LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

LIST und MPG bündeln ihre Kräfte gegen Covid-19

Das „Luxembourg Institut of Science and Technology“ (LIST) und die „Molecular Plasma Group“ (MPG) haben sich zusammengeschlossen, um gemeinsam nach einer plasmagestützten Methode zur Dekontaminierung gebrauchter Masken und persönlicher Schutzausrüstung zu suchen, damit diese Artikel wiederverwendet werden können. Das Projekt zielt auch darauf ab, Masken mit antimikrobieller respektive antiviraler Beschichtungen herzustellen.

Aufgrund der Covid-19-Pandemie leiden viele europäische Länder unter einem Mangel an persönlicher Schutzausrüstung wie Masken und Laborkittel. Um dieser Herausforderung zu begegnen, gibt es in ganz Europa verschiedene Initiativen, um Lösungen für die Wiederverwendung der verfügbaren Ausrüstung durch Dekontaminations- oder Sterilisationsverfahren zu finden. Bisher wurden Technologien wie chemische Sterilisation, Bestrahlung, UV-Strahlen oder Vakuumplasma getestet. Zwar haben sie sich als wirksam gegen Covid-19-Kontamination erwiesen, jedoch unterliegen sie alle großen Einschränkungen. Insbesondere führen sie oft zu einer Schädigung des Materials durch sehr aggressive Behandlungen.

Dekontaminierung mit Atmosphärendruck-Plasma

Das Foetzer Unternehmen MPG verfügt über eine Atmosphärendruck-Plasmatechnologie, mit der die chemischen Eigenschaften jeder Oberfläche dauerhaft verändert werden können. Diese Technologie könnte eine wesentlich schonendere Alternative zu den üblicherweise zur Dekontaminierung von Schutzmasken verwendeten Methoden darstellen. „Durch unsere Technologie kann jede Oberfläche, von Glas bis zu Textil oder Leder verändert werden“, versichert CEO Marc Jacobs.

Ziel des gemeinsam von LIST und MPG durchgeführten Projekts ist es, die Relevanz der Technologie von MPG für die Dekontamination von Schutzmasken aufzuzeigen. Dabei sollen gebrauchte FFP-Masken wiederverwendbar gemacht werden, langfristig aber auch die Herstellung von FFP-Masken und die von persönlicher Schutzausrüstung mit erhöhter Lebensdauer und Schutzleistung durch antivirale Zusätze ermöglicht werden. Der erste Schritt ist im Krankenhaus möglich, für den zweiten müsste eine Etappe bei der Produktion der Schutzkleidung eingeführt werden.

LIST nutzt sein Wissen in der Mikrobiologie

Die Abteilung für Umweltforschung und -innovation des LIST wird ihre Erfahrung bei der Validierung antimikrobieller Behandlungen ins Projekt einbringen. Zu diesem Zweck werden Modellviren verwendet, die für den Menschen nicht pathogen, aber repräsentativ für Viren wie SARS-CoV-2 sind. Die Wirksamkeit der Behandlungen mit der Plasmatechnologie von MPG wird anhand eines strengen experimentellen Rahmens bestimmt, der durch die europäischen Normen für die Validierung von Dekontaminationsbehandlungen definiert ist.

Beide Partner kennen sich bereits. MPG ist eine Ausgründung aus zwei öffentlichen Forschungsinstituten: dem LIST und dem flämischen Institut für technologische Forschung (VITO), das sich mit Cleantech und Nachhaltigkeit befasst. Das 2016 gegründete Unternehmen arbeitet regelmäßig mit dem LIST an Projekten zusammen. Die erste Phase des Projekts, das vom Wirtschaftsministerium unterstützt wird, ist auf 18 Wochen angelegt. Das LIST ist eine aufgabenorientierte Forschungs- und Technologieorganisation (RTO), die fortschrittliche Technologien entwickelt und innovative Produkte und Dienstleistungen für Industrie und Gesellschaft liefert.