody in Blue“ und Alicia Keys „Empire State of Mind“ interessant klingt, wurde die Rhapsodie erst 1924 komponiert und Cole Porters „Let’s Misbehave“ 1927. Das Allerschlimmste ist, dass er versucht eine Liebesgeschichte an den zahlenden Zuschauer zu bringen. Doch jegliche Gefühle ersticken in all dem Schnickschnack und Firlefanz, der diese Liebe umgibt.

DiCaprio wirkt in den meisten Szenen so steif wie eine Statue aus seiner Villa. Selten gibt er sich gelassen oder wirkt verliebt. Nick, der in einem Sanatorium u. a. wegen Alkoholismus behandelt wird, erzählt die Ereignisse Voice-over. Im Film sagt er aber, er wäre nur zweimal in seinem Leben besoffen gewesen! Eine komische Logik demnach. Der Film wurde in 3D gedreht, ein Verfahren, das den Film keinesfalls besser macht!