MAX PESCH

Das Ausmaß, in dem sich die Bürger für Politik interessieren, ist ein wichtiger Gradmesser, um festzustellen, inwieweit sie das politische Geschehen registrieren und an ihm teilnehmen. Das politische Interesse ist ein guter Indikator dafür, ob Politik für die Bürger wichtig genug ist, um sich darüber zu informieren und sich gegebenenfalls dafür zu engagieren.

„Eine lebendige Gemeinde definiert sich mitunter über das Gefühl seiner Einwohner, ein wichtiger und ernst genommener Teil ihrer Gesellschaft zu sein. Traditionsgemäß bieten die Gemeindekommissionen ein Mindestmaß an partizipativer Politik. In diesem Sinne ist es umso frustrierender, wenn in eben diesen Kommissionen über Jahre hinweg nicht viel zustande kommt. Ein Problem dieser Strukturen ist die oft politische Zusammenstellung: Die Lokalsektionen mancher Parteien sehen das Melden geeigneter Kandidaten oft eher als lästige Angelegenheit denn als gewinnbringendes Element einer funktionierenden Demokratie.

Eben jenes Gefühl hat über die letzten Jahre so manche Kommission und damit innovative Projekte und Aktionen zum Erliegen gebracht. Wenn man den Einwohnern über Jahre hinweg das Gefühl gibt, dass ihre Meinungen nicht gehört werden müssen und ihre Ideen nicht umgesetzt werden sollen, muss man sich nicht wundern, dass die Motivation der Bevölkerung, sich an Prozessen in der Gemeinde zu beteiligen, gegen Null tendiert.

Wie kann man dieses herrschende Gefühl nun wieder ins Positive rücken? Eine Möglichkeit ist sicherlich das Öffnen der Kommissionen für interessierte Bürger: Ein Aufruf an alle Einwohner, dass man gebraucht wird, um Teil eines positiven Projektes in einer lebendigen Gemeinde zu sein. Dies geht natürlich nur, wenn Bürgermeister, Schöffen- und Gemeinderat voll dahinterstehen und das Signal senden, dass alle an einem Strang ziehen müssen, um eine Gemeinde aufleben zu lassen und ein Zusammengehörigkeitsgefühl zu entwickeln.

Andere Instrumente, die uns in Echternach zur Verfügung stehen, wie das Sozialforum oder das Jugendforum, müssen ebenfalls sehr ernst genommen werden und dürfen nicht einschlafen, nachdem sie ins Leben gerufen wurden. Viel zu oft herrscht der Eindruck, man ruhe sich auf etwas Geschaffenem aus, ohne die vielfältigen Möglichkeiten, die einem zur Verfügung stehen, entsprechend zu nutzen.

Der Politikverdruss, den man in letzter Zeit überall auf der Welt spürt, ist sicherlich zu einem Teil auch auf lokaler Ebene angekommen. Gerade in einem kleineren Raum kann sich der Bürger noch stärker mit seiner Umwelt identifizieren und hat ein viel klareres Bedürfnis, sich einzubringen und mitzuteilen. Es wird also höchste Zeit, als Gemeinde zu handeln und zu zeigen, dass jeder gebraucht und ernst genommen wird, denn nur so kann Demokratie funktionieren.“